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Der Israelit · 1866-07-04 · Heft 27 (4.7.1866) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 27 (4.7.1866)
Date
1866-07-04
Page
– (sequence 9)
Language
German
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"Beilage z« Rr. 27 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Hemsbach, den 8. iwn. Wenn wir Ihnen von einer Trauung berichten, die in der hiesigen Synagoge gestern stattgefunden, so ist's nicht sowohl der Act an und für sich als die besondern Umstände, die denselben veranlaßten, und die im erhöhten Grade als sonst das Interesse in Anspruch nahmen. Es wurde nämlich die Trauung des Herrn Israel Koschland aus Jchenhausen mit Fräulein Regina Sinzheimer aus Bürstadt hier vollzogen, obgleich das Hochzeitsmahl in dem 2Vz Stunden von hier entfernten Bensheim abgehalten wurde; aus der einzigen Ursache, weil der Rabbiner vr. Landsberg in Darmstadt die Einwilligung zum Trauungsvollzug in seinem Rabbinate durch einen fremden Rabbinen verweigerte. Die Eltern des Brautpaares wollten aber ihre Kinder nicht vom Rabbiner vr. Landsberg trauen lasten, und es fuhren deshalb die Hochzeitsgäste zu Wagen hierher, was freilich nebst den Auslagen für gerichtliche Sporteln erhebliche Kosten verursachte. Der noch sehr junge Rabbiner, Herr vr. Löb aus Jchenhausen vollzog die Trauung bei großem Andrang hiesiger Emwohner. Er sprach über den Aronsstab (^.-,8 und that dar, daß das Wunder des Stabes in Israels Mitte sich heute noch bewährt und bewähren muß, indem die Religion Israels durch .-k-inp .-n-ri — Gesetzesstudtum, Gottesdienst und praktische Nächstenliebe — Knospen treibt, Blüthen entfaltet und Früchte reift, die für Israels Wohl und höhern Beruf zeugend reden, unv deren gewissenhafte Uebung jedem israel. Haus heiligste Pflicht sein müsse, umsomehr, als davon sein Glück und Heil bedingt sei. Es freut uns, Herrn vr. Löb als einen sehr beredten Prediger kennen gelernt zu haben, der es versteht, vom Herzen zu Herzen zu sprechen, und es ging gewiß Keiner der Anwesenden unbefriedigt aus der Synagoge. P r e u ß e u. Berlin, den 26. Juni. Der „Berliner Börsenzeitung" wird von hier geschrieben: „Der zum Rabbiner von Berlin gewählte Vr. Aub, bisher in Mainz, hielt am Sonnabend seine Antrittspredigt in der filtern Gemeinde-Synagoge. Dem liturgischen Gebet war eine Fürbitte für den Erfolg der preußischen Waffen und für einen daraus hervorgehenden heilvollen Frieden zugefügt worden. (Wie uns von anderer Seite mitgetheilt wird, hat Herr vr. A. mit seiner Antrittsrede total Fiasco gemacht.) Einem nichts weniger als feindlichen Berichte hierüber im „I. Ehr." entnehmen wir zur Characteristik dieser Predigt Folgendes: „Welchen Effect diese Predigt hervorgebracht hat, vermag ich nicht zu sagen; jedoch ein so verschiedenartiges Auditorium zu befriedigen, beiden Partheien zu genügen, ist keineswegs eine leichte Aufgabe, auch winde dieselbe durch den Umstand erschwert, daß es wenigen Predigern gelingen wird, jene allgemein anerkannte Excellenz zu erreichen, wie das dem verewigten Prediger möglich war. Die Anspielungen, die Herr vr. Aub im Laufe der Predigt auf den verstorbenen vr. Sachs machte, verursachten Thränen in manchem Auge, das gewohnt war, jene wohlwollende Erscheinung des Verewigten in der Synagoge zu erblicken, solche Worte drangen sorgenvoll (sorrvwLuH^) in die Ohren derjenigen, die viele Jahre lang den eleganten und belebenden Reden gelauscht hatten, welche derselbe mit augenscheinlichem Erfolg in dem alten Tempel zu Berlin gehalten hatte. (Die guten Berliner denken wohl auch «bi bp ^>2li s's-wri^v). Red. MTaodeburg. Der Krieg, in den Preußen jetzt verwickelt ist, hat dazu beigetragen, daß man in Preußen allmählich im Militärstande das Verdienst und die Talente des Juden richtig beurtheilt. So sehr es zu den Seltenheiten gehörte, in dem preußischen Heere einen jüdischen Offizier zu finden, so sind doch in neuester Zeit einige unserer Glaubensgenossen zu Stabs- und Bataillonsärzten avancirt. Herr Rosenthal aus Magdeburg ist zum Hauptregimeutsarzt mit-dem Range eines Hauptmannes ernannt worden. Posen. Ueber die am 16. April d. I. zu Posen eröffnete Realschule wird der „Jllustrirten Zeitung" geschrieben: „Der Character der Anstalt sollte nach den Absichten der städtischen Behörden, entsprechenden eigenthümlichen Bevölkerungsverhältnisten Posen-, ein streng simultaner sein, und keinerlei Unterschied nach Nationalität und Religion stattfinden. Demnach wurde das Lehrercollegium aus Evangelischen resp. Deutschen, aus Katholiken resp. Polen und einem Juden zusammengesetzt und für den Religionsunterricht aller drei Confessionen gleichmäßig Gorge getragen. Als eS sich später darum handelte, an Stelle des verstorbenen jüdischen Oberlehrers wiederum einen Juden anzustellen, wurde der konfessionslose Character der Anstatt dadurch getrübt, daß die Regierung der defi-

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