Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 26 (27.6.1866)
- Date
- 1866-06-27
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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VM ihn aufforderte, zu irgend einer Unterstützung beizutmgen, und war her dazu Auffordernde noch so ehreywerlh und der zu Unterstützende »och so heyütleidchSwertff, so pflegte er doch zu spotten und zu Hagen: „Dem ein Almosen geben! Der braucht mein Veld nicht, Der ist nicht arm, Der ist ja noch reich an. Hoffnungen!" — Mit der Zeit aber ward es dem reichen Manne doch bang trotz seines Reichthums, und er sagte zu sich: „Was nützt mir all mein Geld und Gut, das ich aufgehäuft? Ich muß am Ende sterben, wie jeder Andere und kann nichts davon mit in's Grab nehmen." — Da zeigte sich ihm plötzlich ein Greis von ehrwürdigem Aussehen und sagte zu ihm: „Du hast wohl Recht, von all Deinem Reichthum kannst Du nichts mitnehmen; den mußt Du zurücklaffen, und zwar für Andere zmüölassen. — Auch ist der Reichthum vergänglich und schwindet gar schnell, und es könnte leicht kommen, daß er Dich im Leben schon verläßt. — Darum rathe ich Dir, jetzt schon Sorge zu tragen, daß Dir etwas nach Deinem Tode bleibe. Du mußt einen Baum pflanzen, der zwär diesseit des Grabes wurzelt, sproßt, knospet und blühet, dessen Früchte aber für Dich über das Grab hinüberreichen. Wende das, was Gott Dir so reichlich gegeben hat, zu wohlthätigcn Zwecken an, sei ein Helfer der Armen, Wittwen und Waisen, und Du wirst Deine Schätze nicht umsonst aufgetäust haben." — „Nun denn," sagte der Reiche fast spöttisch, ich will thun, wie Du mir gerathen, ich will mit meinem Gelde der Roth beistehen; aber ich schwöre: nur der wahren Roth! mit meinem sauer erworbenen Gelde soll das Bettelvolk nicht prassen! So lange noch jemand die geringste Hoffnung auf Erden hat, so bedarf er meines Geldes nicht. Finde ich aber einen Menschen so von Noth und Elend heimgesucht, daß ihm alle Hoffnung für dieses Leben entschwunden ist, so soll ihm meine ganze Unterstützung zu Theil werden." — „Du wirst den Menschen finden," sagte der Greis ernst und verschwand. Es war schon einige Zeit vergangen, und noch hatte der Reiche Keinen gefunden, den er feiner Unter stütz^ung werth hielt. Da sah er eines Tages vor der Stadt einen Armen auf einem Dunghaufen liegen, krank und hinfällig, elend und abgerissen, wie er noch keinen Menschen gesehen. „Der hat wohl," dachte er, „alle Hoffnung auf dieser Welt verloren und findet nur noch im Tode Rettung aus seinem Elend. Dem darf ich geben ohne Greinen Schwur zu brechen." — Er griff in die Tasche, nahm eine Rolle Goldes heraus, trat zu dem Armen hin und sprach: „Da nimm! tzk hast Du hundert Gulden!" — Der arme, kranke, noch ziemlich junge Mann hob mit Noth den Kopf in die Höhe und sprach mit unverkennbarem Erstaunen: „We kommt es, daß Du mir das viele Gew gibst? Bin ich der einzige Arme hier in dieser Stadt?" — „Weil ich>" antwortete der Geizhals, „geschworen habe, nur einem solchen Menschen ein, Almosen zu geben,- dem, wie Dir, alle Hoffnung auf dieser Wett abgeschnitten ist." Da richtete-sich der Arme krampfhaft auf und rief mit angestrengter Kraft: „Du Narr nnd Gotjesläugner! Dir ist alle Hoffnung abgeschmtten, diesseits und jenseits! Du setzt st Dein Vertrauen einzig auf Hem Geld, ich aber vertraue auf Gott und seine Barmherzigkeit zu jeder Zeit und jeder Stunde. Du siehst mich hier krank und matt auf dem Miste liegen und denkst, mir sei deßhalb alle Hoffnung abgeschnilten. Weißt Du denn nicht, daß geschrieben steht: Der Herr richtet den Geringen auf aus dem Staube, erhöht den Dürftigen aus dem Kothe? Weißt Du nicht, daß auch geschrieben steht: Der Herr erniedrigt die Hohen, die hoffärtig sind, und erhebt die sich niedrig halten? — Geh, Narr und Gottesläugner! ich wag Dein Geld nicht." — „Ist das mein Dank?" sagte der Reiche. „Ich habe mich über Dich erbarmt, und Du schimpfst mich und fluchst mir!" — „Du hast," sagte der Arme, „Dich scheinbar über mich erbarmt, in Wahrheit mich aber zu den Tobten geworfen; denn nur die Todten sind es, denen alle Hoffnung von dieser Welt abgeschnitten ist> Gehe!" — Er ließ hierauf den Kopf matt zur Erde sinken und würdigte den Mann mit seinem Gelde keines Blickes mehr. „Wenn dem so ist," sagte jetzt dieser zu sich, indem er langsam fortging, „so solle« auch die im Grabe liegen mein Almosen haben." — Und er that so. Er ging auf der Stelle, obgleich es schon dunkelte, nach dem Friedhof, nahm die Rolle Geld und vergrub sie bei einem Grabe und sprach: „Da, Du todter Mensch da unten! da hast Du hundert Gulden, nimm und behalte sie! Du hast gewiß keinen Theil mehr an den Gütern dieser Welt." — Da war es ihm, als hörte er eine Stimme aus dem Grabe: „Ich will sie Dir aufheben." — Voll innsrn Schauers eilte der Kauz nach Hause. Schon waren seitdem mehrere Jahre verflossen, da begab es sich, daß der reiche Mann durch mancherlei Unglücksfälle immer mehr zurückbam und endlich so arm wurde, daß er von Ort zu Ort, von Thürs zu Thüre betteln mußten Jetzt, als er vov fv mancher Thüre hart und herzlos abgewiesen wurde, dachte er freilich daran, wie so oft er in den Tagen seines Reichlhums es nicht bester gemacht habe. Endlich, vor Alter, Mangel und Kummer niedergebeugt, gedachte er auch der Rolle Geldes, die er einst den Todten gegeben. „Ach," seufzte er, „jetzt bin ich selbst aller Hoffnung bar, jetzt könnte ich selbst das Gew in meiner Noth brauchen!" — Und er schleppte sich bettelnd zurück nach feiner Heimath, wo er seit Jahren nicht gewesen: und ging hin auf' den Friedhof und fing an zu graben. Da wurde, er von. den Wächter»