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Der Israelit · 1866-07-04 · Heft 27 (4.7.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 27 (4.7.1866)
Date
1866-07-04
Page
– (sequence 14)
Language
German
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470 dem Schatzkästchen in Händen hatte. Er ließ sich nun einen ähnlichen zweiten Schlüssel machen, und als nach drei Jahren das Kästchen in seine Hände zur Aufbewahrung kam, da probirte er dm nachgemachten Schlüssel. Derselbe paßte vollkommen. Er öffnete also das Kästchen, nahm alles Geld und alle Kostbarkeiten heraus und legte so schwer Steine dafür hinein, und verschloß das Kästchen wieder, so daß man nichts daran merken konnte. Er fing sich jetzt auch zum Scheine eine Geschäft an, daß die Leute und auch seine Brüder meinten, er wäre endlich andern und bessern Sinnes geworden, und keine Ahnung davon hotten, woher ihm für sein jetziges Leben das Geld kam. Aber noch waren keine drei Jahre vergangen, so war auch der Inhalt des Schatzkästchens verpraßt. — Und nun kam er denn wieder zu seinen Brüdern und sagte, er habe geglaubt, rhrer nicht mehr zu bedürfen, aber er sehe, daß er kein Glück habe. Er sei abermals um Alles gekommen, und es bleibe ihm nichts anderes übrig, als das Kästchen zu theilen. „Es thut mir," schloß er seine lügnerische Rede, „selbst leid, daß es mit mir so weit gekommen ist, wo nach unseres Vaters letztem Willen das Kästchen geöffnet werden darf." — Als die beiden älteren Brüder sahen, daß es so sein müsse, gingen sie zu den zehn angesehenen Männern der Stadt, die ihr Vater zu Zeugen genommen hatte, und baten sie, den anderen Morgen auf das Gemeindehaus zu kommen. Dahin brachten die zwei Brüder zur bestimmten Stunde das Kästchen und sprachen: „Verehrte Männer! Wir sind durch das Drängen unseres Bruders hier, dem wir schon zweimal in seiner Noth beigefianden haben, leider gezwungen, das von unserem guten, seligen Vater in Eurem Beisein uns hinterlassene Kästchen zu öffnen und den Inhalt zu theilen. Sehet zu, ob es dasselbe ist, und ob es noch in demselbtn Zustande ist, wie es unser guter Vater uns übergeben hat." — Die zehn Zeugen besahen das Kästchen und auch das Schloß und sprachen dann: „Es ist dasselbe Kästchen und ist noch wohl verschlossen." — Das Kästchen ward nun im Beisein der Zeugen geöffnet, und zum Erstaunen der beiden Brüder und der Zeugen fanden sich nichts als gemeine Steine darin. — „Da seht Ihr," rief der jüngste Bruder mit frecher Stirne, „da seht Ihr lieben Leute, wie meine Brüder mit mir verfahren sind! Deßhalb haben sie so lange das Kästchen nicht öffnen wollen! Deßhalb haben sie mir zweimal unter dem Scheine einer Unterstützung Geld gegeben! ' Daher sind sie sell st so reich, indeß ich arm geworden bin! Sie haben das Geld herausgenommen und Steine dafür hin eingelegt." — Die beiden Brüder sahen einander an, indem jeder den anderen in Verdacht hatte. Die zehen Männer aber sagten: „Wir sind nicht klug genug, um hier zu entscheiden. Unser Rath ist, daß Ihr alle drei nach Jerusalem geht zum König Salomo, seine Weisheit wird das Richtige finden." — Die drei Brüder beschlossen, also zu thun, und so machten sie sich denn auf den Weg nach Jerusalem. Als sie schon in der Nähe der Stadt waren, kam ihnen ein Mann eilig entgegen und frug sie, ob sie kein Pferd gesehen. „Ist es nicht weiß gewesen?" frug der älteste der Brüder. „Ja wohl," sagte der Mann. — „Ist es nicht auf einem Auge blind?" frug der zweite. „So ist's," antwortete der Mann. — „Trug es nicht zwei Flaschen," frug der jüngste, „die eine mit Oel, die andere mit Wein." „Ganz recht," sagte der Mann." — „Es ist dort in den Wald gelaufen," sagten die Brüder, obschon sie das Pferd mit keinem Auge gesehen hatten.*) Der Mann lief in den Wald nach seinem Pferde, konnte aber keine Spur davon finden. Er eilte wieder zurück den Brüdern nach und fragte sie, wohin sie gingen. „Nach Jerusalem," sagten sie, zum König Salomo." „Ich gehe mit," sagte der Mann. Als sie vor den König kamen, begann der Mann zuerst: „Mein Herr und König! ich weiß nicht, was diese Männer bei Dir wollen; ich muß sie aber vor Allem eines Diebstahls anklagen." Und er erzählte dem König nun. wie ihm sein Pferd entlaufen, wie er den drei Männern in der Nähe der Stadt begegnet sei und sie nach seinem Pferde gefragt, wie sie ihm alle Zeichen desselben richtig angegeben und ihn in den Wald geschickt hätten, und wie er doch nichts gefunden habe. „Es kann nicht anders sein," schloß der Mann leine Klage, „sie haben mein Pferd aufgefangen und ihm die Satteltasche, worin mein Geld war, abgenommen und es dann wieder laufen lassen. Ich fordere daher mein Geld wieder und will auch wissen, wohin sie das Pferd gethan haben." — „Wir haben, o Herr und König! antworteten die Brüder, „kein Pferd gesehen und sonst auch nichts von ihm gehört." — „Wie aber konntet Ihr," frug Salomo, dem Manne die Zeichen geben?" — „Ich," sagte der älteste Bruder, „wußte daher, daß das Pferd weiß ist, weil an dem Zaume, den der Mann noch in der Hand hatte, weiße Haare hingen." — „Und Du," frug der König den zweiten, „woher konntest Du dein Zeichen geben?" — „Ich sah," antwortete dieser, „auf dem Wege mehrere Stellen, wo das Pferd geweidet hatte, da war die eine Seite immer abgeweidet, die andere Seite aber, wo sehr gutes Gras stand, war unberührt; *) Aehnliches wird von drei Prinzen mit einem Kameele erzählt in IMI Nacht; 4S6 Nacht: „DerSultan von Amen und und seine drei Söhne."

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