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Der Israelit · 1866-07-04 · Heft 27 (4.7.1866) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 27 (4.7.1866)
Date
1866-07-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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458 uns den Flügelschlag jemr jetzt irr den lichten Höhen weilenden, großen SeekHso vft offenbar haL Ach, du bist jetzt heimgegangeO du edA, Mubiger, gesmnungstüchtiger Mann^ mtd die Matte, d« du zu der ersten jüdischen Kanzel Deutschlands erhoben hattest, sie ist einem Manne eingeräumt, der auf ihr mit kleinen Gedanken und gsringM Mitteln kleine Zwecke verfolgt, Der tändelndzerhröckeln witd,MrKdu kühn gebaut hattest, der.doch genug des Jammers und des Elends. Wer sich eine Vorstellung davon machen will, wie überwältigend der Eindruck war, welchen der Redner auf seine Hörer zu machen verstanden hat, der lese nur diese Predigten, der erquicke sich an dieser wundervollen Ausdrucksweise, der versenke sich in diese großartige Auffassung des Lebens und der Lehre. Wir wollen als kleine Probe nur die Darstellung des Gebets, die 2. Unterabtheilung aus dem 2. Theile der ersten Predigt dieser Sammlung hierherstellen:. „Gebet, ist das Zweite, das uns schützt gegen die Verhängnisse und Schickungen des Lebens. Und was ist das für ein Gebet? Meint ihr das Wort der Lippen, das äußerlich wird abgelesen, während im Innern andere Gedanken und andere Sorgen und andere Fragen sich tummeln und in wirrem Gewühl des Gemüthes Erhebung und des Geistes Sammlung hemmen? Nein, es ist das echte Gebet, — da der ganze Mensch ein Saitenspiel, ein Tonzeug ist, auf dem in heiligen Akkorden seines Gottes Preis und Ruhm erklingt. da sein Herz eine Harfe wird und tönet und klinget; da jede Fiber und Faser an ihm schwingt und zuckt und bebt in heiligen Schauern! — „Ach, meine Freunde! Wir können nicht mehr beten! Meint ihr, es liege das an unseren Gebeten, an der Sprache, in der sie abgefaßt, die uns fremd worden, an der Ausdrucksweise, in der sie unsere Gefühle und Hoffnungen und Wünsche vor den Thron des Herrn bringen? Das ist's nicht! Wir können nicht mehr beten, weil uns das Herz ist geschlossen; weil uns das Herz nicht mehr schlägt, nicht mehr in Lieb' und Sehnsucht und heiligen Empfindungen sich regt, nicht mchr des Geistes höhere Güter begehrt; weil es an der Erde und dem Endlichen hängt und sich festhälit, — nicht mehr zum Himmel empor sich hebt; weil dom Geiste die Flügel entsunken! Wir können nicht beten, weil wir nicht mehr, wie Kinder ihrem Vater, nicht mehr, wie das Geschöpf seinem Meister, nicht mehr, wie der sündige Schwache dem in ewiger Herrlichkeit und Wahrheit Thronenden gegenüberstehen! Wir können nicht beten, weil das Leben nicht mehr für uns ein Werk Gottes, ein lebendiges, auf seinen Befehl und seinen Hauch Kreisendes und BerveMs ist, nicht mehr ein großes,. heiliges Werk, das vön ihm zeugt und meldet darin wir ihn suchen ünd. finden, darin wir sein Wallen und sein Dirken verehren und anbeten. Es LL ei» todtes, hohles Maschklenwerk worßM> ZAie Seel' und Odem, ohne Licht uD Klarheit, ohW Wärrye'Mnts Bewegung k O, lernt eS «n heutigen'^Tage, geliebte Freunde, zu eurem Gotte beten, hintreten schlicht undunbefangen, wie zu dem Vater das Kind! Leget ihm der Seele reinen Spiegel ungetrübt und lapter vor, daß sein Licht darauf falle und dawim zmSckstraUel' „Und was ist es, Um das wir beten? — Um des Geistes ewige Güter! Es sind die höchsten und heiligsten Gedanken, die der Menschheit Kleinode sind: daß das Reich der Sünde werde getilgt, daß die Lüge wie Rauch von der Erde schwinde, daß der Wahrheit und dem Rechte die Herrschaft werde und auf diesen Säulen das Gottesreich sich erhebe. Es ist ein williges, freudiges, frommes Gemüth, um das wir beten, daß wir, ach! nach so langer Entfernung und Entfremdung von Gott und seinem Gebote, ihm wieder mit neuer Liebe und Hingebung uns weihen! — Es sind des Lebens nöthigste Güter, um die wir zu ihm rufen, — nicht mit eigensüchtiger Engherzigkeit, die nur sich und ihre endlichen Bedürfnisse vom Himmel heischt; — nein, mit der gläubigen, innigen Ueberzeugung, daß Alles von ihm ist und von ihm wird gefügt und geordnet, daß sein Wille und sein Geheiß die Gaben reicht und vorenihält, gewährt und versagt. Es ist das Heil Israels und seine würdigere Stellung in der Menschheit, die Anerkenntnis^ seiner heiligen, göttlichen Sendung, um die wir beten, — daß, statt der Schmach und der Schande, mit der in uns das Edelste, unser Glauben und Hoffen, unseres Geistes höchste, theuerste Güter' bisher sind geschmähet und geschändet worden, unseren Hoffnungen die Erfüllung, unseren gerechten Ansprüchen Geltung und Gewährung werde. — Und ihr wolltet stumm bleiben bei solchen Gebeten? nicht die heilige Schaar lauterer Empfindungen aufrufen, daß sie in einem mächtigen, jubelnden Chore zusammenrauschen? — Es sollte Einer von uns sein Herz verschließen, und — statt zu seinem Gotte sich zu wenden und zu lernen, durch das Gebet zu lernen, was ihm fehlt, was er begehren soll mit brünstigem Verlangen, — lautlos bleiben, und wie die Lippe schweigt, auch die Seele ungerührt und stumm bleiben? — O, lernt es wieder, für jede Regung des Gemüthes, für jeden Zug der Seele, für jede Wendung des Lebens ein Wort des Daukes. ein gläubiges Gebet, ein hingebungsvolles Aufschaüen zu eurem Gotte! -i-pv '2-2 -2 O-r, O2- 5IN P12MV1 in- „Wenn Israel aufwärts geschaut und das Herz dem Vater im Himmel unterworfeü hat, gewann es die Oberhand; wo nicht, so unterlag es den feindlichen Mächten. *) *) Mischn. Rüsch. Hasch. 3. 8.

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