Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 27 (4.7.1866)
- Date
- 1866-07-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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464 Wombat im Gömörer Komitate bei -er h. k. ung. Hofkanzlei um die Rückverlegung des Marktes von Freitag auf Samstag agitirt hat. Leider ward auch diese engherzige Agitation von dem beabsichtigten Erfolge gekrönt. — Bei dem beklagenswerthen Umstande, daß in gar vielen ung. Städten und Marktflecken, die eine namhafte jüdische Population aufzuweisen haben, der Wochenmarkt eben am Samstag abgehalten wird, dürfte es unseres Ermessens überaus ersprießlich sein, so die betreffenden Gemeinden in einem Kolleklivansuchen behufs gründlicher Abhilfe dieses Uebelstandes an die h. Regierung sich wendeten. Es würde hiedurch dem leider an solchen Orten überhandnehmenden gründlich vorgebeugt werdm. Dieser Tage wurde in Raab das Projekt eines neuen Tempel- und Schulhauses lebhaft ventilirt Die Begeisterung hiefür war so groß, daß in wenigen Stunden bei 30,000 st. Oest. W. gezeichnet und bereits ein Baucomits gewählt wurde. Wir fürchten blos, daß die ungünstigen politischen Konstellationen das gottgefällige Unternehmen für einige Zeit paralysiren könnten. Ehrend für diese Gemeinde ist es, daß sie ihrem Rabbiner, ihren Lehrern, sowie sämmtlichen Kultusbeamten für die Dauer der Theuerung eine ISprocentige Gehaltsaufbesserung bewilligt hat. — Eine Maßnahme, die allseitige Würdigung und Nachahmung verdient. Der „Jzraelita Közlöny" dessen wir bereits in einer der früheren Nummern dieses geschätzten Blattes Erwähnung gethan, erscheint nun neuerdings in einem andern Verlage. Der erste Verleger scheint mit der Herausgabe der ersten 2 Nummern des Guten genug gethan zu haben. Zur Charakteristik des „I. K." möge hier hervorgehoben werden, daß im Feuilleton desselben ein Roman in Kocksscher Manier abgewickelt wird! — Die Erzählung enthält indessen mehr Wahrheit als Dichtung und ist aus dem Leben des Redakteurs selbst gegriffen. — Ob ein solcher Redacteur die Interessen der ung. Judenheit zu vertreten berufen ist? — Wir erlauben uns mit einem entschiedenen „nein" zu antworten. England. London. (Wie die Missionäre gefoppt werden.) Vor den Schranken des Polizeirichters erschien unlängst ein angeblicher deutscher Jude, ein merkwürdiger, halb würdig und halb verschlagen arisschender Mensch, der sich Salomon Sterne nannte. Ungewöhnlich wie seine Erscheinung war sein Vergehen und seine Haftnahme. Als Ankläger und Haftgeber erschien Charles Russell Hurditsch, Sekretär der christlichen Gesellschaft jMger Männer in London, und deponirte: Am Donnerstag Abend hielten wir in der Stafford Rooms, Titchbournstreet, unsere gewöhnliche Zusammenkunft. Der Verhaftete kam herein, wendete sich an mich und erzählte: er sei ein christlich gewordener Rabbi, Ln Folge seiner Konversionen ausgestoßen und in Folge unaufhörlicher Anfeindungen aus seiner deutschen Heimath vertrieben worden. Oft und schwer gemißhandelt von Verwandten und Judengenossen sei er ganz mittellos an den Kanal gekommen und habe Kleider und Uhr verkaufen müssen, um englischen Boden zu erreichen. In Southampton fei er im kläglichsten Zustand angelangt und habe sein letztes Entbehrliches, ein seidenes Taschentuch, veräußert, um nicht zu verhungern. Er verstehe Phantasiematten anzufertigen, habe auch bereits Aufträge, doch fehle es ihm an Material und augenblicklichem Unterkommen. In Folge dieser Angaben, in die ich keinen Zweifel setzte, nahm ich den Obdachlosen mit in meine Wohnung, gab ihm ein Diner und fragte ihn. wie viel Geld er brauche. Er sagte: etwa 17 Schillinge. Ich gab ihm einen Sovereign, er meinte, es sei zu viel. Um so fester glaubte ich ihm und nöthigte ihn, das Geld zu nehmen. Er versprach, dasselbe zurückzuzahlen, sobald er seine ersten Arbeiten beendet habe. Nach einiger Zeit kam er wieder und verlangte mehr; ich gab ihm 5 Schillinge für Logisgeld. Nachher erschien er wieder, lamentirte und*sprach von Baptismus, was in mir Verdacht erweckte. Gestern kam er und gab an, er habe Matten fertig und werde zwei Guineen dafür erhalten, habe auch bereits neue Aufträge; er bat mich um ein anderweites Darlehen auf einen Tag. Ich antwortete ihm, daß ich augenblicklich kein Geld disponibel habe, wohl aber sei ich bereit, mit ihm zu einem meiner Freunde zu gehen und mir das Geld geben zu lassen. Indem ich dieß that, hatte ich eine geheime Absicht. Unterwegs fragte ich den Gefangenen, wo er wohne, er sagte: in Johnstreet. Ich dirigirte meinen Weg dorthin und sagte, an der Thür des bezeichneten Hauses angekommen, daß ich gern seine fertigen Arbeiten bewundern möchte. „O, bemühen Sie sich nicht," entgegnete er, „diese befinden sich bereits in der City." Mein Verdacht erschien mir nun als begründet und ich gab den Schwindler der nächsten Polizeistation in Haft. — Inzwischen hatte die Polizei entdeckt, daß der angebliche Rabbi Sterne ein echt englischer Schwindler erster Klasse sei, bereits dreimal feine Zeit im Strafarbeitshause zugebracht habe Und seit Kurzem, nach Verbüßung von drei Jahren von zuerkannten sechs, mit einem Ticket auf Bedingung entlassen sei. Da er bewiesen, daß er nicht Lust hatte, sich ehrlich zu ernähren, wurde er wieder in Kriminalhaft und Untersuchung gegeben. (Ueber Land und Meer.) Hier-« eine Beilage. Verantwortliche Redaction: Or. Lehmann — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Darnpf-Schnellpreffendruck von I. GottSleben in Mainz.