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Der Israelit · 1866-07-04 · Heft 27 (4.7.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 27 (4.7.1866)
Date
1866-07-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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459 WM da» Herz lebendig, gläubig schlägt , wer das Leben und sein Geschick aus der Hand Gottes empfängt, ded kann beten; und wer noch beten kann, der hat für jede Wunde einen Balsam, für jedes mederbeugende Verhängniß einen Trost! O, daß wieder in heiliger, ernster Andacht die Geister und Herzen erglühten, daß Gin Ton durch alle Seelen rauschte, Ein Gedanke Alles in Israel belebte und entzündete! O, daß das Wort des Propheten sich erfüllte: Alle, Alle werden sie hieherziehen in großer Schaar. Weinend werden sie kommen, unter Flehen und Gebeten geleitet werden an die Quellen ewigen Masters; daß Jüngling und Jungfrau, Greis und Kind, Mann und Weib, Alle, Alle zu den Höhen Zion's walleten und ihrem Gotte dankten, und er wiederum Israel zum Vater sei und wir seine Kinder?" *) Um die religiöse Anschauung des vielbewunderten Predigers in Bezug auf die Streitfragen der Gegenwart zu characterisiren, lasten wir noch den 2. Theil der achten Predigt hier folgen: „Wie aber sind wir dem Bunde treu geblieben? Haben wir, — wie die Vergangenheit uns eine ununterbrochene Kette gläubigen Sinnes, treuer Anhänglichkeit an Gott und seine Lehre, wie sie uns das Walten eines höheren Geistes in allen Geschicken und Lagen Israels vorführt, — haben wir nun einen neuen Ring in jene Kette gefüget? Ist es derselbe einige und wahrhafte Geist, der auch in uns wohnt, wie auch die Dinge ihre Gestalt, die Zeiten ihr Ansehen haben gewandelt? — Ich antworte aus diese Fragen, die ich häufen, deren Stachel ich noch schärfen könnte, unbedenklich: Nein! und ich bin sicher, daß ihr euch die Antwort gefallen lastet, die doch so untröstlich, so wenig ehrenvoll für uns lautet. — Eben darum aber ist die Antwort richtig, weil ihr sie euch gefallen lasset, gefallen lasten müsset; weil ihr sie euch gefallen lasten wollet; weil es eben nicht mehr uns Stolz und Zier, Schmuck und ehrendes Abzeichen ist, mit jener Gluth der Begeisterung, mit jener Wärme der Ueberzeugung, mit jener Macht des Geistes das Heil der Nation zu hüten und zu schirmen; weil wir so gern die Vergangenheit als eine Verirrung und Ueberspannung höhnen oder in ihren Anforderungen und in ihrer Bedeutung ableugnen und verneinen möchten; — weil wir — statt hinzugehen an ihren Quell und daraus zu schöpfen Belehrung und Weisung für die Gegenwart, Richtung und Leitung für die Zukunft — mit leichtfertigem Geiste, in unbesonnener Eil' ihr den Rücken wenden und ihre» mahnenden Ruf überhören. — Was ist die Geschichte Israels anders, als die Lösung der höchsten Aufgabe, die in allen Zeilen sich wiederholt? Wie die Erde um die leuchtende Sonne in ewiger Bewegung kreiset, so Israel NM den unveränderlich festen Mittelpunkt seiner Bedeutung und seines Lebens, um Gott; und wie in dem Leben der Natur das nahe Licht der Sonne den Lenz mit seinen Blüthen, mit seiner frischen Jugend, mit seinem lebenerweckendem Odem bringet, so sind in Israels Geschichte die Zeiten des Lenzes und der Blüthe, wo das Licht Gottes in ungetrübter Klarheit, in belebender Nähe leuchtete, und an seinem Strahle das Leben des Geistes sich erhellte und das Gemüth sich erwärmte und befruchtete! — Und ist das anders worden? — nb 2PP' '^2 vnm /.-> '^r-r „Ich, der Herr, bin nicht umgewandelt, und ihr, Kinder Jaakobs, habet nicht aufgehört!"*) — Was unsere Aufgabe war vor Jahrtausenden, es ist dieselbe, die auch wir haben übernommen; was Jenen am Sinai ward verkündet, es ist auch uns verkündet worden; denn das Göttliche ist ein Einiges und Ewiges, das nicht wie ein Menschenwerk veraltet und vergehet! »ch Omrm O-m;2i 2w'i „Gott ist nicht ein Mensch, daß er trügen soll, nicht ein Erdensohn, daß er anderen Sinnes werde." **) „Aber," — sprechen sie in unseren Tagen, die Wortführer und Lehrer der Weisheit, — „das starre Gesetz" — es ist nicht mehr für uns; der Bann des tobten Buchstaben ist gelöst; die Satzung, das Kind der Zeit für sie berechnet und aus ihr geboren, sie kann unmöglich auch für uns noch gelten!" — Und was sie sprechen, das sprechet ihr gläubig nach; und was sie lehren, — da sie eben Nichts lehren, — darin folgt ihr ihnen! O, daß ihr euren Freunden glaubtet, was ihr so gern dem Feinde einräumet! O, daß ihr die Wahrheit hörtet, wie ihr der Lüge das Ohr öffnet! — „Der Geist ist erstarket," sprechen sie; „er wirft die Binden und Fesseln ab, die seine ungeübten Glieder eingeschnürt; er gehet in seiner eignen Kraft, — wozu die Krücken und die Stützen? Er hat sich seine Mündigkeit errungen, — wozu das alte Buch der Kinderjahre?" — Nun, wo ist er, der mündige Geist, der frei und kräftig mit seiner Zunge redet? Wo sind die Heldenthaten des Geistes, der frisch und kräftig in seiner eigenen Macht sich erhebt? Suchet, suchet — ich habe auch gesucht — und erzählet was ihr gefunden habet. — ES ist die Frucht des vorgeschrittenen Geistes, daß — so oft es gilt, ein gemeinsam Werk zu fördern, — wo es gilt, mit Eifer und Theilnahme für das Wohl des Ganzen — ich sage nicht, eine That zu vollbringen, ein Opfer zu bringen — nein, nur ein Wort zu sprechen — Die, deren Wort gilt, verstummen und gleichgittig die Achsel zucken! — DaS ist nicht der Geist des Fortschrittes, nicht der Geist Gottes, der ein .12:2^ .iLp m->, ein *1 Mal. 3. 6. **) 4. Mos. 23. 19. *) Jer. 31, 6 — 9.

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