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Der Israelit · 1866-07-11 · Heft 28 (11.7.1866) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 28 (11.7.1866)
Date
1866-07-11
Page
– (sequence 15)
Language
German
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487 -rößtentheils, die einst die Citadelle Zu AnttoerPen so ruhmvoll verteidigten, die sich zu Hamderte» für ihr geliebtes Vaterland dahinschlachten ließen «nd nur der franz. Nebermacht wichen. — Wenn Wir dieses Hier erwähnen, so thun wir es nicht Spaniens halber, da Wohl wenige unter uns dm Wunsch hege», in das Eldorado der Intoleranz zurückzukehrsn, sondern es geschieht nur, um dm verrotteten Vorurtheilen in unserer Heimath entgegm zu treten. Feuilleton. Wer ist -er Dieb? (Schluß.) Als nun die Zeit ihres Alters kam, welche die Väter zu ihrer Vereheligung bestimmt hatten, da ließ die Jungfrau dem Jüngling sagen, daß sie bereit sei, den Wunsch und den Willen ihres lieben Vaters zu erfüllen, und von ihm nun erwarte, daß er komme, um sie nach dem Uebereinkommen der Väter als seine Frau heimzuführen. — Doch der junge Mann ließ ihr erwiedern, sie möge in Gottes Namen irgend einen Mann nehmen, der ihr gefalle, er sei fern davon, auch sie iws Unglück zu stürzen. Es sei genug, daß er das Seine all verthan und sich an den Bettelstab gebracht habe, und gern entbinde er sie jeder Verpflichtung. — Unterdessen lernte das Mädchen einen Jüngling kennen, der zwar wenig Vermögen besaß, aber reich war an Gütern des Geistes und des Herzens. Sie bewarb sich um dessen Liebe. „Ich bin nicht abgeneigt," sprach das Mädchen, „Dir Herz und Haud zu überlassen, aber noch halte ich mich nicht ganz frei von der Verpflichtung, die ich gegen den Jüngling habe, mit welchem mich mein Vater in meiner und seiner Kindheit schon verlobt hat. Ich werde noch dreimal den Versuch machen und bei chm anfragen, ob er der Anordnung unserer Väter Nachkommen will. Bleibt er dennoch bei seiner Weigerung, so will ich von Herren die Deine werden." So ungern der Jüngling die Verzögerung sah, und so sehr H» die Ungewißheit schmerzte, so mußte er doch die Bedingung eingehen, indem er zugleich die kindliche Treue des Mpdchens bewunderte. Den anderen Tag zog die Jungfrau ein prächtiges, bräutliches Kleid an und ging selbst z« ihrem ersten Bräutigam und sprach: „Mein Bräutigam! ich bitte Dich, brich die Anordnung unserer Väter nicht. Du uurgst immerhin selbst ohne Vermögen sein, ich bin reich genug, daß wir Beide davon zufrieden und vergnügt leben können. —" „Nicht doch!" antwortete der Jüngling. „Davor wolle mich Gott bewahre«, daß ich auch Dein Vermöge» durchbriuge. Meine Leidenschaften sind nun einmal so Herr über mich , geworden, daß ich ihnen nimmermehr entsagen könnte." — Die Jungfrau entfernte sich schweigend. —- Nach acht Tagen kam fie wieder, noch kostbarer gekleidet und geschmückt als zuvor, und richtete dieselben Worte an den Jüngling. — Der Jüngling gab ihr dieselbe Antwort zurück. — Es verflossen abermals acht Tage, und wieder kam die Jungfrau, strahlend von Gold und Perlen und bat den Jüngling mit den herzlichsten Worten, der Väter Willen zu erfüllen und sie als Frau heimzuführen. — „Gott gebe Dir Glück und Segen," sagte der Jüngling zu ihr. „Mache den Mann glücklich, der Dir gefällt, ich verzeihe es Dir von ganzem Herzen. Nimmermehr werde ich zu dem Unrechte, das ich gegen mich begangen habe, noch das gegen Dich hinzusügen, Dich unglücklich zu machen." — Als das Mädchen die Entschlossenheit des Jünglings sah, kehrte sie zurück und gab jetzt dem zweiten Jüngling ihre unbedingte Zusage. Die Hochzeit wurde schon auf den nächsten Tag bestimmt und mit großer Festlichkeit gefeiert In jener Stadt und ihrer Umgebung aber gibt es viel loses Gesindel, mW als tn der Nacht Braut und Bräutigam über die Straße nach Hause geführt wurden, brach plötzlich eine Rotte hervor, die sich deßhalb schon den ganzen Abend versteckt hatte, entriß Braut und Bräutigam mit Gewalt und entführte sie, um sie aller Kostbarkeiten zu berauben. Der Anführer der Rotte war ein ergrauter Bösewicht. Als er die hübsche Braut sah, sagte er zu seinen Leuten: „Den Burschen, den Bräutigam, den laßt, nachdem Ihr ihm Alles abgenommen, wieder laufen; die Braut aber will ich für mich behalten." — „O Mann!" flehte da die Jungfrau, „ich beschwöre Dich bei Gott, Hab Erbarmen und laß mich in Frieden ziehen! Höre, ob ich nicht Erbarmen verdiene." — Sie erzählle ihm ihre Geschichte und schloß dann: „Der junge Mann, dem ich von Kindheit an verlobt war, hat seine Wünsche besiegt, um sich nicht zu versündigen, und Du, der Du schon im Leben vorgerückt bist und dem Grabe näher stehst, als der Wiege, Du wolltest Dich so schwer gegen Gott vergehen! wolltest um einer kurzen irdischen Lust willen deinen Antheil am himmlischen Leben verlieren! Behalte alle Kostbarkeiten, die Du uns genommen, ja nimm noch ein bedeutendes Lösegeld, das ich Dir geben will, nur entlaß mich in Frieden nach meinem Hause und zu dem mir von Gott angetranten Manne." — Da ward das bisher so verstockte Herz des alten Räubers gerührt, uud er sprach: ,Liehe Hm, meine Tochter, in Frieden! Zwei meiner Leute werden Dich sicher nach Deinem Hause fuhren. Ziehe hin und

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