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Der Israelit · 1866-07-04 · Heft 27 (4.7.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 27 (4.7.1866)
Date
1866-07-04
Page
– (sequence 11)
Language
German
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467 Schweden und Norwegen. Stockholm. Am 23. Mai ereignete sich hier ein schreckliches Unglück. Die hiesige katholische Gemeinde hatte auf ihrer Kirche einen neuen Thurm bauen lassen. Die Arbeit war schon so weit fertig, daß man in wenigen Wochen den Neubau einzuweihen gedachte. Da stürzte derselbe plötzlich an besagtem Lage Vormittags ein und tödtete dadurch 21 Personen. Unter diesen befindet sich auch ein getaufter Jude aus Deutschland, der Glöckner in dieser Kirche war. (Hamewasser.) Donaufürstenthümer. Bukarest. Vor einigen Wochen begab sich Herr Ad. Cremieux, der bekannte Präsident der „Alliance Israel. Univ." nach Constantinopel, um mit der Pforte bedeutende Geschäfte abzuschließen. Wie immer sucht auch auf dieser Geschäftsreise der unermüdliche Crömieux für die gefährdeten Inter-ssen seiner Brüder einzustehen. Dem „Wiener Fremdenblatt" wird darüber geschrieben: Crsmieux werden während seines hiesigen Aufenthaltes verschiedene Ovationen bereitet. Morgen geben ihm die Advokaten der Residenz ein Banket, übermorgen die Notabeln der Israeliten. Gestern sprach der französische Exminister und ehemalige Kammerredner im Foyer des Abgeordnetenhauses im Interests der Gleichberechtigung seiner rumänischen Glaubensgenosten. Etwa 50 Deputirte waren anwesend und schenkten der hinreißenden Beredtsamkeit des greisen Redners eine ungewöhnliche Aufmerksamkeit. Der hervorgebrachte Eindruck seiner Rede soll ein mächtiger gewesen sein; nur schade, daß die erpichtesten Gegner der Israeliten sich fern gehalten haben. Jassy, 17. Juni. Was Sie von den Fortschrittsbestrebungen, der intellektuellen Entwicklung und dem Patriotismus des jungen Rumäniens zu halten und wie Sie alle die hochtrabenden Phrasen aufzunehmen haben, will ich, nachdem Sie von meinem heutigen Berichte Akt genommen, ohne jedwelchen Kommentar ganz Ihrer eigenen Beurtheilung überlasten. Mit der Ankunft des Fürsten in der Hauptstadt hat eine rege Agitation in der ganzen Moldau begonnen, die von hier aus geleitet wird und die Parole empfängt. Ob die Verfolgvng, Mißhandlung und Beraubung der Juden wirklich das einzige Ziel dieser verabscheuungswürdigen Umtriebe ist, kann ich Ihnen noch nicht mit Zuverlässigkeit mittheilen. Im Momente wenigstens trägt die Agitation nur dies einseitige Gepräge. Ein Comitö, besten Leiter und Wortführer die Professoren der sogenannten hiesigen Universität find, hat eine Petitton an die Kammer verfaßt, welche, durch den Druck vervielfältigt, in den Städten und Dörfern der ganzen Moldau zur Unterzeichnung circulirt und die israelitische Bevölkerung in Angst und Furcht versetzt. So ganz ohne Grund mag diese Furcht wohl nicht sein, denn der Anfang der Judenverfolgungen und Mißhandlungen ist bereits gemacht. Wie wir vernehmen, hat eine kleine Stadt (Okna) den Reigen eröffnet. Um den Charakter der in Rede stehenden Petition zu kennen, Iheile ich Ihnen mehrere der ausgesprochenen Wünsche im Auszüge mit: „Begründet durch die Neciprocitätsrechte (weil nämlich die Israeliten keine gekochten oder sonst zubereitcten Speisen von den Rumänen kaufen) soll den Israeliten verboten sein, an Rumänen Brod, Fleisch, Wein, Branntwein zu verkaufen, Restaurationen, Branntweinbrennereien, Mühlen, Droguerien rc. zu besitzen. Verfolgung und Bestrafung derjenigen, welche Grundstücke unter einem fremden Namen (eines Rumänen) besitzen, Entziehung des Jndmenats allen denjenigen Israeliten, welche sich nicht zur christlichen Moral bekennen. Sie aus allen Ehrenämtern und Diensten, sei es daß solche von ihnen gegen Honorar oder gratis bekleidet werden, als jenen von: Aerzten, Ingenieurs, Architekten oder Administrationsbeamten rc. zu entfernen. — Den legalen Landeszinsfuß auf 7 Procent pro Anno festzusetzen, da hier ein Agrikullurstaat ist (als wenn in Agricultur-Staaten der Zinsfuß ein minderer sein müßte, als in Handels-Industriestaaten?).*) Das Verbot des Häuserankaufs selbst aus die Städte auszudehnen. Den Zwangsverkauf aller von Israeliten hypothezirten Grundstücke fünf Jahre zu sistiren. Israeliten, die im Lande keine stabile Beschäftigung haben, auszuweisen, jenen dieser Kategorie aber, welche mit legalen Pässen versehen sind, einen Aufenthalt von 10 Monaten noch zu gestatten. Endlich einen Generalcensus aller in der Romanie lebenden Israeliten in aller Eile anzuordnm, der auf's Genaueste konstalire: die unter fremden Protektionen Stehenden, die Zeitperiode der Einwanderung, Namen, Alter, Anzahl der Familienmitglieder, Existenzmittel, Vermögen und genauen Ausweis derselben. Wer einen Theil seines Besitzes verheimlicht oder ungenaue Angaben ertheilt, soll strenger Bestrafung unterlieliegen rc. rc." Ich weiß nicht, ob eine derartige Petitton in einem konstitutionellen Lande im Jahre 1866 mehr „als gemein und barbarisch" oder mehr „als maßlos dumm" bezeichnet werden kann, jedenfalls aber hat sie auf Originalität Anspruch, umsomehr, wenn ich Ihnen berichte, daß die Herren Petitionsfabrikanten die durch die Pariser Konvention oktroyirte Verfassung des Landes nicht freisinnig genug finden und eine *) Amn. d. Red.: Wir finden in diesem Punkte nichts Unbührliches.

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