Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1866)
- Date
- 1866-06-13
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447263--04281-2459726- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
rufene sogenannte „Beth Hamidrasch" ist nicht mehr neu und zieht nicht mehr an. Er tritt daher nun mit einem nagelneuen Projekte hervor, nämlich mit der Kreirung eines jüdischen — Feldpaterinstituts. — Welche Nachahmung, welche Nachäffung des Christenthums! Wozu ein jüdischer Feldpater? Beim Juden stirbt man und wird man selig auch ohne — geistlichen Beistand. Um nach dem Tode selig zu werden, braucht man im Leben blos „frommer Jude" gewesen zu sein. — Für dürfte auf dem Schlachtfelde kaum Terrain gefunden werden, da der jüdische Feldpater selbst sich wahrscheinlich mit einer trefenen Küche begnügen müßte. — Es ist uns auch kein Verspiel *) bekannt, daß irgendwo dem jüdischen Heere ein „Feldpater" beigegeben worden wäre, da ein solcher vom jüdischen Standpunkte aus — um mit Veßprim zu sprechen — ein Luxusartikel wäre. Im Jahre 1848 soll zwar, Herr Löw, dazumal noch Rabbiner in Papa, das Amt eines Feldpaters (?) bekleidet haben. Ihr Correspondent „aus der Nyir" der im „Israelit" als Panegyriker des „Jzraelita Közlöny" aufgetreten, scheint mit der ungarischen Sprache nicht auf sonderlich intimem Fuße zu stehen. Hätte derselbe den Inhalt des I. K. bester verstanden und seine Tendenz richtiger aufgefaßt, er würde sich wohl gehütet haben, das Lob desselben auf öffentlichem Markte auszuposaunen. Redlich scheint es Ihr Korrespondent allerdings gemeint zu haben, nur sollte man über nichts urtheilen, das man nicht vorher selbst gründlich geprüft. Ueberdies hat der I. K. mit seinen 2 Nummern seine Carriere glücklich beendet. Frankreich. Paris? Die französische Compagnie -für Rettung Schiffbrüchiger hat Herrn I. Carvallo ein bleibendes Denkmal in den ^rmalss äu sauvetüA« maritime errichtet. Bei dieser Gelegenheit wurde Herr Carvallo zu den ersten Begründern dieser Gesellschaft gezählt. Dieser ausgezeichnete Ingenieur hat in einer sehr gründlichen Abhandlung ein ganz neues Verfahren vorgeschlagen, das allgemeine Anerkennung findet. Hauptsächlich ist dasselbe auf die Hebung gestrandeter Fahrzeuge aus großer Tiefe berechnet, und auf die Art und Weise, wie die bei solchen Vorfällen gefährdeten Menschenleben zu retten sind. England. London. (Sir Moses Montefiore im Bethhamidrasch zu London.) Es ist an sich nichts Außer¬ *) Anm. der Red.: Es ist nicht zu verkennen, daß es gu wäre, wenn für die circa 30,000 jütischen Soldaten, die gegenwärtig, um für Kaiser und Vaterland zu kämpfen, unter den Waffen stehen, auch in religiös r Beziehung besser gesorgt wäre; wir haben uns schon vor Jahren — leider ohne Erfolg — darum bemüht. gewöhnliches, nichtbesonders BemerkenSwertheS, wenn man einen frommen, echten Juden im Beth-hamidrasch sieht, und doch wird es wohl Niemand leugnen, daß die Anwesenheit des Sir Moses Montefiore im Bethhamidrasch zu London registrirt zu werden verdient. Wenn Strafen publicirt werden ix-w ipso' spvb, warum sollten es nicht auch edle Handlungen, damit sie aus das Herz der Menschen belehrend und anregend wirken können? Montag Abends, p'O ,"o d"sr, schloß nämlich die hiesige nivI' rwOQ dem cv'O folgte nach echt jüdischer Sitte eine r>-iipO. Sir Moses Montefiore, als Förderer aller edlen Regungen und Bestrebungen im Judenthume, war eingeladen. Er folgte der Einladung und nahm an der Feier innigen Antheil, was sich sowohl in seinen Reden als auch in der Heiterkeit, seines Gesichtes offenbarte. Da rvQ2' mit ONw schließt, fand Herr Or. Adler Veranlassung, den Frieden zum Thema eines kleinen Vortrages zu nehmen und sprach über die Bedeutung des Friedens in den vier verschiedenen Verhältnissen, in weichender Mensch sich befinden kann; in seinem Verhältniß zu Gott, in seinem Verhältniß zu seinen Nebenmenschen im Allgemeinen, im Verhältniß zu seiner Ehehälfte im Besonderen und endlich in seinem Verhältnisse zu seinem wahren Selbst, zu seiner (L>eele. Nachdem Or. Adler die üblichen Gebete und den Anfang der neuen nrOvv vorgetragen, folgte das von Frau vr. Adler veranstaltete Festessen. Von den verschiedenen Toasten, die dem Oöerrabbiner Herrn vr. Adler, der Frau vr. Adler, der den'iviv und Sir Moses Montefiore gebracht wurden, verdient der des Sir Moses M. besonders hervorgehoben zu werden, da er von allgemeinem Interesse ist. Er sprach unter Anderm über den wohlthätigen Einfluß, den die Theilnahme an religiösen Handlungen auf ihn selbst habe, wie diese ein Gegengewicht bilde zu seinem schweren häuslichen Kummer, der ihn ohne jene Theilnahme ganz niedergebeugt hätte. An diese Betrachtung knüpfte er einige sehr wichtige Bemerkungen über seine Erfahrungen in Jerusalem. Er habe zu seiner großen Freude bei seinem jedesmaligen Besuche einen Fortschritt in der Verbesserung der Lage der Jud.n wahrgenommen; er habe sich selber überzeugt, daß die Vorwürfe, die -von Judenfeinden so gern verbreitet werden, als wären die Juden Jerusalems faul und arbeitsscheu, vollständig unbegründet seien; daß die Juden in Jerusalem vielmehr nicht nur thätig und arbeitsam, sondern auch tüchtig in Ihrem Fache seien; daß man nach einem jüdischen Handwerker schicke, wenn man einen besonders guten haben will. Auch die Behörden daselbst haben sich in dieser Beziehung sehr lobend über die Juden ausgesprochen. Erhoffe, daß die Verbesserung ihrer Lage in stetem Fortschritte bleibe, bis wir mit göttlicher