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Der Israelit · 1866-06-27 · Heft 26 (27.6.1866) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 26 (27.6.1866)
Date
1866-06-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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453 selk" so sehr darnieder, daß man kaum noch etwas vom jüdischen Leben in den größeren Handelsplätzen gewahre. Um also viele daran zu verhindern -iLnn zu sein, reproduziren wir den humoristischen Bericht aus der Metropole der westlichen Halbkugel: „Bemitleiden Sie uns; wir die Einwohner GothamS *), die Israeliten New-Yorks haben in den letzten Wochen unsäglich viel gelitten. Weder an Geist noch am Körper haben wir gelitten, noch sind uns pecuniäre Rechte vorenthalten worden. Wir genießen, ich bin glücklich, es sagen zu können, olle Rechte amerikanischer Bürger. Nichts, gar nichts gebricht uns in dieser Beziehung. Unsere Roth ist ganz eigener Art, die Ursache derselben ist — Peßach. der Gegenstand — Mazzothnoth. Was haben wir Nicht alles erduldet, uns in den Besitz dieses stark begehrten Brodes zu setzen! fragen Sie nur diejenigen, die 100 bis 250"/« über den Originalpreis für die Deckung ihres Bedarfes bezahlt haben. Fragen Sie die Hunderte, die verurtheilt waren, in langen Reihen rin:«' stundenlang warten zu müssen, bis die Reihe an sie kam, wo sie die Mazzoth, heiß vom Ofen weg in Empfang nehmen konnten. Fragen Sie endlich diejenigen, die sich durckaus keine Mazzoth verschaffen konnten und Peßach nur der Idee nach feiern konnten, da ihnen die Realität dieser Feier eine Unmöglichkeit war Alle werden Ihnen antworten, so wie ich es auch thue, der Peßach 1866 war in New Hork sehr schlecht mit Mazzoth versehen. Voriges Jahr war der Vorrath größer als der Bedarf, worauf dieselben von 15 auf 3 Procent fielen. Dieses Jahr jedoch, waren die Bestellungen so zahlreich, daß dieselben von 8 zu 25 Procent stiegen, und noch viele froh waren, wenn sie dieses ungesäuerte Brod für diesen hohen Preis erhalten konnten. Ich war vor einigen Tagen in einer Mazzoth-Bäckerei anwesend und während der Stunde meines Aufenthalts wurden Hunderte von Auftraggebern abgewiesen, weil es dem Bäcker nicht möglich war, die Bestellungen zu effectuiren. Einige bettelten förmlich darum, andere wiederum boten jeden möglichen Preis für das Gewünschte, ohne daß ihrem Wunsche willfahren werden konnte; die einzige Hoffnung, die ihnen geblieben, war die, daß sie der Bäckereibesitzer auf ein nochmaliges Vorkommen des anderen Tages vertröstete. An einem Platze in der Houstonstraße stürmte die Menge fast die Bäckerei, Flüche und Verwünschungen wurden gegen den Mazzothverkäufer laut, weil er nicht Allm genug liefern konnte. Tag und Nacht knarren die Maschinenräder, *) Ein Spitzname der Stadt New-Hort. Eigentlich der Name eines Ortes in der Grafschaft Nottingham in England; ungefähr gleichbedeutend mit Schilda, Krähwinkel. Der Anglo- Amerikaner sagt mit „a WILL man ok Ootbsm*' soviel als der Deutsche mit : „"in Krähwinkler". und dennoch find ganze Familien unversorgt. Ein Spaßvogel erstattete dieser Tage folgenden Bericht: „Gold 27, Mazzoth 30 und dennoch find die Actien der Letzteren in fortwährendem Steigen begriffen." Gebe Gott, daß sich solche Gesinnung immer mehr kräftige und uns aus der neuen Welt bald neues Leben in Religiosität immer heroortretender entgegen leuchte. SingSiug. Der New Dorker Correspondent des „Hebrew" erzählt von dem Peßachfeste in dem benannten Gefängnisse: Durch den Einfluß der Herren Cohnstamm und Or. Löwenthal, ist die Erlaubniß erlangt worden, die gefangenen Israeliten für die Dauer des Peßachfestes mit Mazzoth zu versehen. Demzufolge haben hiesige Gemeinden Mazzoth, Gemüse und andere Speisen für die Gefangenen gespendet. Jüngsten Freitag Abend wurde von dm Gefangenen der Sedar in Gegenwart der Gefängnißbeamten und vieler Anderer gegeben. Es ist dieses eine der interessantesten Episoden aus dem Gefängnißleben, und noch ein anderer Beweis für dis immense Einwirkung, die unsere religiösen Feste auf die Herzen der Israeliten ausüben. Selbst der Verbrecher hat Respect vor den altehrwürdigen Ceremonim des Judenthums^ Brasilien. Rio de I rneiro. (Privatmittherlung.) Hier wohnen ungefähr 1000 Individuen israelitischen Stammes und Glaubens, die größtentheils von Geburt Deutsche und Franzosen sind; kein einigendes Band, keine einzige Gemeindeinstitution hält die Einzelnen zusammen. Es existirt kein Schochet, kein Mohul, kein Rabbiner, kein Vorsänger, keine Synagoge, kein jüdischer Friedhof hier; nur für die zwei Neujahrstage und das Versöhnungsfest wird alljährlich ein großer Saal um 1000 Francs gemiethet, der jedoch nach hiesiger Landessitte mit zahlreichen Statuen verziert ist, so daß die Betenden vor diesen sich zu verneigen scheinen. In Fernambuco sind dieselben haarsträubenden Zustände. Gott bessere es! Feuilleton. Wer hat keine Hoffnung mehr?*) Es war einmal ein reicher Mann, der konnte sich nie entschließen, ein Almosen zu geben, und wenn *) Aus Tendlau's Fellrneiers Abende." Mehajesch. 15, b. — MLase-Buch cap. 189. — Simchath Nephesch S. 21.

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