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Der Israelit · 1866-07-11 · Heft 28 (11.7.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 28 (11.7.1866)
Date
1866-07-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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475 Mittel der spätem Größe und des spätem Heiles Waren. Ader wie, 1h eure Glaubensbrüder! könnet Ihr in der Thal hintreten vor Ihn, der Herzen und Nieren prüft, und mit Wahrheit sprechen: „Wir haben nach Kräften, so «eit es Menschen möglich ist, rein gehalten von Sünde unser Herz, wir find gewandelt in Deinen Wegen, wir haben sorgfältig in der Furcht vor Dir uns gehütet, Deine Verbote zu übertreten, und in der Liebe zu Dir uns aufrichtig bestrebt, Deine Gebote zu vollziehen; darum erheben wir jetzt in der Zeit der Gefahr unser vom Gotlcsglaubcn, von Gottesfurcht und Gottesliebe erfülltes Herz und unsere Hände, an denen kein Unrecht klebt, zu Dir empor? Können wir mit Wahrheit sprechen, Dir Allmächtiger empfehlen wir unser gefährdetes Leben, das Deinem Dienste gcwcihet war, unter Deinen allmächtigen Schutz stellen wir unsere Person, die ein Werkzeug unserer Seele zur Vollziehung Deiner heiligen Thora-Gebote war, Deiner Obhut vertrauen wir unser Eigenthum, das wir mit Redlichkeit und Rechtlichkeit, ohne dabei einer Uebertretung Deiner heiligen Gesetze uns schuldig gewacht zu haben, uns erworben? Können wir wohl in Wahrheit also sprechen? Allerdings besitzen wir das höchst wohlthuende Bewußtsein, daß es zahlreiche und ehrcnwerthe Familien und Individuen in unserer Mitte gibt, deren Geist erleuchtet vom Lichte des Glaubens und deren Herz davon erwärmt, die da treulich weihen unbegrenzten kindlichen Gehorsam dem Allvater, die da gewissenhaft erfüllen alle Pflichten gegen den Nebenmenschcn, ja, allerdings besitzen wir das höchst wohlthuende Bewußtsein, daß von Vielen, gar Vielen in unserer Mitte gesagt werden kann : „Das sind wahrhafte Gottesdiener und aufrichtige Freunde oster Meuchen." Allein wir dürfen es uns nicht verhehlen, daß, wenn dies gleichwohl von von Vielen, es nicht also von Allen gesagt werden kann. Vielmehr gibt es der Nacht- und Schattenbilder nur zu viel in unserer Mitte, die einen höchst traurigen und bedauernswürdigen Gegensatz hiezu bieten, traurig, sehr traurig, aber nur zu wahr. Ja, kommet, lastet uns aufschlagen das heilige Lhora-Gesetzbuch, und den Wandel gar Vieler damit vergleichen, und wir werden mit Schamröthe eingestehen müssen, daß wir von den göttlichen Geboten gar viele nicht in der Ausdehnung und mit der Pünktlichkeit erfüllten, wie es die Thora vorschreibt, und mit ernstem Willen es uns leicht möglich gewesen wäre, daß wir das Gute nicht so oft und nicht in dem Maaße und der Uneigennützigkeit geübt haben, als wir sollten und es bei wärmerer Herzinnigkeit hatte geschehen können. Wir werden ferner finden, daß Viele, Viele von den göttlichen Verboten wir nicht so gemieden haben, wie es unerläßliche, heüige Pflicht gewesen wäre. Ja, daß gar Biele in unserer Mitte frevelhaft oder aus Leichtsinn dieses und jenes heilige Gebot vernachlässigten; dieses und jenes strenge Verbot von Lüsternheit, Gewinn und Habsucht bethört, gröblich verletzt haben. Betrachten wir zur Erörterung des Angeführten beisvielsweise nur Einige dieser Ge- und Verbote, und die traurige Wahrheit des Angeführten wird sich nur zu unleugbar Herausstellen. Nehme« wir jenes Grundgesetz unserer heiligen Thora, die Eabbatfeier, diese so streng gebotene, hochheilige Feier; wie traurig sieht es in dieser Beziehung in unserer Zeit aus!!! Gehet hin und fraget die Wanderer auf den Straßen, und Ihr werdet ihrem Zeugniß nicht widersprechen können. Denn, ist es wohl zu leugnen, daß dieser oder jener Geschäftsmann am heiligen Sabbat öffentlich sein Geschäft betreibt, oder wohl aus Menschenscheu die vorderen Laden- oder Comptoirthüren verschließt, aber ohne Scheu vor Gottes allsehendem Auge, den der Oeffentlichkeit weniger sichtbaren Eingang durch das Haus oder den Hof öffnet! Und wenn auch im Hause das Geschäft geschloffen, wie Mancher läßt cs dennoch hingehen, daß seine Reisenden am Sabbat ebenso für das Geschäft thätig sind wie an den Werktagen! Oder ist es zu leugnen, wie mancher Oekonom, wenn auch nicht selbst, doch durch seine Bediensteten auch am Sabbat Feldarbeiten verrichten läßt! Solche Erscheinungen bedürfen wohl keines Commentars. Der Thora-Grundsatz, daß öffentliche Sabbatentweihung mit Ableugnung des ganzen Religionsgesetzes auf einer und derselben Stufe steht, läßt jene Thalsachen in der erschütterndsten und betrübendsten Weise erkennen Und wie die Giftwurzel der Hab- und Gewinnsucht in dieser Beziehung ihre verderblichen Schößlinge treibt, so zeigen sich dieselben auch in anderer Hinsicht, nämlich bezüglich geschäftlicher Gewissenhaftigkeit, Rechtlichkeit und Redlichkeit. Strenge Redlichkeit und Rechtlichkeit, edle und unbesiegbare Gewiffknhaftigkeit werden in den Lehren unserer h. Religion wiederholt und mit allem Nachdrucke gelehrt und befohlen, unredliche Aneignung des Eigenthums eines Andern, westen auch nur immer, ja sogar eine materiell völlig unschädliche Täuschung der bloßen Meinung eines Andern, gegen wen immer begangen, ist verboten. Wenn es nun gleichwohl gern von uns constatirt wird, daß dem bei Weitem überwiegenden Theil unserer Brüder diese h. Lehren als himmlische Feuersäule vorleuchten auf den Pfaden ihrer geschäftlichen Laufbahn, und daß diese Vorschriften allein ihnen norm- und maßgebend in allen ihren geschäftlichen Unternehmungen und Beziehungen; ja, wenn wir uns allerdings des wohlthuenden Bewußtseins zu erfreuen vermögen, daß das Judenthum in seiner Gesammtheit diese Lehren als unantastbare, himmlische Güter treu und heilig bewahrt, so dürfen wir eS uns aber auch nicht verhehlen, daß auch in dieser Beziehung Einzelheiten als Ausnahmen

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