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Der Israelit · 1866-07-18 · Heft 29 (18.7.1866) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 29 (18.7.1866)
Date
1866-07-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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491 ben Einiges mittheilen. Dasselbe besteht seit 103 Jahren und erzieht gegenwärtig 12 Waisen. Der Zweck dieser wohlthätigen Anstalt ist 1) die Versorgung hiesiger und auswärtiger, jedoch inländischer, in gesetzlicher Ehe erzeugter, einfach oder doppelt verwaister Knaben israel. Religion während der Jugendjahre; es wird denselben sowohl in physischer als moralischer Hinsicht die gehörige Pflege und Erziehung erthsilt. damit sie zu nützlichen, würdigen Mitgliedern der bürgerlichen Gesellschaft herangebildet werden. 2) Beten für das Seelenheil der Mitglieder des Instituts während ihrer Krankheit und in ihrem Sterbejahre, sowie auch an ihrem Sterbetage durch Lesung des Kadisch und eines Mischna-Abschnitts. Dem ersten Zwecke gemäß haben sich die bisher aus der Anstalt Geschiedenen je nach ihren Fähigkeiten und Neigungen theils dem Kaufmanns- und Haudwerksstande, theils dem Lehrerfache und auch dem höhern Studium gewidmet. Diesen schönen und herrlichen Erfolgen entsprechend, ist denn auch das Vermögen der Anstalt im sortnehmenden Zunehmen begriffen, sowohl durch gesteigerte Anzahl der Mitglieder und deren regelmäßige Beiträge, als auch durch immer neu hinzukommende Legate, und da diese Hilfsquellen größtentheils, und auch schon bei der Gründung, von Auswärtigen zufließen, so faßte die verehrl. Administration im Jahre 1845 den ebenso rücksichtsvollen wie zweckmäßigen Beschluß, auch auswärtige, inländische Waisen in die Anstalt aufzunehmen, was auch noch stärkerrn auswärtigen Beitritt zur Folge hatte. Die Anstalt steht seit 26 Jahren unter der umsichtigen Leitung des sehr kennlnißreichen und auch mit jüdischem Wissen reich ausgestatteten Waisenvaters Herr n Bamberger. Derselbe wird demnächst sein mühevolles Amt niederlegen. In ihm verliert die Anstatt mit Bedauern einen Mann, dem sie hinsichtlich des fortwährenden Gedeihens viel verdankt, lieber dessen Nachfolger kann ich noch nichts Bestimmtes mittheilen; das Gerücht bezeichnet eine anerkannt tüchtige Persönlichkeit. Schließlich glaube ich einem allseitigen, vielfach geäußerten Wunsche Ausdruck zu geben, wenn ich bemerke, daß das gegenwärtige, seit der Gründung der Anstalt von ihr benützte Local bezüglich seiner Lage und Räumlichkeiten viele Mängel auszuweisen hat, und daß bei demselben die zu den nothwendigsten äußern Dingen eines solchen Instituts gehörige reine und möglichst freie Luft in Verbindung mit einem geräumigen Hofe und Garten bis jetzt noch im Reiche der Wünsche liegt. Kinder, welche in einem so zarten Alter so schwere und herbe Schicksalsschläge wie den Tod des Vaters oder beider Eltern zu erleiden haben, werden immer in ihrer körperlichen und geistigen Entwicklung gehemmt; sie sollten wahrlich durch alle erdenklichen Mittel körperlich gekräftigt und geistig gehoben werden! H. H. Preußen. Derli«, 5. Juli. p'-in .i'.-n Heute wurde hier die Leiche eines Mannes zu Grabe getragen, der, wie nur Wenige, der Schaar der Edlen, der Frommen und Gelehrten würdig angereiht zu werden verdient. Es ist dies der Rabbiner Bär Philippsthal, der am 20. Tamus in einem Alter von 66 Jahren seine irdische Wallfahrt vollendete. Geboren zu Jnowraclaw, am 25. Jjar 5560, widmete er sich schon in seiner frühesten Jugend mit größtem Eifer dem Studium des göttlichen Gesetzes, hielt sich später eins längere Zeit in Lissa auf, wo er den Vorträgen des gelehrten und hochsinnigen Rabbi Jacob Liffer, bekannt unter dem Namen npn m-.ri mit Aufmerksamkeit und Erfolg lauschte, und bekleidete in seinem 22. Lebensjahre seine erste Stelle als in Pinne bei Posen. Später, nach elf Jahren, folgte er einem Rufe nach Birnbaum, wo er durch eine Reihe von 20 Jahren seinen Rabbinatssitz hatte. Die ihm von verschiedenen Seiten eröffnten Aussichten aus eine bessere Gestaltung seiner Verhältnisse veranlaßten ihn, seinen bisherigen Wirkungskreis zu verlassen und nach Berlin überzusiedeln (1653.) Hier erhielt er in der Secharjaschule eine Anstellung als 2^ und und hielt nebenher in der Mw talmudische Vorträge. Allein nicht lange sollte dem Verklärten dieser Wirkungskreis vergönnt sein, denn schon vor drei Jahren streckte ihn eine Lähmung am Munde, wozu dann Körperschwäche trat, auf's Krankenlager, von dem er leider nicht mehr erstand. Was den Mann groß machte, war seine ausgezeichnete Gelehrsamkeit auf talmudischem Gebiete, seine Tüchtigkeit im Hebräischen, sein muster-gütiger Styl in dieser Sprache; groß war er als Talmudist, nicht minder groß auch als sw-,2; mit dem Feuer der Begeisterung lehrte er das göttliche Wort vor der versammelten Menge und auf seine Weise verstand er es, die Zuhörer durch seine Vorträge zu fesseln und zu belehren. In seinem Werke w2i 21"!), das vor circa 40 Jahren veröffentlicht wurde', bringt er nächst mehreren über verschiedene Midraschstellen, auch ebenso sinnige als klare, philosophische Abhandlungen über: Neichthümer, Glückseligkeit, Unsterblichkeit, Weisheit, Gottesfurcht u. s. s. Außer einigen kleineren hebräischen Aufsätzen und Gedichten, die bereits veröffentlicht worden sind, finden sich noch eine Zahl Schriften im Manuskripte, darunter eins unter dem Titel: rn-i.-i M22 (Ueber Köniqthum), ferner eine große Anzahl von zu 5m N2'2 s'biri Was ihn als Mensch auszeichnete, war seine innige, ungeheuchelte Frömmigkeit, seine uner-

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