Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1866)
- Date
- 1866-06-13
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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413 Afrika. Tunis Dem „Libanon" wird von hier geschrieben: Unlängst wurde hier ein neuer Ober-Polizei Direktor, Namens Sid Salm Parik, angeftellk, der sich von seinen Vorgängern durch seine große Toleranz und Gerechtigkeitsliebe auszeichnet. So kam am nvs Herr Simon Garsin zu ihm und ersuchte ihn, die fünf israelitischen Schuldgefangenen wenigstens für die Dauer des Peßachfestes freizugeben. Auf dieses Gesuch erwiederte der Hochherzige: „Die Hälfte ihrer Schuld will ich bezahlen", worauf Herr Garsin die noch fehlende andere Hälfte auszahlte. So warm denn die Armen ganz und gar auf freiem Fuße. Nicht allein den Lebenven erzeigt dieser Edle viele Wohlthaten, sondern auch für die Todten ist er sehr muthig eingestanden. Vor ungefähr sechzig Jahren wurden nämlich durch rohe Araber die Leichensteine r>i22v auf dem hiesigen Begräbnißplatze gewaltsam entfernt und die Gräber geschändet. Nur an einige Gräber wagten diese Unmenschen nicht Hand anzulegen. Es sind dieses Gräber jüdischer Rabbinen von universellem Rufe als des ^1122 P.12W.1 21.1 des Verfassers des prm' N':? und des 22.1 pr>2' -^"1.-122 des Verfassers Pki2' P21 und anderer Celebritäten, deren Gräber unbegreiflicher Weise noch ganz unversehrt sind, während der sonstige Begräbnißplatz gänzlich zu Saatfeldern umgewandelt wurde, deren Miethzins der Kaaba zu Mecka zu Gute kömmt. Wie schwer es ist, solchen Inhabern das seit sechs Dezennien innegehabte Territorium wieder wegzunehmen, läßt sich leicht denken. Dennoch hat der humane Ober-Polizeidirector unseren Glaubensgenossen die Versicherung gegeben, daß sobald die jetzige Saat geerntet sein wird, der Platz den Juden wieder zur freien Verfügung gestellt werde. Auf sein Betreiben haben auch andere Beamte diesem Beschlüsse zugestimmt. Der Gott Israels, der alles Gute belohnt, wird sicher auch den edlen Mohamedaner reichlich für die Wohlthaten belohnen, die er den Lebenden und Todten aus dem Hause Israel erzeigt. Feuilleton. Mr es haben soll, -er beksmmt's. *) Nicht weit von Jerusalem wohnte einmal ein sehr reicher, geiziger Mann. Zu diesem kam einst ein *) Aus Tendlau's „Fellmeier's Abende." — Maäse-Buch C. 203. bedrängter Man», brachte ein Pfand und bat den reichen Mann, ihm hundert Gulden auf sein Pfand zu leihen. Nachdem der Geizhals das Pfand schweigend und sorgfältig geprüft, ob es auch hundert Gulden und noch mehr werth fei, und nachdem er auch die Interessen, die der Arme ihm zu geben habe, sich ausbedungen hatte, sagte er zu seiner Frau: „Geh hinauf in die Stube und hole hundert Gulden aus der Kiste." Die Frau ging hinauf. Aber als sie die Kiste aufmachte und das Geld herausnehmen wollte, da rief eine Stimme aus der Kiste heraus: „Laß liegen das Geld in Ruh! Dir kommt es nimmer zu." Die Frau erschrak seor, als sie die Stimme hörte; sie eilte hinab zu ihrem Manne, sagte, was ihr widerfahren, und bat ihn, selbst hinaufzugehen- und das Geld zu Holm. Der Mann sagte: „Du bist eine Närrin!" und ging selbst hinauf. Doch auch ihm schrie, als er in die Kiste griff, die Stimme entgegen: .Latz es liegen in seiner Ruh'. Nimmer kommt das Geld Dir zu." Der Mann erschrak nicht weniger. Er faßte sich indeß und sprach: „Wenn das Geld nicht mein ist, so laß mich wissen, wem es gehört." Da antwortete ihm die Stimme: „So Du es denn wissen willst, Wem das Geld gehört Wisse, daß es Gabriel Ward von Gott beschert. Gabriel, dem guten Mann, Drechsler in Jerusalem, Gott und Menschen angenehm, Gabriel gehört es an." Da dachte der Mann: „Wenn das Geld nicht mehr mein ist, so will ich es auch nicht haben; aber auch kein Anderer soll es haben." Und er ging hin und nahm alles Geld, das er halte, alles Silber und Gold und alle Edelsteine und Kostbarkeiten, die er besaß, machte ein Loch in einen Baum, der in seinem Garten stand, legte Alles hinein und machte dann das Loch wieder sorgfältig zu und fand sich ruhig in sein Geschick. Nach einiger Zeit begab es sich, daß ein mächtiges Gewässer hereinbrach und viele Häuser und Bäume hinwegschwemmte, und auch der Baum, der des Mannes ganzen Reichthum enthielt, ward von der Flutb entwurzelt und fortgeflößt. Ein Fischer aber sah den schönen Baum treiben, fing ihn auf und brachte ihn in sein Haus. „Das ist ein hübscher Baum," sagte der Fischer, „den kann ich gut an dm Mann bringen." Den nächsten Fre>tag, als der Fischer! auf dem Markte zu Jerusalem seine Fische feil bot, i kam auch der Drechsler Gabriel auf den Markt, um! Fische zu kaufen. Ta gedachte der Fischer sogleich des! Baumes, den er ausgefangen, und er sprach zu dem