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Der Israelit · 1866-07-25 · Heft 30 (25.7.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 30 (25.7.1866)
Date
1866-07-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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500 zum Offizier befördert; Herr Lieutenant Jäger hat sich dadurch zugleich den Preis von 60 Friedrichsdor erworben, welchen ein Breslauer Banquier dem ersten Juden, der für besondere Bravour auf dem Schlachtfelds zum Offizier befördert würde, ausgesetzt hatte. Daß auch auf entgegengesetzter Seite von jüdischen Soldaten mit der größten Unerschrockenheit gekämpft wurde, wird uns vielfach mitgetheilt. Dieser Tage hatten wir auch Gelegenheit, den Brief eines jüdischen Kriegers an seine Eltern zu lesen. Er theilte denselben mit, daß sein Regiment im heftigsten Feuer gestanden, so daß desselben vernichtet seien. Zur Rechten wie zur Linken waren seine Nebenmänner gefallen, er selbst war unversehrt geblieben. „Als der Tag zur Neige ging," schreibt der wackere Kämpfer, „gewcmrr ich Zeit, das Minchah-Gebet zu verrichten. Ihr werdet mir wohl glauben, geliebte Eltern, daß ich noch nie mit solcher Andacht gebetet habe, wie nach diesem heißen Tage auf den blutgetränkten Feldern von Königgrätz." — Welches werden die Resultate dieses thränenvollen Bruderkrieges sein? — Wir wissen es noch nicht; aber das Eme wissen wir und dasEme steht unleugbar fest, daß der Jude ebenso wie der Christ mit seinem Blute die Schlachtfelder getränkt hat, daß unsere Männer und Jünglinge dem Rufe ihrer Fürsten allüberall gefolgt sind und daß sie stets ihre Pflicht gethan haben, daß auch die nicht zum Kampfe verpflichteten Juden überall in vorderster Reihe gestanden, wo es galt, die Lasten des Krieges zu tragen, das Schicksal der Kämpfenden zu erleichtern, die Verwundeten zu verbinden und zu verpflegen. Und wann nun der Donner der Kanonen schweigen wird, wann die feindlichen Brüder nicht mehr das Schwert gegen einander erheben, wann aus den blutgedüngten Schlachtfeldern die Saaten des Friedens lieblich hervorsprießen werden — möge man dann auch nicht mehr mäkeln und feilschen um unsere Menschenrechte; möge man dann endlich auch die Israeliten als echte Söhne des Vaterlandes anerkennen und demgemäß behandeln. Hilfsoereiu für israelitische Soldaten in Oesterreich. In Wien hat sich ein Hilfsverein für jüdische Soldaten gebildet. Derselbe hat folgenden Aufruf erlassen: „Nicht weniger als 25,000 dis 30,000 Soldaten israel. Religion befinden sich in den Reihen der kaiserlichen Armee. Die Gleichmäßigkeit in der Behandlung der wackeren Kämpfer für Kaiser und Vaterland läßt nichts zu wünschen übrig. Dennoch geben sich oft Bedürfnisse für die Soldaten israel. Religion kund, die nur von Glaubensgenossen erkannt, gewürdigt und angemessen befriedigt werden können. Zu diesem Behufs wurde die Errichtung eines „Hilfscomito für Soldaten israel. Religion" angeregt. In diesem Comitö soll der Affentirte wie der Freiwillige, der Erkrankte wie der RekonvaleScent, der Invalide oder der Sterbende und endlich die Angehörigen der Soldaten israelitischer Religion einen Beirath und nach Kräften eine Stütze erhalten. In dieser Richtung und in diesem Sinne konstituirte sich dieses Hilfscomite, fern von jedem Anlaß zu einer Separation, gegen welche Unterstellung in den Eingaben bei den hohen Ministerien förmlich Verwahrung eingelegt wurde. Nur in diesem Sinne und in dieser Richtung appellirl das Hilfscomitö an den so oft bewährten Wohlthätigkeitssinn des Israeliten, zur thatkrästigen Unterstützung Derjenigen, die hinauszogen zur Wahrung des Rechtes, zum Schutz des bedrängten Vaterlandes, zum Schirm für Krone und Fürst! Sowohl vom hohen k k. Kriegsministerium, btto. 29. Juni, Z. 3405, als vom hohen k. k. Staatsmi- N'.fterium, dito. 3. Juli, Z. 3830, wurde die Konstituirung dieses Hilsscomitä für Soldaten israel. Religion unter „voller Anerkennung der patriotischen und Humanitären Gesinnung genehmigt. Die Unterstützung ist von der h. Regierung in umfassendster Weise zugesichert. Die Errichtung von Filialen hier und in den Ländern, welche dem Staatsministerium unterstehen, ist gestattet Sammlungen für de« bezeichneten Zweck sind bewilligt. Die Führung eines eigenen Siegels hat keinen Anstand. Die Portofreihett für die Sendungen an dieses Komitö ist befürwortet. Nach diesen von den höchsten Behörden genehmigten Voreinleitungen konstuirte sich soeben das Hilfskomitä für Soldaten isr. Religion. Glaubensgenossen l Folgt unserem Aufrufe für unsere Brüder in Waffen. Bewähren wir neuerdings die unserem Stamme innewohnende Anhänglichkeit, Liebe und Treue. Wie wir für Alle ohne Unterschied des Glaubens, der Nationalität und des Geburtslandes, unsere Theilnabme zeigen, geben wir noch überdies dem Kämpfer auf dem Felde der Ehre die Beruhigung, daß auch auf Befriedigung seiner Herzenswünsche Bedacht genommen wird; geben wir unseren Söhnen und Brüdern in der Armee die Zuversicht, daß bei allen Wechselfällen sich für sie und ihre Angehörigen offene Augen, offene Herzen und offene Hände finden; befreien wir die blutenden Soldaten von jeder quälenden Sorge für die Zukunft, damit sie mit neuem Muth und neuer Kraft der Fahne unseres Kaisers und unseres Vaterlandes folgen!

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