Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1866)
- Date
- 1866-07-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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502 niß mit diesem Juden-Rathamt in Mainz hatte, konnte ich nicht erfahren. Gewiß wurde von ihm irgend ein Zweig der Jurisdiction auSgeübt. Ueberhaupt genossen damals die Juden in Mainz mehr Ruhe, als ihre Brüder im übrigen Deutschland; sie blieben 1337 von den Metzeleien des berüchtigten Armleder's verschont. Das Memorbuch konnte seine Berichte über den Zustand der Gemeinde ruhig niederschreiben bis zur Katastrophe vom Jahr 1349, wo fast alle Nachkommen Jakob's in Deutschland ein Opfer der Volkswuth wurden, wie wir im folgenden Paragraph ersehen werden. Die Mainzer Gemeinde fiel wie die anderen Gemeinden Deutschlands, ohne daß sie Erzbischof Heinrich retten konnte. An ihrer Spitze starb ihr Rabbiner Meir den Uri, einer der Letzten, dessen Spenden im Memorbuch eingetragen sind. Denn mit der Zeit des schwarzen Todes endigt der zweite Theil unseres Gedächtnißbuches. Der Schreiber selbst erlitt den Märtyrertod, und eine fremde Hand verzeichnet auf dem letzten Blatte alle Orte, von denen es bekannt worden war, daß daselbst die Juden 1349 ausgerottet wurden. XXXI. Die lügenhafte Beschuldigung der Brunnen-Vergiftung. Während die Juden in Mainz, wie wir in vorigem Paragraphen gesehen haben, ruhig unter dem Schutz des Erzbischofs Heinrich lebten, kam plötzlich über ganz Israel eine so große Verfolgung, daß alle bisherigen Judengemetzel klein genannt werden müssen. Die furchtbare Epidemie, welche 1348, 1349 und 1350 fast ganz Europa entvölkerte, durch die bei den Juden aber vcrhältnißmäßig Wenige starben, erregte den Verdacht, sie hätten die schreckliche Seuche durch Brun-! nenvergiftung herbeigerufen. Clemens VI., der in Avignon leite, glaubte diesem Volkswahne nicht, und die Juden blieben, so weit seine Macht reichte, unversehrt. Aber in der Dauphines wüthete man gegen *fte mit Feuer und Schwert. Namentlich in Jizille, Veynes und Saint-Saturnin, woimFrühjahr 1348 die ganze Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder verbrannt wurden *) *) Ls.sna§e, Histoire äss 1ou»s IX-, P. 593. — In Vizille dauerte der Prozeß gegen die Unglücklichen zehn Tage;, die Gemeinde von Veynes, 9^ Personen an der Zahl, wurden den 27 März schon hingerichtet; die von Saint-Saturnin mitten im Mai. Vergl. die Bemerkung zu einem Pentateuch Codex in der Wiener Bibliothek, Katalog p. 18: dLM LM2 OI'I WXQ iwl'p lld2 '2 Saint-Saturnin, NQldQ . . . sl"p MV2 . . . 1I7X lll'2 O'VII riücn Ltt'X kvOlllN Nt «21711 .npn 11'2P.11 'MMl.1 '2 ,'12^> '28 2lLM 21N NNND 'N2S" NVM p^'2« NN'PN N2>VN )1NUN.>t 'NXNPU Von da aus verbreitete sich die Verfolgung der Juden nach Catalomen und Aragonien. Die ersten Opfer fielen an einem Sonnabend, Ende Juni 1348, in Barcelona; zwanzig Personen fanden dort ihren Tod, andere wurden beraubt. Einige Zeit nachher kam die Reihe an die Gemeinde von Cervera; achtzehn wurden getödtet, die Uebrigen retteten sich durch die Flucht. Schrecklicher war die Verfolgung in Tarrega am 6. Juli 1348, wo mehr als dreihundert Israeliten gemordet und in eine Grube geworfen wurden. Die Uebrigen retteten sich in die Häuser ihrer Bekannten, wo sie sich verborgen hielten, bis der Sturm vorüber war. Ueber die Gemeinde von Salso na ergoß sich ebenfalls das Unheil und an 300 Personen fielen durch dos Schwert, wie aus R. Chajim Gallipapa, in seinem EmekRephaim, zu ersehen ist. Auch die Gegend am Genfersee, unter der Herrschast des Herzogs Amadeus von Savoyen, ward der Schauplatz blutiger Verfolgungen. In Chillon wurden am Versöhnungstage, dem 15. September 1348, drei Juden und eine Jüdin auf die Folter gespannt, ein Wundarzt fBalavigny aus Tho'nen, Bandito und Mamson aus Ville-Neuve und drei Wochen später Belli eta und ihr Sohn Aquet. Sie gestanden im Schmerz und in der Verzweiflung Alles ein, was man von ihnen Herauspressen wollte: daß die Quellen und Brunnen vergiftet hätten, um die Christen zu verderben. In CHLtel wurden fünf Israeliten gefoltert, und auch sie machten die verlangten Geständnisse, auf welche hin nicht nur die Angeklagten, sondern sämmtliche Juden in der Gegend des Genfersee's und wohl von ganz Savoyen verbrannt wurden. Von der Genfer Gegend hatte sich das beflügelte Gerücht von der erwiesenen Schuld der Juden nach der Schweiz verbreitet, und alsbald wiederholten sich auch da dieselben Blutscenen. In Bern, Zo fingen und Zürich scheu im Monat September 1348. Wie die Gemeinden um den Genfersee, so wurden auch die um den Bodensee, St. Gallen, Lindau, Ueberlingen, Schaffhausen, Constanz und andere durch Scheiterhaufen, Rad oder Vertreibung und Zwangstaufe aufgerieben. In Constanz hat einer von denen, welcher aus Verzweiflung zum Christenthum übergetreten war, seinen Schritt gleich darauf bereut und sein Haus angezündet, um mit den Seinigen von eigner Hand aus dem Leben zu scheiden, indem er! aus dem Fenster rief: „Sehet, ich sterbe als Jude". 'WS) 1Q2 '7>'221. Weder die Verfasser des Katalogs noch vr.Zunz wußten den Namen: zu erklären, der durch den Bericht des alten LLsnaxs keinen Zweifel übrig läßt, daß eS Saint-Süturnin ist. Statt Samt schreibt der unglückliche Schreiber aus religiöser Skrupel