Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1866)
- Date
- 1866-06-13
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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"Beiläge z« Nr. 24 des Israelit. Leitewder Artikel. Erwiderungen auf verschiedene das Religionsgesetzliche oder die Tradition überhaupt betreffende reformistische Gutachten von vr. Israel ffiläesdeinier. Im Jahrgange 5623 habe ich in diesen Blättern unter dieser Überschrift eine Anzahl von Aufsätzen veröffentlicht; seit der Zeit fand ich noch nicht Gelegenheit, dieselben fortzusetzen, da mir die Zeitschriften, in denen sicherlich Stoff genug hierzu geboten, nicht zu Gesichte kommen. Mit Hrn. Fasse! hatte ich in Nr. 45 und 46 jenes Jahrganges eine Controverse über die Zulassung zur Zeugenschaft nach unserem Ritualcodex. Es schmerzt mich, dasselbe Geschäft heute wiederholen zu müssen. Durch die Güte eines meiner Freunde erhielt ich nämlich dieser Tage eine Broschüre: „Die Zulässigkeit zur Zeugenaussage und zur Eidesablegung nach mosaisch-rabbinischem Rechte, mit Rücksicht auf die religiösen Zustände unserer Zeit, bearbeitet von I. Toneles Handl, autor. Rabbiner." Wir sind dem Verfasser vor einigen Jahren schon einmal begegnet, als er es unternahm, als Trabant des dort in der Vorrede der Schrift verhimmelten Jellinek, den modernen Synagogengötzendienst aus v'pOisi v"V zu glorificiren, worauf ihm vom ehrwürdigen Herrn M. C. Kahn, Rabbinatsassessor in Nikolsburg, in einer trefflichen Broschüre seine ganze Blöße und Leere gezeigt wurde. Heute liegt eine zweite Broschüre H's vor, eine unter dem Deckmantel von purer?i8->' re. rc. edirte zweite vermehrte Auflage des bekannten Fassel'schen kategorischen Imperatives, „wenn auch O'pOiv, Nein sagten, so sage ich doch heute Ja." Hierin gipfelte Fassel's Gutachten; dies ist ebenso der Refrain Handelns; den Beweis dafür werden wir nicht schuldig bleiben. Für jetzt nur etwas über die Verschiedenheit der Form bei der vorigen und der jetzigen Broschüre und zwar der äußern und (gleichsam) der Innern. Erstere betreffend, so ist die oben erwähnte in Großquart und auf Velinpapier gedruckt, echt aristokratisch; die gegenwärtige einfach Octav, demokratischer und populärer. Sollte die schöne Ausstattung der früheren nicht wieder eingebracht worden sein? wir fürchten, es wird mit der gegenwärtigen, trotz der größeren Oekonomie, nicht besser gehen. Was die mehr innere betrifft, so hat der Verfasser seine Broschüre damals nur einfach gedruckt, nämlich hebräisch, wohl in der Hoffnung, daß die jüdischen Gelehrten, insbesondere Rabbinen rc., sich ihr zuwenden werden, und er auf die „Laien" gar nicht zu speculiren brauche. Diesmal aber hat er seine Enthüllungen zweifach gedruckt, einmal für Gelehrte, hebräisch (rechts), dann noch einmal für die Laien, deutsch (links -U22- ->L?w?). Letzterer Theil enthält einen kurzen Auszug aus ersterem, jedoch vermehrt durch etwas Schimpferei, Friedlieberei rc. rc. Für die Sache selbst nehmen wir im Folgenden die hebräische, ausführlichere Abhandlung zum Vorwurfe, und wollen hier nur einige Streiflichter auf die Salbadereien des Verfassers werfen. Verfasser beginnt mit dem Verse: '2i und zitirt ein langes Citat, freie Uebersetzung der Stelle, nach welcher zu jeder Zeit, wenn Zerklüftung rc. um sich griffen, immer freimüthige Männer auftraten .... die das höchste Lob Gottes und alle seine Segnungen dem Volke verkündeten, die sich selber zu keiner religiösen Fraction bekannten und außerhalb aller Partei standen; aber dennoch nicht ängstlich zurückwichen, wenn sie von Parteigängern angefeindet wurden." Nun ich weiß nicht, welchem tendenziösen „Schriftsteller" dieser Passus, von dem Deborah nur Weniges gesungen und gesungen hätte, entlehnt wurde; gewiß ist es Jellinek (dem ein so begeisterter Schüler - conf. M'2 Einleitung — etwas ONO entlehnen darf, vgl. 4or. äsa 242, 24 und i"v und das.). Wir aber, die wir durch keinerlei Pietätsverhältniß an Jel. oder irgend einen, der so etwas denkt oder gar druckt, gefesselt sind, sagen frei und entschieden: 4. Wer zur Zeit der Zerklüftung rc., sich „zu keiner religiösen Fraction bekennt und außerhalb aller Partei steht," ist feige, bequem, gesinnungslos, jedenfalls für die Entwickelung der Zeitfragen bedeutungslos. Solche Haltung hat nur eine Empfehlung, nämlich die der außerordentlichen Bequemlichkeit. 2. Wer, obgleich sich zu keiner Fraction bekennend, dennoch „nicht ängstlich zurückweicht, wenn er von Parteigängern angegriffen wird, der vertheidigt eben nur das liebe „Ich", um die Verhätschelung dieses lieben „Ich", und überhaupt das: deatus ills qui prooul usKotiis werden die Jchmänner von den Parteigängern durchaus nicht beneidet, zumal letztere es ebenso gut haben könnten, wenn sie wollten, besser: dürften. — Verfasser fährt fort: In einer Zeit .... wo sich eine Partei, die sich die rechtgläubige nennt, den Weg absperrt, damit die Andern ihr ganz unzugänglich bleiben müssen, indem sie alles Lichtes scheu, sich in ihre eamera odsoura einschließt, auf daß ja kein Strahl der Aufklärung zu ihr dringe und des fortschreitenden Geistes Licht unter ihren Mitgliedern nicht zünden möge; in einer Zeit, in welcher sich der unbefangene, wahrheitsliebende Gottesgelehrte ängstigen muß, das freie Wort