Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 30 (25.7.1866)
- Date
- 1866-07-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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VII. Jahrgang. De^ Israelit. Ein Central-Organ fnr das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von V* Lehmann in Mainz. Mainz, den 2 5. Juli 5626 (1866). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Nogen. Preis des Jahrgangs: 3 Thlr. pr. C. oder fl. 5. 15 kr. rh. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. Inserate 1 Szr. die Petitzeile oder deren Raum. Oesterreichische Banknoten laut Cours. Directe Fcancozusendung unter Streifband pro Jahrgang 4 Thlr. pr. C. oder 6 fl. Österreich, an die Expedition franco einzusenden. Anhalt: Leitender Artikel: Mitten im Kriege. — Hilfsverein für israel- Soldaten in Oesterreich. — Die Juden zu Mainz im Mittelalter. — ZeitaagSaachrichte» und Korrespondenzen: Deutschland: Mainz. Mainz. — Oesterr. Kaiserst.: Wien. Wien. Wien- Wien. Trautenau. Aus Jamnitz. — Italien: Neapel. — Frankreich: Paris. — Donaufürstenth.: Bukarest. — Algerien: Algier.— Leitende Artikel. Mitten im Kriege. Mainz, den 17. Juli.. Seit vier Wochen befinden wir uns mitten im Kriege; gewaltige Ereignisse sind in diesen vier Wochen, die wichtigsten Folgen hervorrufend, über die Erde gegangen; eine Saat der Thränen ist gesäet worden, die zum Heile der Menschheit, zum Heile unsres geliebten deutschen Vaterlandes aufgehen möge. Blutgetränkt sind die deutschen Auen; von Krakau bis an den Rhein, von Wien bis Flensburg — ein großes Kampfesfeld. Mir Laden Leichen deckten die Fluren bei Königgrätz, und die Schlachtfelder von Langensalza und Kaltennordheim, von Kissingen und Hammelburg, von Lohr und Aschaffenburg, von Skalitz und Oswiecin rc. sahen deutsches Blut in Strömen fließen. Auch das Blut unserer Glaubens- und Stammesgenoffen ist in Strömen geflossen. 25,000 bis 30,000 jüdische Männer und Jünglinge dienen oder dienten unter Oesterreichs Fahnen, t0,000 folgen oder folgten dem Fluge des preußischen Adlers, eine nicht minder bedeutende Anzahl jüdischer Hannoveraner, Hessen, Bayern, Württemberger, Badenser rc. vergossen ihr Blut im Kampfe für das Vaterland, auf den Befehl ihrer Herrscher. In den zwölf Jahren unserer Wirksamkeit in der deutschen Bundesfestung Mainz kamen wir häufig mit den jüdischen Soldaten verschiedener Länder und Truppengattungen in Berührung; Vielen hatten wir während ihres hiesigen Garnisonlebens jüdische Kost oder Erleichterung im Dienste während der jüdischen Feiertage verschafft. Ach, jetzt dringt von ihnen vielfach traurige Kunde zu uns. Die Zeitungen veröffentlichen die Verlustlisten, aus denen uns mancher bekannte Name entgegenstarrt l Wie mancher Mutter Sohn ist gefallen im fernen Lande, liegt verscharrt in fremder Erde, fern von den thcuren Eltern und lieben Verwandten, die Seinigen in nimmer versiegendem Schmerze zurücklaffend l ' Mit gleicher Bravour, mit unerschrockenem Muthe haben Israels Söhne in den Reihen der Preußen wie in den Reihen der Gegner derselben gekämpft. Ein preußischer Soldat, Namens Jäger aus Neuwied, der längere Zeit in Mainz in Garnison lag und sich schon hier durch Intelligenz und Religosität auszeichnete, hat auf dem Schlachtfelds von Königgrätz mit solcher Bravour gekämpft, daß er die Aufmerksamkeit Sr. K. Hoheit, des Kronprinzen von Preußen, auf sich zog; derselbe hat eine Fahne erobert, welche zur Zeit Friedrichs des Großen im siebenjährigen Kriege verloren worden war; in Folge dessen hat ihn der Kronprinz auf dem Schlachtfelds