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Der Israelit · 1866-07-11 · Heft 28 (11.7.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 28 (11.7.1866)
Date
1866-07-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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478 Den ersten Impuls zu diesem Vereine gab eine Festrede des Herrn Adler, gekalten in der Gesellschaft „ Humanität", *) über ein Thema aus der jüdischen Geschichte. Dieser Vortrag erregte das Interesse vieler Anwesenden, und. ist, wenn wir nicht irren, damals im „Ben Chananjah" abgedruckt worden. Auf den ausgesprochenen Wunsch eines Verehrers des Herrn vr. Adler, solche Vorträge öfter zu halten, erklärte sich derselbe gern bereit, und schlug vor, einen Verein unter dem Namen „Literatur-Verein" zu diesem Zwecke zu gründen, und aus den monatlichen Beiträgen desselben eine Vereins-Bibliothek zu stiften. Wir sind in Kassel schon längst gewohnt, daß man das Pferd von hinten sattelt. Ein Verein für jüdische Literatur und Geschichte hat nur dann einen Sinn, wenn eine Kenntniß der einschlägigen Literatur und die nothwendigcn Vorbedingungen zu derselben einigermaßen bei den Mitgliedern vorangegangen sind. Tie Les.r dieser geschätzten Zeitschrift wissen jedoch, wie es damit im Allgemeinen bestellt ist, und hat jener exaltirte Bewunderer unseres Rabbiners dieses Moment wohl gänzlich übersehen. Noch ist weder Interesse, noch Bedürfniß eines solchen Vereines in Kassel vorhanden, und es ist leicht erklärlich, warum der betreffende Ausruf des Herrn Adler in der Gemeinde so wellig Anklang fand. Zwar hatten die einflußreichsten Mitglieder so viel Takt, durch ihre Namensunterschrift ihren Beitritt zu erklären; indessen haben sie es doch vorgezogen, die Vorträge selbst nicht zu besuchen, und es hat sich der Verein nunmehr in einer andern Weise constituirt. Seit einigen Jahren nämlich hat die jüdische Gemeinde in Kassel einen bedeutenden Zuwachs erhalten durch die Uebersitdelrmg vieler Familien aus allen Lheilen des Landes nach drr Hauptstadt. Hierdurch ist das religiöse Element quantitativ in ein günstiges Verhältnis gekommen. Viele der neu Eingetretenen gehören einer strengeren Richtung an, und hatten schon sehr oft den Wunsch gegen denRabbinen geäußert, allsabbatlich einen Chebrah-Vortrag zu hören, wie sie das von früher gewohnt seien. Da diese Leute nun ebenfalls dem neuen Verein angehören, aber an der jüdisch-politischen wie an der Literaturgeschichte und andern hochgelahrten Dingen keinen Geschmack finden, so hat Herr Rabbiner vr. Adler in dankenswerther Bereitwilligkeit sich herbeigelassen, rniüv vnd »-na und dergl. vorzulesen und zu erklären; und es besteht demnach in Kassel eine neue nach altem Schnitt, was kaum in dem Plane der Gründer gelegen haben dürste. So anerkennenswerth und er¬ *) Wir werden der Schilderung der Tendenz und der schöne« Erfolge dieser Gesellschaft s. G. w. einen besonder« Artikel in diese» Blattern widmen. Bemerken muffen wir hier schon, daß die Elite der Gemeinde ihr angehört, und daß alljährlich am Stiftungstage eine Festrede gehalten wird. freulich diese Thotsacke an sich ist, und wie sehr auch Herr Adler den Dank aller wohlgesinnten Glaubensgenossen dafür verdient, so können wir dennoch nicht läugnen, daß das Gefühl einer innern Befriedigung hierdurch bei Weitem noch nickt rege bei uns geworden. Wenn der mäßig herabfallende Thau nur die Wipfel der Bäume benetzt, so fehlt noch viel, wenn nicht jegliche Nahrung, bis daß die Wurzeln befeuchtet, genährt werden, und von ihnen die Säfte empor in alle Neste und Zweige steigen können, um Blüthen und Früchte zu treiben. Das ist's, was wir bis heute vermissen! Die Conjuncturen sind, um uns kaufmännisch auszudrücken, für eine Reform in unserm Sinne bei Weitem günstiger, als früher, und Herr Adler kann nicht mehr sagen, daß ihm der Boden für eine gesegnete Pflanzung noch gänzlich fehle. Es fehlt nicht ganz an gutem Willen innerhalb der Gemeinde. Geschieht aber noch immer nichts für die Jugend, läßt man auch jetzt noch den günstigen Zeitpunkt unbenutzt vorübergehen, so wird auch die neue Schöpfung, jener sogenannte Literatur Verein, gewiß nicht von laugern Bestände sein; so wird auch sie wieder in sich verfalltN. wie so Vieles bei uns verfallen ist, und unsere Hoffnung aus eine Neugestaltung unserer religiösen Verhältnisse ist wieder eine vergebliche gewesen. B. M. Worms Der hiesige iSrael. Frauenverein hat an olle FrautN und Mütchen unserer Stadt einen Ausruf ergehen lassen, um sie zur Beisteuer von Charpie, Verbandsinckcu rc. für verwundete Krieger auszufordern. Dos Resultat wird in den hiesigen Zeitungen veröffentlicht werden. Hamburg. Die Wittwe KackHeine's hat am 23. Juni, als dem Gcdächtuißtoge ihres verstorbenen Gattin. Bco-ik 2060 an jüdische und Bco.T 1600 an christliche Arme vertheilcn lassen. Im Betsaale des israelitischen Krankenhauses fanden die üblichen religiösen Cerenwmen statt und für die Bewohner dieses Hospitals wird eine Mahlzeit veranstaltet. Preußen. THorv. Milten in dem europäischen Kriegslager, unter dem Donner der fürchterlichen Mordmaschinen, die die Menschheit zu ihrer eigenen Vernichtung erfunden, bereitet sich still, jedoch sicheren und festen Schrittes voranschreitend, ein Friedenswerk vor, das dazu angethan sein soll, der Welt Heil und Segen zu bringen. Eine Tripelallianz — vmTN — einflußreicher Personen, denen enorme Kräfte zu Gebote stehen, ist im Begriffe, sich zu bilden. Wir haben bereits in Nr. 26 einen Leitartikel über die Projekte des Herrn Henry Dunant, Gründer des Vereins für die Neutralität der Sanitätsanstalten im Kriege, gebracht. Dieser Tage erhal-

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