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Der Israelit · 1866-06-13 · Heft 24 (13.6.1866) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 24 (13.6.1866)
Date
1866-06-13
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nicht lange nach der Ankunft der Juden in Worms traf Dalberg eI-rPLsl MMIsis «nr, um Lch seinem Stammgute sich soük Äess SKnpchtrl des Mischen Krieges zu erholen. — Bei dieser Gelegenheit kamen die Nachbarn und Freunde, um feine Erlebnisse und diejenigen des Heeres aus seinem Munde zu vernehmen, und Jagden, Bankette und Unterhaltungen aller Art wechselten im reichen Kranze ab. Unter den Gästen, welche sich am häufigsten auf dem Schlöffe des Centurio bemerklich machten, war em römischer Kriegsmann, der einer in Mainz zur Gränzwacht gegen die Deutschen stationivten Cohorte zugetheilt, reich und angesehen und mit Dalberg schon seit längerer Zeit innigft befreundet war. » Er war ein Lebemann erster Klaffe und sah nicht sobald die schöne und durch das Kriegsunglück Interesse erwocknds Jüdin, als er auch sofort überlegte, wie er am besten in ihren Besitz sich setzen könne. Sie Dalberg abzukaufen, ging nicht an, da derselbe hiervon nichts wissen wollte. Ein Mittel blieb ihm nur, sie zu entführen, und er hatte kaum daran gedacht, als er auch schon entschlossen war, es anzuwenden. In der Nähe von Mainz in einem dichten Forste versteckt, bereitete er einen Zufluchtsort, ritt dann gegen Worms, wo er unerkannt der Jungfrau nachspähte, und als sie einmal Wasser schöpfte, sie ergriff und trotz ihres Sträubens, mit ihr auf das Pferd sprang und davon jagte. Nichts sparte der Römer, um das Mädchen sich geneigt zu machen. Zärtliche Worte und prächtige Geschenke wechselten ab, aber nichts konnte sie veranlassen, von dem Pfade der Tugend abzuweichen, und immer mehr und mehr härmte sie sich in Sehnsucht nach ihrem Vater ab. Der Römer, den des Mädchens Starrsinn, wie er es nannte, endlich anfing ungeduldig zu machen und der auch von den Nachforschungen wußte, die man nach der Entführten anstellte, beschloß eines Abends, in Güte oder mit Gewalt zum Ziele zu kommen. Aus eiWL lustigen Baechaualie, die er mit einigen Freunden,-efeßevt hatttz, eilte er weinselig zu seiner H'esicmgeneN' uikd-ßsyaivvrmÄlvr seine Lockungen, die aber ebenso wie alle anderen zurückgewiesen wurden. „Du entgehst mir doch nicht, kleine Spröde", lachte er, aufgeregt vorrWein mck Leidenschaft, haschte sie und suchte ihre Lippen mit seinen Küssen zu. bedecken; das Mädchen aber entrang sich ihm und als er immer mehr und mehr aufgeregt sie zu bestürmen fortfuhr, wobei seine Leidenschaft sich drohend erhitzte, warf sie sich auf Re Knie und rief Gott zum Schutze an. „Zum Orkus mit deinem .... — rief dev Römer. — Mein mußt du sein und sollte der Himmel brechen." Er warf sich hierbei auf die Widerstandslose und wollte eben mit rohen Händen sie ergreifen, als unter grollendem. Getöse ein flammender Stein niederstürzte und ihn tödtlich traf. Das Mädchen war gerettet, doch als sie das Werkzeug der Rettung staunend ansehen wollte, strahlten ihr von demselben die Züge des heiligen Gottesnamen in so herrlichem Glanze entgegen, daß sie erblindete. Dalberg und ihr Vater fanden erlich dis erblindete, aber durch die Prüfung nur noch lieblicher gewordene Jungfrau, und als man aus ihrem Munde den Sachverhalt vernahm, staunten sie und schauten den Sl2« voll Erfurcht an, in dem der heilige Gottesname in hebräischer Sprache eingegraben stand, aber ohne den Glanz, der das Mädchen geblendet hatte. Die Geprüfte und ihr greiser Vater starben wenige Monden nach diesem Vorfälle kurz nach einander. Sie waren die Ersten, welche in den heimathlichen Boden bestattet wurden. Dev Stckn aber soll später die Decke dev Synagoge m Worms geschmückt haben. Bemerkenswerth ist, daß noch heute auf der Begräbnißstätte der Juden in Worms ein Platz vorhanden ist, an dem die aus Juda mitgebrachte Erde aufgeschüttet sein soll. T H L L I « « M. hiesige israelitische Gemeinde sucht zu Michaelis dieses Jahres einen, vom Landesrabbinat zu approbirenden, unverheiratheten Religionslehrer, Vorbeter und Schächter. Jährlicher Gehalt bei freier Wohnung dreihundert Thaler Fixum, außerdem 60 — 70 Thaler für Schechita. Qualificirte Bewerber wollen sich unter portofreier Einreichung ihrer Zeugnisse baldigst bei uns melden. Stavenhagen (Mecklenburg-Schwerin) Mai 1866. Der Vorstand.

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