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Der Israelit · 1866-06-13 · Heft 24 (13.6.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 24 (13.6.1866)
Date
1866-06-13
Page
– (sequence 14)
Language
German
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4?L> Hilft unsere Hoffnungen vollständig verwirklicht sehen werden. Me Anwesenden stimmten ei» mit: Ameu. A f T i -k -ll^ier Ein ungeheurer Heuschreckenschwanm hat fast die ganze Colonie heimgesucht, und die Saaten und Baumfelder arg mitgenommen. Die „Opinion Nationale" enthält über dieses Ereigniß einen Brief, in dem gesagt wird, daß das Auftreten der Heuschrecken selbst bis in geringfügigsten Details den Beschreibungen der Heuschrecken in Egypten gleicht. Die „Arch. Jsr." schreiben Folgendes, das wir zwar wiedergeben, ohne daß wir jedoch für die Wahrheit desselben einstehen wollen: Muselmänner und Juden glaubten ehemals auf den Flügeln der Heuschrecken hebräische Charaktere zu finden. Nach General Daumas erzählt Ben Omar, daß Mohamet eines Tages das Folgende in hebräischen Characteren auf den Flügeln einer Heuschrecke gelesen. „Wir sind die Heerschaaren des größten Gottes; eine jede von uns legt neun und neunzig Eier und wir sind so zahlreich, daß wenn wir hundert legten, die ganze Welt zerstört werden würde." Darauf rief der Prophet erschreckt aus: „O mein Gott, vernichte ihre Brut, tödte ihre Anführer, schließe ihren Mund, um ihren Zähnen die Nahrung der Muselmänner zu entziehen, Du, der Du die Gebete Deiner Geschöpfe erhörest." Auf Dieses hin sei der Engel Gabriel erschienen und habe ihm gesagt: „Gott hat Dir einen Theil Deiner Wünsche bewilligt." Im Jahre t690 waren die Heuschrecken in Polen und Lithauen gleichsam in drei Armeecorps an drei verschiedenen Stellen erschienen. An einigen Stellen, wo die Einen üler den Anderen gestorben waren, lagen sie manchmal in Schichten von 4 Fuß Höhe. Die Lebenden setzten sich oft in so großer Anzahl auf Bäume, daß ihr Gewicht die stärksten Aeste abbrach. Auch da glaubte das Volk hebräische Lettern auf ihren Flügeln zu bemerken. Ein Rabbiner will sogar die Worte der Zorn des Ewigen, darauf bemerkt haben. Brasilien. Pernsmbrrco. Am 18. März d. I. ist zu Pernambuco ein jüdischer Verein gegründet worden, dessen Statuten uns nur solche Zwecke vor Augen führen, die vom jüdischen Geiste getragen, das reinste non bekunden. Vor allen Dingen unterstützt dieser Verein Bedürftige auf die edelste Art und Weise. Kranke werden besonders auf Vereinskosten verpflegt und werden ihnen ärztliche Hrlfe wie Medikamente gratis verabreicht. Bei dem Sterbefall ^1.n> eines Mitgliedes müssen alle in der Stadt Anwesenden den Leichenzug bereiten. Der Verein Übermacht der Alliance Jsraelite Universelle M Paris jährlich die Summe von 200 Srcs. unb hat für Herr Auflösungsfall sämmtliches Beremsvermögen der „Alliance" verschrieben. Feuilleton. Die erste jüdische Golonie;u Worms.*) Unter den römischen Truppen, welche Jerusalem zerstörten, befand sich auch ein Herr von Dalberg, **) dessen Stammschloß in Hernsheim bei Worms noch heute von den Nachkommen bewohnt wird. — Freilich ist dasselbe im Laufe der Zeit nach und nach umgebaut, vergrößert und verschönert^ doch für das Folgende ist der Ort genügend, da die Sage sich nicht an das Schloß und dessen Schicksale bindet. Obengenannter Dalberg war Centurio und empfing als Beuteantheil nach dem Sturme eine Anzahl jüdischer Gefangenen, welche er nach seiner Heimath verbringen ließ, daß sie sich daselbst ansiedelten. Es waren dieses die ersten Juden in Deutschland. Schmerzlich war der Abschied der durch das leidige Kriegsunglück ihrer Habe und Heimath Beraubten. — Um jedoch nicht allen Erinnerungen an letztere entbehren zu müssen, füllten sie in frommer Verehrung Säcke mit Erde und nahmen diese als heilige Reliquien in die Fremde mit, auf daß nach ihrem Tode die Heimatherde wenigstens ihren Leib aufnehme. Unter den Fortgeführten zeichnete sich ein Greis aus, der an der Hand seiner lieblichen und in reiner Unschuld strahlenden Tochter in die traurige Fremde wankte. — Er war ein weiser Mann, von starkem Gottvertrauen, und er, wie seine Tochter, flößten mit Rath und Thal den jammernden Glaubensgenossen neuen Muth und Hoffnung ein, durch Hinweisung auf die Allmacht Gottes. Einen schöneren Gegensatz, als den Greis an der Hand der Jungfrau, konnte man sich nicht denken; es war. als wandle der gereifte Herbst an der Hand des keimenden Frühlings, und so ehrfurchterweckend war die heitere Ruhe, die Beide umgab, daß selbst die Kriegsknechte während der langen Fahrt freundlicher wurden und ihre rohen Scherze zurückhieiten. *) Aus A. H. Bernhard's „Rheinsagen." **) Vergleiche „Israelit" VH. Jahrg. Nr. 2.

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