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Der Israelit · 1866-07-25 · Heft 30 (25.7.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 30 (25.7.1866)
Date
1866-07-25
Page
– (sequence 6)
Language
German
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504 er seine Rückreise in sein Erzstift nicht abwartete, um davon Gebrauch zu machen. Schon in Nürnberg nahm er durch eine förmliche Urkunde einen Juden von Bischossheim, mit Namen Gottlieben, in seinen Schirm und Schutz und ertheilte ihm die Vollmacht und Gewalt: „Daß er reden und bedingen möge mit andern Juden, daz sie vnder vns zyhen vnd daz wollen siede Halden unverbrüchlich." (Vodmann rhein. Nlterth. II. 712.) Noch im nämlichen Jahre 1356 und im folgenden nahm er mehrere Juden in seinen Rheingau auf, und saß sogar zu Eltville in ihrer Klagsache zu Gericht (das. 713). Obgleich uns über die neue Ansiedelung der Juden in Mainz keine Dokumente vorliegen, so ist doch gewiß, daß 1357 bereits dort Israeliten .ansässig waren, unter andern der Rabbiner Eileser ben Samuel Ha-Leoi, über besten letzte Jahre wir authentische Nachrichten besitzen. Wir verdanken diese Nachrichten einem Enkel des R. Elieser Ha-Levi, der sie am Ende des „Testaments" seines Großvaters niederschrieb. Das Testament ist eine moralische Anleitung für seine Kinder, das handschriftlich in mehreren Bihliotheken, unter andern in der Pariser, aufbewahrt wird. S. D. Luzzatto, der ebenfalls ein Exemplar von dieser Schrift besaß, erwähnt sie im Kerem Chemed Th. 7, S. 57. Sie verdient gedruckt zu werden, denn sie enthält sehr schätzbare Lehren der Moral und Religion, die uns von der Tugend, Religiosität und Toleranz des Verf. eine hohe Idee geben. Obgleich zunächst für seine eignen Kinder geschrieben, so war das Testament doch für jeden Anvern bestimmt, wie man aus folgenden Versen an der Spitze ersehen kann: : OZNZ '211 71'211 . ID127I 7IM12 : OP.1 p'11.1^, . ."1M121 .-,'1-ri „Ein schätzenswerihes Testament, dessen Wege angenehme Wege sind. Würdig und geprüft, für das ganze Volk bestimmt." Ueber die früheren Lebensverhältniste unsres Rabbiners, wo er lehrte und wirkte, misten wir nicht das Geringste. Ebenso ist ^es unbekannt durch welches Wunder, er und seine Kinder, von der allgemeinen Vertilgung der Juden im Jahre 1349, gerettet wurden. Wir misten nur, daß er und seine Familie nach dieser schrecklichen Katastrophe in Mainz war und dort den 16. September L357 starb und am 17. dieses Monat's in Mainz begraben wurde. Auf seinem Grabe wurde ein Gedenkstein gesetzt mit folgender Inschrift: 1NN1 1'ON Vitt PSO, 1OLU .->2 O'Q'ZNI O'dU 1'lvpv O'I'ON '21-12 O'VIIO OI7.1 '2'P2 O'V21PV.1 '1^.1 bniOr? I"rr.i s2 irp'^i« I"ii.i p"2d ll"'p .l"l1 PL7i«1 ON2 OO «2^V2 .1"11 Ol' 1O1NO- 12PI1 Wir geben hier den Anfang des Testaments R. Elieser Ha-Ltvi's in treuer Übersetzung: „Dies sind die Gebote welche meine Söhne und Töchter, wie ich sie bitte, beobachten sollen. Morgens und Abends sollen sie die Synagoge besuchen und auf das Gebet und Schema Acht geben. Nach dem Gebet sollen sie sich gleich mit der Thora, den Psalmen oder mit Werken der Barmherzigkeit beschäftigen. Ihr Verkehr mit den Nebenmenschen, Israeliten und Nichtisraeliten, soll gewissenhaft und gerade sein. Sie sollen ihnen freundlich begegnen und ihnen alles, was thunlich ist, nach ihrem Verlangen gewähren. Sie sollen keine überflüssige Worte sprechen, nur was nothwendig ist; dies wird sie vor Verläumdung und Spötterei bewahren. Den Zehnten sollen sie genau abgeben und keinen Armen leer abweisen, sondern ihm immer etwas geben, sei es viel, sei es wenig, rc." R. Elieser ben Samuel Ha-Levi scheint kein Amtsrabbiner gewesen zu sein, denn aus seinem Grabstein wird er blos: i"ri,i d. i. '2i 1211.1 genannt. Auch war die jüdische Gemeinde noch zu klein, um einen Rabbiner aufnehmen zu können. Erft gegen 1365 scheint die Gemeinde eine gewisse Anzahl Familien zu enthalten, die sie in den Stand setzte, ein geistliches Oberhaupt berufen zu können. Die Geschichte spricht von einem R- Jakob Nordhausen, der damals mit seiner ganzen Familie nach Mainz kam und auf vier Jahre von Bürgermeister und Rath ausgenommen wurde. Wir werden im folgenden Paragraphen auf diesen Rabbiner zurückgekommen, unter dessen Leitung die Gemeinde sich bedeutend erhob und bald nachher noch einmal aufblühte. Das Memorbuch, das sich wieder in Mainz befand, beginnt wieder mit dem Jahr 1373 seine glaubwürdigen Berichte. (Fortsetzung folgt.) E. Carmoly. Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, den 23. Juli. Wir wissen nicht, ob diese Zeilen in die Hände unserer geehrten Abonnenten gelangen werden; wir sind hier fast von der ganzen Welt abgeschnitten; nur wenige Zeitungen, noch weniger Briefe und fast gar keine Paquete oder Werthsendungen gelangen hierher. Ein großer Theil der Einwohner ist entflohen; die zurückgebliebenen leben in Angst und Schrecken. An den Herausgeber dieser Blätter sind von auswärtigen Freunden viele Einladungen ergangen, mit seiner Familie die für Mainsich vorbereitenden trüben Zeiten, die der Allgütige gnädig abrvenden möge, hei ihnen in Sicherheit abzuwarten;

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