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Der Israelit · 1866-07-25 · Heft 30 (25.7.1866) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 30 (25.7.1866)
Date
1866-07-25
Page
– (sequence 5)
Language
German
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503 Durch den Brand seines Hauses sind mehr als vierzig Häuser eingeäscherl worden. Noch einmal hat sich der Padst Clemens VI. für die Juden verwendet und eine Bulle an die katholische Christenheit erlassen, worin er die Unschuld der Juden an dem ihnen zur Last gelegten Frevel auseinandersetzte. Er brachte alle Gründe vor, die nur geltend gemacht werden konnten, um die Abgeschmacktheit der Anschuldigung in's Licht zu setzen: Daß auch solche Gegenden von der Pest heimgesucht waren, in denen kein Jude wohnt und daß auch die Juden davon betroffen wurden. Vergebens ermahnte er die Geistlichen, die Juden in Schutz zu nehmen und belegte die falschen Ankläger und Henker mit dem Kirchenbann. Der Wahn war mächtiger als das Pabstthum. Ueber die Verfolgung der Juden in Deutschland, die schrecklichste von allen, liegt des Materials so viel vor, daß es schwierig wird, das Geeigneteste hervor zu heben. Ein reicher und angesehener Jude, Moses in Mainz, sollte, wie man ansjprengte, Gift verschafft haben, um den Rhein, Main und die Donau, sowie alle übrigen deutschen Flüsse, Quellen und Brunnen des heiligen römisch-deutschen Reiches zu vergiften. Dieses unglaubbare Märchen zündete allenthalben Scheiterhaufen an. Viele Tausende verbrannten sich selbst in ihren Häusern. Andere gingen zum Christenthum über. Das alte Metzer Memorbuch, auf Pergament, von einem Zeitgenossen verfaßt, gibt uns einen treuen Bericht von der Vertilgung der Juden im Jahre 1349, von Speyer bis nach Wien. Dieser Bericht ist die Quelle, aus welcher N. Akiba aus Frankfurt a. M. bei Verfassung seiner Kinah (Trauergedicht) schöpfte, die aber sehr fehlerhaft gedruckt ist. Das Mainzer Memorbuch, II. Theil am Ende, enthält ebenfalls ein sehr genaues Verzeichniß von allen Orten der Ausrottung der Israeliten, vom Bodensee bis an die Donau. Auch dieses Verzeichniß ist von einem Zeitgenossen. In Mainz, wo ihnen der Erzbischof Vertheidigung versprach, sammelte sich eine große Anzahl Juden, von denen Viele sich bewaffneten. Der edle Prälat schützte sie lange, bis gegen Ende August in einem unvorhergesehenen Auflaufe das Volk gegen sie aufstand. Die Juden vertheidigten sich tapfer, dreihundert Bewaffnete fielen über die Aufständigen her und tödteten zweihundert von ihnen. Die Bürger, über diese Heldenthat aufgebracht, stürzten mit Ungestüm über sie her und erschlugen Alle, die sie finden konnten. In der Nähe der Quintinskirche wurde ein ungeheurer Scheiterhaufen errichtet, wo am 24. August 1348 alle Juden zu Mainz verbrannt wurden. Das Feuer war so groß, daß der Kirchthurm in Brand gerieth und daß die Glocke nebst den kostbaren Fenstern der Kirche verschmolzen sein sollen. Sechstausend, nach Andern zwölftausend, Unschuldige fanden einen schrecklichen Tod in Mainz, ohne daß sie der Erzbischof Heinrich retten konnte. An ihrer Spitze starb der ehrwürdige Rabbiner Meic ben Uri, seine Frau und Kinder, sowie die Vertheidiger ihrer Brüder, die Waffen in der Hand. Die Zahl sechstausend und zwölstausend find keineswegs übertrieben, wenn man bedenkt, daß wegen des Schutzes, welchen der Erzbischof von Mainz den Unglücklichen versprach, Tausende in diese SLadt als Zufluchtsort sich flüchteten und nun mit der Mainzer Gemeinde den fürchterlichsten Tod theilen mußten. Ein Dichter sang: : 71221 7>bi22 TippL ripp'.u 88222 : 711.71 711271 7,81 '1 ms TU« :82P7> -,22 -1 p 12 '2-, 71'8 : 712122 'bp21 712128 '1728 7IS'8 7 7128 '22 2'2 lbS2 2^2! 7I7I8 .'7I22P L1'2 b8'2 2712 2718 22 s'8 :.228271 12'l77I 2b27>b 182 271'7I81 : 71271 '7! r)8 21'2 2.22p 1221721 „MogUNtia erhob ein großes und bitterliches Geschrei, Wohin ging mein Schmuck? dies ist die Pracht der Thora, Wo ist Rabbi Meir ben Uri? rief sie traurig aus, Wohin sind die Glaubensmänner und die Heroen der Tapferkeit? Ach! Alle sind gefallen in die Hände der Söhne des Drangsals, Nicht einer von ihnen entkam am Tage des Zornes. Und die Brüder, die zur Rettung kamen, erreichte der Fluch, Mit ihnen wurden sie verbrannt am Tage, da der Zorn Gottes erglühte." XXXII. N- Elieser ben Samuel Ha-Levi. Das Memorbuch von Mainz, das uns bis jetzt als Hauptquelle diente, Hort mit der Verfolgung von 1349 auf. Es selbst wurde, wie es scheint, gestohlen und nach Nürnberg gebracht, und dort als Gedächtnißbuch in der Synagoge gebraucht, wie nach einer Angabe, Seitr 210, im dritten Theil, zu schließen ist. Dort heißt es nämlich: P-1P222122 12s 2'2'2i27i ib8, „Folgende werden hier zu Nürnberg gedacht." Erst später kam es wieder nach Mainz, wir wissen nicht durch wen. Wegen diesen Mangels an authentischen Berichten können wir nicht genau angeben, wann eine neue Ansiedelung der Juden in Mainz, nach der Ausrottung im Jahre 1349, stattfano. Höchst wahrscheinlich geschah dieses schon im Jahre 1356, in welchem der Kaiser Karl IV. zwei hintereinanderfolgende Reichstage zu Nürnberg und Metz hielt. Der schlaue Mainzer Erzbischof Gerlach war ihm nach diesen zwei Städten gesolgt und ihm nicht von der Seite gewichen, bis er erhielt, was er wollte: Juden in seinem Erzstift zu haben (Schaab Seite 96). Der Erzbischof von Mainz war über die kaiserliche Erlaubniß, Juden auszunehmen, so erfreut, daß

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