Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 29 (18.7.1866)
- Date
- 1866-07-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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492 schütterliche Glaubenstreue, sein Biedersinn, seine Herzensgute; seine Seele ergoß sich in Liebe gegen alle seine Mitmenschen, sein Herz überfluthete vom Wonnegefühl der Menschenbeglückung. Seine Wohlthätigkeit kannte keine Grenzen, seine Gastfreundschaft keine Schranken; selbst bei den kümmerlichsten Verhältnissen, in denen er oft, namentlich in letzterer Zeit lebte, unterließ er nicht, eine Schaar gebildeter junger Leute um sich zu sammeln, die regelmäßig jeden Feiertag und Freitag Abend an seinem Tische speisen mußten. Wie im Hause, so hatte er auch außerhalb desselben und überall seine Gönner. Freunde und Verehrer. Trotzdem sein Leben einerseits oft vom Mißgeschicke getrübt war, so wurde er andererseits durch treue Liebe von Seiten seiner Gattin, durch innige Verehrung seiner Kinder für ihren Vater hinreichend entschädigt; in seinem Hause grünte ihm die Freude, in seinem Hause blühete ihm ein Paradies. Das zahlreiche Gefolge bei seinem Leichenbegängnisse bekundete die Teilnahme, die der Tod des Verblichenen hervorrref. A. Wolfs. Pose», den 6. Juli. Der kurze Bericht über die hiesige Realschule in Nr. 27 dieser geschätzten Blätter veranlaßt mich, einige Notizen, die Anstalt betreffend, der Oeffentlichkeit zu übergeben. Ör. Jutrosinski ist von der Negierung nicht angestellt; dieselbe hat also das Recht, ihn von der Anstalt zu entfernen, sofern es ihr beliebt. Die städtische Behörde aber verpflichtete sich, Herrn vr. I. eine angemessene Jahrespension zu geben, falls die Regierung ihn seiner Confeffion wegen des Amtes entheben sollte. Schlimm ist es, daß Or. I., der Historiker ist, Geschichte nicht lehren darf. Es ist ein ungerechtes Urtheil, das man über die Juden fällt, indem man meint, sie könnten nicht unparteiisch Geschichte vortragen. Dem evangelischen oder katholischen Geschichtslehrer, der die Geschichte von der Erschaffung der Welt bis auf die Gegenwart zu lehren hat, traut man ohne Weiteres zu, er werde überall sine ira st stuäio verfahren.* Mir ist es klar, daß sowohl der evangelische als katholische Geschichtslehrer viel mehr verschlungene Pfade durch die Geschichte zu wandern hat, als der Jude, und daß gerade der Jude über die Reformation rc. unparteiisch sich aussprechen kann. Welchem jüdischen Geschichtslehrer liegt es überhaupt ob. Propaganda mit der Geschichte und dem Bekenntniß seines Volkes zu machen? Dazu kömmt, daß man in der Schule nicht pragmatische Geschichte vorzutragen hat, sondern die Begebenheiten, die sich nicht wegleugnen lassen, klar darzulegen. Diese Bestimmung der Regierung kann jedoch weder der Direktor der Anstalt noch die städtische Behörde annulliren. Sie haben ihr Möglichstes gethan, um einem jüdischen, akademisch gebildeten Lehrer, eine sichere Stellung zu schaffen. Höchst anerkennenswerth war und ist das Verhalten des Herrn Direktors vr. Brennecke in dieser Angelegenheit. Er nahm nicht den geringsten Anstand, sofort für I. zu stimmen; auch hat er in den letzten Tagen einen glänzenden Beweis feiner Humanität gegeben. Herr vr. Herrmann Warschauer ersuchte ihn um die Genehmigung, sein Probejahr an der städtischen Realschule abhalten zu dürfen. Er erklärte sich sofort bereitwillig; wie wir hören, ist bereits die Genehmigung des Provinzialschulcollegiums eingegangen, und wird Herr Vr. W. seine Wirksamkeit nach den Ferien beginnen. Es ist zu zweifeln, ob vr. W., der Philologe ist, von einem anderen Direktor, selbst von dem einer Simultanschule, ohne Weiteres die Erlaubniß erhalten hätte, sein Probejahr abzuhalten; denn selbst in dem Unterricht über unregelmäßige Verba, Casus- und Moduslehre soll nach der Anschauung den meisten Direktoren und der Regierung im Allgemeinen die christliche Liebe, die christliche Demuth, die christliche Frömmigkeit nicht vermißt werden!-Ob nun Herr vr. Warschauer die jetzt übliche Remuneration für das Probejahr erhalten wird, ob er dann weiter an der Anstalt bleiben wird und unter welchen Bedingungen, das muß der Zukunft überlasten werden. Or. Brennecke versprach sein Möglichstes zu thun, und ist von seiner und der städtischen Behörde liberalen Gesinnung das Beste zu hoffen. Unserem preußischen Schulwesen ist noch Manches zu wünschen; derHauptwunsch aber bleibt, daß die Confessionslosigkeit in allen Schulen ausgesprochen werde oder wenigstens einige konfessionslose Schulen unter liberalen Direktoren ins Leben gerufen werden. Dann wären auch die Israeliten bester daran. P..... Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat mit a. h. Entschließung vom 4. d. über Ansuchen der israel. Gemeinde Wiens die Anstellung von zwei israel. Feldpredigern bei der Süd- und Nord-Armee genehmigt. Der israel. Feldprediger hat in der Charge und Gebührenbehandlung mit den Militär-Kaplänen 3. Klasse zu figuriren, bei seinen geistlichen Missionen den im Z. 20 des G. R. für protestantische Feldpredrger bestimmten Diätenbezug anzusprechen und beim Antritt seines Dienstes den für zeitlich angestellte Militärseelsorger bemessenen Equipirungsbeitrag won 425 fl., nach beendigtem Feldzug aber bei seiner Enthebung als Abfertigung eine dreifache Monatsgage nebst Vergütung der Reisekosten zu erhalten. In Betreff der Bekleidung in und außer Dienst haben auch für die israel. Feldprediger, so wie überhaupt vom Zeitpunkte ihres Dienstantrittes an, die den Militärgesetzen und Vorschriften unterstehenden festgesetzten Bestimmungen über die Avjustirung der Feldgerstlrchkeit zur Anwendung zu kommen, mit der Ausnahme jedoch, daß ste