Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 28 (11.7.1866)
- Date
- 1866-07-11
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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485 Glauben unerschütterliche Treue schwören! Und mit welcher Begeisterung müßte endlich jeder wahre Jehudi gegen den gefährlichen Feind in den Kampf ziehen! — Herr Redacteur! Geben Sie gefälligst folgenden Zeilen Raum in Ihrem geschätzten Blatte! Es sind dies Thatsachen, die ich erlebt und die im Stande find, viele jener Wolken zu verscheuchen, die jene Geheimkünstler verdecken. Vor ungefähr sieben Jahren war Schreiber dieser Zeilen einige Monate lang Schüler eines damals erst sich vorbereitenden, nun aber schon in dieOessentlichkeit getretenen „Chasidimrebbes". Gegen die Bescheidenheit sündigend bemerke ich, daß der „Rebbe" in mir Anlagen entdeckte, einst dem Chassidismus nützlich sein zu können. Gerne neigte ich mein kindliches Gemüth den Schwärmereien zu, mit denm der „Rebbe" meine Einbildungskraft erfüllen wollte; bald jedoch erkannte ich das Uebel; denn, Namen, die mir heilig waren, ja, die ich nur mit größter Ehrfurcht zu nennen wagte, hörte ich von Schimpf und Schmach begleitet aus dem Munde des „Rebbe" rollen. Ja, der Rebbe sage, was er wolle, ich sage es offen, „Toscher Rebbe" sagte an unzähligen Freitagabenden (denn da sei, wie es hieß, seine Begeisterung im möglichst hohen Grade), daß der und nicht so viel „jere schumajim" gehabt hätten, als das „mindeste chussedl", wie oft sagte er in recht chassidischem Uebermuthe, „ech tausch nischt mit alle Rebunem in eulom habe, denn ech lern emeß in sei lernen scheker." — Ich verließ den Rebbe, der bald darauf die Jeschiba in einen Chassidimklub verwandelte, und begab mich geradewegs zum hochberühmten Sohne des großen 'ipp nach Ujhely. Wie den Lesern dieser Blätter bekannt, ist in Ujhely eine Chassidimgesellschaft, die sich gegen Owi so anmaßend als möglich benimmt. Ich als Schüler des „Toscher" wurde auch hier in die geheimsten Gänge des Chassidismus eingeführt. Und welcher Anblick bot sich mir dar! Männer, die große Fähigkeiten zum heiligen Studium haben, ersticken und ersäufen dieselben mit brandweintrunkenem Enthusiasmus, und mit schwärmerischen Fahrten nach dem heiligen Lande der „Rebbes", nach Polen, vergeuden sie ihre Lebenszeit! Zeitig genug entriß ich mich dem Netze, das nach mir ausgespannt war, und knüpfte mich durch innige kindliche Liebe und Ehrfurcht an OVi Doch um ihrem ganzen Einflüße auszuweichen, verließ ich bald das chassidische Klima und begab mich zu einem der größten unserer Zeit. Hier konnte ich drei Jahre ungestört dem heiligen Studium obliegm. Nach dieser Frist ging ich, dem Rufe meiner Verwandten folgend, nach meiner Heimatb zurück. Und welch schreckliches Gefühl bemächtigte sich meiner, als ich bemerkte, daß der Chassidismus einige theure Glieder meiner Familie an sich gerissen hatte. Ich konnte natürlich nichts dagegen einwenden, denn was will Ueberzeugung. gegen die Zaubermacht eines „Rebbe", der alle seine Gegner mit dem Bannstrahl zu zerschmettern droht. Was gilt nüchterner Verstand einem Kabalabenebelten und was wirkliche Wahrheit einem chassidisch Berauschten? — Einige Tage darauf sah ich jedoch meine Heimath in furchtbarerem Verfalle. Ein Freudenruf verkündete die Ankunft des „Rebbe Mordehele Dverner" in „Zemplins" Gegend. Da der „Rebbe" nach unserm Wohnorte nicht kommen wollte, so begab ich mich zu einem meiner Verwandten nach UjfehLrto. Am rnw des Jahres kam ich in U. an. Nach dem Chanukalichtanzünden gingen wir zu rksn ins Gotteshaus. Und als wir dasselbe verließen, begegneten wir einem rollenden Wagen, vor welchem einige Polnischgekleidete hinliefen und mit dem Rufe die Luft anfüllten, — staune, lieber Leser! mit dem Rufe „Rebb Mordehele Doerner ist du". Ich erschrak, Manche staunten; die Meisten jedoch liefen zum Wagen hin, begrüßten den „am Sabbat angekommenen Rebbe" mit dem ergebensten Handkuß, und boten ihm Wohnungen an. Um mich kurz zu fassen, will ich nur einige Züge von ihm hervorheben, die genügen werden, daß sich die jüdische Welt vom Streben des Chassidismus überzeuge. ribsn verrichtet er täglich um zwei Uhr Nachmittags. Er fährt an keinem andern Tage als Freitag, und zwar Nachmittags um drei Uhr. Noch Eines muß ich erzählen. Vergib mir, lieber Leser, wenn ich Dich beunruhige! Am Freitag darauf kam Rabbiner Pinches David aus Bököng, der übrigens dem Chassidismus nicht unhold ist,*) um, wie er mir sagte, den „Rebbe" kennen zu lernen. Es war am Frettagnachmittage um drei Uhr, ich wiederhole es noch einmal, es war nach drei Uhr, als der „Rebbe" das Morgengebet beendet hatte und der Wagen stand bereit, auf den Wink des Rebbe harrend. Jetzt fährt der Rebbe weg? Es ist doch schon nach vielen riso rinn? sagte verwundert der Rabbiner; „si," versetzte frech der Rebbe, „seid ihr man Ruw auch, ba mir seid ihr ein am huurez!" Ein Wink erging an den Pferdelenker und der Wagen rollte weithin nach der Ferne, in der es zwei Stunden weit keine einzige von Menschen bewohnte Stelle gibt. Und so ließ denn der Rebbe den nicht leicht zu verwischenden Eindruck auf die 'vp die aus dem Erzählten folgerten, daß entweder das Fahren am Sabbat keine Sünde oder der Freitagabend! kein rwo sei (als man dies dem hei- *) Wie sich dieses aus seiner Unterschrift an dem vom „Sikser" verfaßten „s'1 'POS" zeigt.