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Der Israelit · 1866-06-13 · Heft 24 (13.6.1866) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 24 (13.6.1866)
Date
1866-06-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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40S «erden, daß es schon in der frühesten Jugend inne «erde, daß ihm nicht so Wes gestattet ist, wie seinen nichtjüdischen Gespielen. Wohl ist hier die Geistesfähigkeit noch sehr unentwickelt. Dem Kinde Mt in diesem Alter nur das auf, was seine Sinne durch verschiedene Ursachen zu fesseln weiß. Ein hervorstechendes Farbcnspiel, ein Heller, reiner Ton sind im Stande, seine Aufmerksamkeit für einen Moment zu fesseln. Eine Wechselwirkung der Thätigkeiten jedoch ist hier noch nicht möglich. Jede Thätigkeit steht einzeln da, und verschwindet mehr oder weniger, sowie der äußere Impuls dazu verschwindet. Nach der geistigen Fähigkeit muffen aber auch die Zumuthungen beschaffen sein, die die Erziehung zu stellen berechtigt ist. Nicht kann dem Kinde durch Vernunftgründc die Erfüllung oder Vas Unterlasten Dieses oder Jenes beigebracht werden. Noch ist das Kind nicht in dem Alter, daß sich Vorstellungsreihen, Gemüthsstimmungen, Gewohnheiten und Neigungen hätten bilden können. Durch äußere Erregungsmittel also, die dem Kinde zugänglich sind, muß es veranlaßt werden, sich mit dem Zizitzgewande zu bekleiden, beim Genüsse der Speisen dem göttlichen Vater zu danken. Es ist diese Zeit die Unterrichtsstufe für , für das Anschauliche, in's Auge fallende r<p. Allmählich erweitert sich der Gesichtskreis des jungen Weltbürgers. Die einmal gefaßten Eindrücke haben, wenn sie nicht wiederholt vor das geistige Auge geführt werden, immer noch nicht genug festen Fuß gefaßt, daß sie als bleibendes Eigenthum betrachtet werden können. Nun beginnt es im Geiste zu dämmern. Es bilden sich feste Vorstellungen, Gewöhnungen und Fertigkeiten, der Mechanismus, das Herkommen, die Tradition. Diese Periode der sich immer mehr bildenden festeren Stimmungen des Gemüthes darf der Erzieher nicht verloren gehen lasten. Nach und nach müssen sich, jedoch stufenmäßig, die Anforderungen vermehren, die an den Zögling gestellt werden dürfen. Es ist dieses die Zeit des der Einweihung. Noch braucht der junge Israelit nicht den ganzen Jom Kippur zu fasten, doch wird er für einige Stunden an die Enthaltsamkeit sonst erlaubter Genüsse gewöhnt. Durch Wiederholung und häufige Uebung der göttlichen Gebote werden sie sich nach und nach immer mehr zu seinem Eigenthume gestalten. Dies ist die Zeit, für die unsere Weisen besonders eine solche allmähliche Gewöhnung anempfehlen, die sie wohl für TUwO (von .-uw wiederholen, ursprünglich verwandt mit vuw zwei) verwendet wissen wollen Ist diese Periode richtig benutzt worden, sind alle Vorbereitungen getroffen, die für das Leben nöthig sind, dann erreicht mit der dritten Stufe die Seele endlich die Höhe ihrer Entwicklung. Allmählich reist der Geist so heran, daß er schon selbstständig, jedoch unter Oberaufsicht erfahrener Mitmenschen, seiner wahren Vollendung entgegen gehen, seinen Lauf durch dairdische Leben ohne große Gefahr ««treten kann. Bei Nichtjuden hört hier schon das Geschäft desErzieherS auf. Durch Erfahrungen, Ringen und Kämpfen muß sich da der Jüngling hindurch arbeiten, bis er durch Schad n klug geworden, und nach Versuchen und Enttäuschungen endlich jene Charakterfestigkeit erworben, die fürs Leben nothwendig ist. Wie häufig jedoch dabei auf Irrwege eingeleitet wird, das weist die tägliche Erfahrung deutlich genug nach. Dem Juden hingegen tritt hier, und da erst recht, jener Leitfaden (Gemara) an die Hand, der ihn die Klippen vermeiden, die Gefahren überwinden lehrt, wo bereits gesammelte und tausendfach erprobte Erfahrungen ihm die Richtschnur für seinen Lebenswandel an die Hand geben. Jene Encyclopädie des jüdischen W.stens, sie ist der zuverlässigste Mentor durch alle Irrfahrten des Lebens. Sie lehrt wie die Gefahren vermieden werden können, sie beugt allem Unheilbringenden vor. Wer nach ihr erzogen, in ihr lebt, wem sie der zur gewohnten Lebensweise geworven (gewohnt -nv^), den führt sie sicher zum Ziele der höheren und höchsten Vollkommenheit, die erreicht werden kann. i^"ii n'.-i denn sie ist unser Leben und die Dauer unserer Tage. AetturrgSnachieLchten und Corresporrdenzen. Deutschland. Aus Niederhefslen, am 4. Juni. Erst wenige Wochen sind verstrichen, seitdem ich dem verewigten theuren Collegen Silberberg zu Volkmarsen in diesen Blättern (Nr. 18) ein Denkmal gesetzt, und schon wieder tritt die traurige Pflicht an mich heran, ein gleiches dem geschätzten — am 30. v. M. entschlummerten — Amtsbruder Tannenbaum zu Wannfried zu stiften. Von dem so nahe aufeinander erfolgten Tod dieser beiden Freunde könnte man in mehrfacher Beziehung die Worte Davids sagen: N-IL» vrvLQi Sie waren von der Zeit ihres gleichzeitigen Besuches der Israel. Lehrerbildungsanstalt zu Cassel mit einander befreundet; beide waren von ächtem Schrot und Korn, gediegen in Kenntnissen p.->"n2 und in den weltlichen Wissenschaften; beide c>'2->,-i r>r«wn n: wON 'r<->'ächtreligiös und von ihrem heiligen Berufe als Lehrer in Israel erfüllt; beide für ihre Schule rastlos thätig, welche übermäßige Anstrengung vielleicht ihren frühen Tod (denn auch Tannenbaum hat noch nicht da- 60ste Lebensjahr erreicht) theilweise herbeigeführt; beide waren wegen ihrer Kenntnisse bei Juden und Christen geschätzt, und in Folge ihres menschenfreundlichen de-

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