Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 24 (13.6.1866)
- Date
- 1866-06-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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412 eS sich daher zur würdigen Aufgabe, dieses Uebel nach Möglichkeit zu befestigen und den religiösen Sinn unserer Jugend zu erwecken. Die Lehrer der Schule find solche Männer, welche, um diesen großen und edlen Zweck zu erreichen, sowohl ein ausgebreitetes Wissen als auch den redlichsten Willen haben. Die Schule zählt gegenwärtig über 80 Schüler, welche in 4 Klaffen vertheilt sind; an ihr wirken 4 ständige, und außerdem mehrere Fachlehrer. Ein Lehrer von tiefem Wissen und vorzüglicher Rednerbegabung, Herr Dr. Werner, verließ leider dieser Tage nach kurzem, aber segensreichem Wirken die Anstalt; Rücksichten gegen seine verehrte Mutter, welche sich nach Ihrem früheren Wohnorte Frankfurt a. M. sehnte, war die einzige Veranlassung dazu. Herr vr. Werner gab auch Ln seiner, Sabbat vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft gehaltenen Abschiedsrede dem ihm hier, namentlich seitens des Comitä der Bürgerschule vielfach bewiesenen Wohlwollen die aufrichtigste Anerkennung, und seinem tiefgefühlten Bedauern, aus der Anstalt — höherer Pflichten halber — scheiden zu müssen, den wärmsten Ausdruck. Seine von Herzen gekommenen Worte drangen auch wieder zu Herzen, sämmtliche Anwesende waren sichtlich tief ergriffen über die mit ebenso feuriger Beredsamkeit wie im Sinne echter Religiösität und Menschenliebe gesprochenen Worte, welche manche Thräne entlockten; es wird die von Herrn vr. W. ausgesprochene Bitte, ihn in gutem Andenken zu halten, in Aller Herzen Gewährung finden. Religiöse Vorträge werden auf Anregung des Herrn Menki Zimmer unter Zugrundelegung der betreffenden Sidra alle 14 Tage, Samstag, im Locale der Bürgerschule, abwechselnd von den Herren vr. Auerbach und Or. Bloch, dem Nachfolaer des vr. Werner, gehalten, deren Inhalt hauptsächlich an Erklärung verschiedener Thorastellen anknüpfend, religiöse und sittliche Belehrung bildet, ein Gegenstand, der einem längst gefühlten Bedürfniß Befriedigung gewährt. S. H. Holland. Amsterdam, den 5. Juni. In der Beilage zu Nr. 17 des Israelit wird die Seelenzahl der Israeliten im heiligen Lande vül zu gering angegeben. Nach den Listen des hiesigen CentralcomitL's wohnen im heiligen Lande -2,165 Glaubensgenossen, welche Unterstützung empfangen; auf die einzelnen Gemeinden vertheilt, stellt sich die Seelenzahl folgendermaßen heraus: In Jerusalem: Gemeinde Sephardim 2614 Seelen, Gem. Peruschim 1416, Wolliner 420, Warschauer 317, Oefterreicher 188, Ungarn 150, Gem. Hod - Holland Wedeutschland) 62, im Ganzen Ü149 Seelen. In Hebron: Sephardim 287, Gemeinde Ehabad 430; im Ganzen 717 Seelen. In Zepbat: Sephardim 1813 , Wolliner und Oesterreicher 2382, Gem. Hod: 3, im Ganzen 4198 Seelen. In Liberias: Sephardim 1024, Wolliner 694, Oesterreicher 272, Russen 111; im Ganzen 2101 Seelen. Zu diesen 12,165 Personen kommen noch Diejenigen, welche keine Unterstützung empfangen und deren Zahl nicht eben gering ist. Schweiz. Zürich, den 31. Mai. (Privatmittheilung.) Der hiesige israelitische Cultus - Verein, gegenwärtig 28 Mitglieder zählend, ist schon seit längerer Zeit im Besitze eines eigenen Gottesackers, welcher durch das Ableben einer unserer Glaubensschwestern heute zum erstenmale zweckentsprechend benutzt wurde. Zur Abhaltung einer Leichenrede und Einweihung sfeierlichkeit war der Herr Rabbiner vr. Kaiserling von Lengnau berufen. Der Redner hob unter Anderm hervor, daß, trotzdem wir uns an einer ernsten traurigen Stätte befänden, dennoch freudige Gefühle in uns aufsteigen müssen, wenn wir erwägen, daß an einer Stelle, wo vor circa 400 Jahren die schrecklichste Verfolgungssucht gegen uns herrschte, jetzt die Vorurtheile zu schwinden beginnen und ein Geist der Liebe und der Duldung einziehe! Und wahrlich, wer sollte sich auch nicht zum Danke geaen unfern himmlischen Vater veranlaßt fühlen, darob, daß man jetzt im Juden auch den Menschen ehrt! — Ferner beruhigte der Redner die Anwesenden über das Erbeben und den Schrecken vor einem Gottesacker durch die Erklärung der verschiedenen Benennungen für denselben, indem er bemerkte, nur der rohe Mensch nennt diesen Platz r>'2 der denkende höhere hingegen nennt ihn r>'2 ,O"N r>'2 ein Haus für die Ewigkeit, ein Haus zum neuen Leben! Endlich noch ermahnte der Redner das anwesende jüdische Publikum — es waren nämlich nicht nur Juden, sondern auch eine große Menge aus allen Confessionen zugegen — daß auch sie dahin streben mögen, jedes Vorurtheil und jeden Aberglauben aus ihrer Mitte zu entfernen, um dem wahren Glauben Eingang zu verschaffen. — Gehoben und befriedigt verließ Alles die Ruhestätte. — Oesterreichischer Kaiserstaat. ül Wien, 15 Mai. Die „Israeliten - Spital- Verwaltung" in der Roß au hat dem Generalkommando den Belegraum von 50 Betten für verwundete Krieger, ohne Unterschied der Religion zur Verfügung gestellt.