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Der Israelit · 1866-06-13 · Heft 24 (13.6.1866) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 24 (13.6.1866)
Date
1866-06-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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410 scheidmen Benehmens geliebt. Sie gingen kurz nach einander in die friedlichen Räume der Seligen ein, um mit diesen von ihrer Arbeit auszuruhen und die süßen Früchte ihrer Thatm zu genießen. — 112« 1^2«' o.-i'^O 'is 'S >2 p'-mv. Auch bei Tannenbaums Leichenbegängnis, das am 1. d. M. — gerade an dem nämlichen Tage, an welchem vor zwei Jahren seine 25jährige Amtsthätigkeit in der Gemeinde Wannfried gefeiert wurde*) — stattfand, zeigte sich eben dieselbe allgemeine Theilnahme an dem Heimgange des treuen Lehrers, Freundes und trefflichen Mitbruders. Tannenbaum, im Jahre 1807 zu Mansbach in der Provinz Fulda geboren, bekleidete als angehender Jüngling schon — natürlich in alter Weise — eine Privatlehrerstelle in der kleinen isr. Gemeinde Malsfeld, Kr. Melsungen. Er war dabei auf Vermehrung seiner Kenntnisse stets bedacht, studirte fleißig mit den gangbarsten sowie auch anderen Schriften der rabbinischen Literatur; und um sich für das damals gegründete isr. Seminar zu Cassel vorzubereiten, erhielt er auf sein Ansuchen von dem Pfarrer des Ortes, der dem liebenswürdigen, ebenso lerneifrigen, als talentvollen Jüngling sehr gewogen war, einen erweiterten Unterricht in den deutschen Fächern. Mit guten Kenntnissen ausgerüstet, meldete er sich zur Aufnahme in das Casieler Seminar, die man ihm aber, weil diese Anstalt nur für Nie der Hessen und nicht auch für die anderen 3 Provinzen Kurhessens, da sie nichts zu den Kosten derselben beitragen, vorhanden, nicht gewährt hätte, wenn nicht der damalige Oberlehrer Herr Roienbach s. A, der bei der Receptionsprüfung die gediegenen Kenntnisse und die guten Anlagen Tannenbaums wahrgenommen, ihm die unentgeltliche Aufnahme bewirkt hätte. In dieser Pflanzstätte bildete er sich zu einem tüchtigen Lehrer aus, als welcher er, nach dem am Ende des dreijährigen Kursus bestandenen Examen, für die isr. Gemeinde Spangenberg von Kurfürstlicher Regierung bestellt wurde. Nach neunjähriger erfolgreicher Amtswirksamkeit daselbst, — während welcher Zeit er sich mit einer braven Jungfrau aus seiner Gemeinde verheirathete, — wurde er in Folge seiner Bewerbung nach der Stadt Wannfried versetzt, in welcher Gemeinde er 27 Jahre lang segensreich wirkte, bis ihn der Herr abrief. Von seinen eclatanten Leistungen zeugen die vielen Belobungsschreiben und Gratifikationen, die ihm in Folge der Schulvifitationsberichte von den hohen Behörden geworden. Vom Herrn Kreisrabbiner Wetzlar '"1 zu Gudensberg wurde ihm, als er noch Lehrer in Spangenberg war, der 12N-Titel verliehen. Bei seiner *) Siehe das Referat über dieses Jubiläum im Jahrg. 1864 dieser gesch. Zeitschr. Funktion als pn wurden die Betenden durch seinen ebenso andachtsals klangvollen Bortrag mit ihm zur Andacht gestimmt. Bon seinen 4 Söhnen haben 3 sich dem Berufe des Vaters gewidmet. Leider sind 2 derselben kurze Zeit nach dem Eintritt ins Lehramt, der eine nach 11/2- und der andere nach kaum einjähriger Dienstzeit aus dem Erdenleben geschieden; nur einer noch fungirt als Lehrer im Königreich Hannover; der vierte Sohn ist jetzt im Begriff, sich als Buchbinder zu etabliren, und die einzige Tochter, einige und zwanzig Jahre alt, ist noch bei der Mutter. v'bwii'i H'U 'b2-r i-rr? ^ir>2 vriix OM' OipO.i Westheim. lü München 29. Mai. Herr vr. H. Stein wurde zum Bataillons-Arzt bei der Kommandantschaft der k. Haupt- und Residenz-Stadt München befördert. — Die NaHricht von einer Anstellung des H. Rosenthal (am hiesigen Stadtgerichte) wird von den „Neuesten Nachrichten", welchen sie entnommen, als verfrüht bezeichnet. lH München 22. Mai. Se. Majestät der König haben sich allergnädigst bewogen gefunden, unterm 13. Mai zu genehmigen, daß der von S. Majestät dem Könige von Sachsen zum sächsischen Consul ernannte Banquier Maximilian Willmersdorffer zu München (unser verehrlicher Cultus-Vorstand) in dieser dienstlichen Eigenschaft anerkannt werde. (Nach der Bayr. Ztg.) Regerrsburg, 1. Juni. Das schändliche Treiben der Judenverfolgung, wie es vor Kurzem in Böhmen stattgefunden, scheint sich leider jetzt auch in Bayern einstellen zu wollen. In Laudenbach, Wiesenfeld und Thüngen (Bez.-Amt Karlstadt) ist der Krawall bereits losgegangen. Schon seit 14 Tagen werden den Juden die Fenster eingeworfen, die Läden gesprengt, die Hausdächer demolirt, und wird verdorben, was verdorben werden kann. Trotzdem, daß der Bezirksamtmann eine Mahnung an die betreffenden Gemeinden ergehen ließ, wiederholten sich die Exceffe; mitten in der Nacht, halb angekleidet, flüchteten sich die Juden, namentlich das weibliche Geschlecht, auf Schiffen nach Karlstadt. Es ist sogar Militär nach Laudenbach requirirt worden. Würzbirrg, 1. Juni. Da in jüngster Zeit an einigen Orten des Regierungsbezirkes die öffentliche Ruhe und Sicherheit durch Exceffe an der Person und dem Eigenthume israelitischer Glaubensgenossen in bedauerlicher Weise bedroht und gestört wurde, bringt die k. Kreisregierung zur Kunde, daß sie entschlossen sei, diesem strafwürdigen Treiben mit dem vollen Nachdrucke des Gesetzes entgegenzutreten. Die Distriktspolizeibehörden werden angewiesen, benehmlich mit dm übrigen Sicherheitsorganen dm sicherheitspolizeilichm

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