Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1866)
- Date
- 1866-07-25
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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505 er hält eS jedoch für seine Pflicht, seine Gemeinde zur Zeit der Gefahr nicht zu verlassen. In der Synagoge werden Morgens und Abends besondere Gebete um Gottes allmächtigen Schutz abgehalten; wir bitten unsere Freunde, zu denen die^e Zeilen gelangen werden, uns, unsere Gemeinde und unsere Stadt in ihr Gebet einzuschlicßen. Ueber den Stand der gegenwärtigen militärischen Operationen, über die vielen wahren und falschen Gerüchte, die fortwährend die Stadt durchziehen, enthalten wir uns jeder Bemerkung, da derartige Mittheilungen von Seiten des Festungsgouvernements verboten worden sind. Den auswärtigen Angehörigen unserer Schüler (O'-ni-w) diene zur beruhigenden Nachricht, daß dieselben sämmtlich in voriger Woche die Stadt verlassen haben und sich in Sicherheit befinden; auch zwei unserer hiesigen Mitarbeiter sind fortgereist, so daß uns die Bürde der Redaction, Correctur rc. gegenwärtig fast allein obliegt. Möge der allgütige Gott recht bald die Welt mit „Frieden" beglücken, möge Er uns vor de» Schrecken und Gefahren, eines ernstlichen Bombardements gnädigst bewahren! Mainz, den 23. Juli. Wie wir vernehmen, enthält die Augsburger „Allgemeine Zeitung" einen ausführliche Schilderung der Heuschreckennolh in Palästina; die betreffende Nummer ist uns in Folge des gegenwärtigen unregelmäßigen und unterbrochenen Postverkehrs nicht zugekommen. Die Philippsonffche Zeitung ergreift diese Gelegenheit, um unsere unglücklichen Glaubensgenossen in Palästina — zu verhöhnen; sie schreibt: „Aus Jerusalem langen neue Klagen und Bitten bereits wieder an. Dies Mal sind es die Heuschrecken, die große Verwüstungen angerichtet haben sollen, wodurch die Preise der Lebensmittel sehr in die Höhe gegangen. Es versteht sich, man will neue Allmosen und zwar recht große." Unwillkürlich wird man durch solches Gebühren an den Schluß der 13. Mischnah des 5. Abschnittes in Maß. Aboch erinnert. Oesterreichischer Kaiserstaal. Wie». In Folge einer vom Kriegsministerium an den Vorstand der hiesigen israel. Krütusgemeinde ergangenen Aufforderung, zur Besetzung der von Sr. Majestät genehmigten Anstellung von zwei israel. Feldpredigern bei der Armee geeignete Kandidaten vorzuschlagen, wird eine Sitzung des israel. Kultusvorstandes unter Beiziehung des Predigers Vr. Jellinek, welcher die Idee in Anregung brachte, abgehalten werden. Wie». Hier hat sich ein Hilsscomitv zur Verpflegung verwundeter israel. Krieger gebildet. In diesem Komitä soll der Assentirte wie der Freiwillig^ der Erkrankte wie der Rekonvalescent, der Invalide oder der Sterbende, und endlich die Angehörigen der Soldaten israel. Religion einen Beirath und nach Kräften eine Stütze erhalten. In dieser Richtung und in diesem Sinne konstituirte sich dieses Hilfscomitö, fern von jedem Anlaß zu einer Separation, gegen welche Unterstellung in den Eingaben bei den Ministerien förmlich Verwahrung eingelegt wurde. (Siehe oben.) Wien. Gestern Vormittags fand aus dem isr. Friedhofe zu Währing das Leicher.begängmß des Direktors der Norvbahn, Herrn Ritter v. Sichrowsky statt. Kondukteure mit brennenden Fackeln bildeten um den Sarg Spalier. Am Grabe hielt der Prediger vr. Jellinek eine Rede, in welcher er die hervorragenden Verdienste des Verblichenen würdigte. Kantor Sulzer sang ein Trauerlied, das auf die massenhaft versammelten Trauergäste, unter denen sich die Spitzen der Finanz-, Handels- und Industrien;elt, Vertreter der Kunst, Wissenschaft u. s. w. befanden, den überwältigendsten Eindruck machte. Unter tiefer Theilnahme verließen die zahllosen Trauergäste den Friedhof, der nun auch die Hülle eines Mannes birgt, der sich durch Characterfestigkeit, Gesinnungstüchtigkeit, Bürgertugenden und Intelligenz eine hervorragende Stellung und die Liebe und Achtung seiner Mitbürger zu erwerben gewußt hatte. (F--B.) Wien. Se. Majestät haben dem Unterlieutenant Ignaz Goldstern des Infanterieregiments Freiherr v. Ajroldi Nr. 23, in Anerkennung besonderer Leistungen vor dem Feinde das MMä verdienstkreuz mit der Kriegsdekoration allergnädigst zu verleihen geruht. Trauterrarr Die fürchterlichen Blutscenen, die sich in und um unsere Stadt abspielten, ließen auch uns Juden keineswegs unberührt. Auf dem hiesigen isr. Friedhofe hatten sich nach einander Schützen, Füsiliere und Artillerie postirt und wurde dieser Frieohof mehremale mit Sturm genommen, natürlich nicht ohne die Spuren des Kampfes dabei zurückzulaffen. Aus Janrnitz in Mähren wird der „Ostd. P." berichtet: Unser Pöbel glaubte den Umstand, daß die kaiserlichen Behörden sich einen Tag vor der preußischen Okkupation von hier flüchteten, zu einer Judenplünderung benützen zu sollen. Er fiel in die Häuser der zahlreich hier ansässigen Israeliten, nahm, was werlhcoll und transportabel war, mit, und zerschlug das Andere. Viele Familün sind auf diese Art noch vor dem Einzuge der Preußen Bettler geworden. Auch der Tempel wurde geschändet und beraubt. Italien. Stespel. Einer nuferer Neligionsgenoffen, Signor Giacomo Luzzatto, Director der photographischen