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Der Israelit · 1866-06-06 · Heft 23 (6.6.1866) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 23 (6.6.1866)
Date
1866-06-06
Page
– (sequence 14)
Language
German
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464 F e u i L l v t o «. Denkwürdigkeiten -«S der Geschichte, Literatur und Kirnst der Israeliten. (Fortsetzung.) V. Das wieder hergeftellte Fürstenhaus durch einen polnischen Juden. Folgende edle That eines jüdischen Wirthes in Polen, schon mehrmals erzählt, verdient nochmals erwähnt zu werden. Der letzte Sprößling der polnischen Fürstenfamilie Wononisky war genöthigt, im Anfänge des achtzehnten Jahrhunderts als Stallknecht in die Dienste emes Edelmanncs zu treten. Emst kam er mit den Pferden seines Herrn vor eine jüdische Schenke, deren Besitzer ihn erkannte und als Prinzen mit aller Ehrerbietung anredete. Vergebens suchte der Fürst den Juden zu überzeugen, daß er ihn verkenne. Der Jsraelite blieb bei seiner Meinung und zog endlich den jungen Mann allein in die Stube. Hier sagte er ihm: Gnädiger Herr, da mich ihr Herr Vater und Großvater mit Wohlthaten überhäuft haben, so ist es billig, daß ich mich gegen ihren letzten Abkömmling darkbar beweise. Gott hat mich gesegnet und ich freue mich, diesen Segen auf eine gute Art verwenden zu können. — Er drang nun in den Prinzen, seinen Dienst sogleich aufzugeben, und als das geschehen war, beschenkte er ihn mit standesmäßigen Kleidern, mit einer Equipage nebst vier Dienern und sagte: in meiner Nachbarschaft wohnt ein reicher deutscher Partikulier, der eine brave schöne Tochter, aber auch die Schwäche hat, das Mädchen nur einem Manne, der ein Ordensband trägt, zur Frau geben zu wollen. Hier sind tausend Dukaten. Eilen Sie zum Könige und bitten Sie ihn umeinen Orden.-Der Prinz reiste in die Hauptstadt und während er dort war, leitete der brave Jude die Heirath ein, was ihm trefflich gelang. Der Prinz, ein schöner junger Mann, mit einem Orden geschmückt zurückgekehrt, erhült ohne Umstände die Hand des Mädchens, mit ihr zugleich hunderttausend Gulden und das Versprechen, bei der Geburt des ersten Kindes noch einmal so viel zu bekommen. Wononisky's Söhne haben den Nachkommen des Juden reichlich vergolten, was deren Vater dem ihrigen Gutes gethan. VI. Die Israeliten von Dänemark. Obgleich Dänemark ein unumschränktes Königreich ist, erzählt unser Künstler Sal. Bennctt weiter, so ziehen doch die Milde der Regierung der moralische Charakter, die EiMsatio«, die Industrie und Lhätigkeit dieses Volkes die Aufmerksamkeit jedes Reisenden aus sich, und obgleich mein Zeugniß in dieser Hinsicht unuöchig sein mag, so war doch der Eindruck, den dieses kleine Land auf mich machte, zu stark, als daß ich es mit Stillschweigen übergehen könnte. Die Juden, welche in diesem Königreiche wohnen, genießen auch die volle Freiheit einverleibter Bürger, tragen an den Lasten und Steuern, m d nehmen an dem Gemeinwesen Theil gleich den übrigen Einwohnern des Landes. Was die Cioilisation, die bürgerlichen und häuslichen Beschäftigungen der Juden in diesem Reiche betrifft, so bemerke ich, daß sie in Bezug aus Scharfsinn und Geist (um ihnen nicht zu viel zu schmeicheln) sehr mittelmäßig, für theologische Studien nicht sehr eingenommen, jedoch nicht ohne gute Eigenschaften sind, indem sie sich tüchtig zeigen in Hinsicht der Führung ihres Handels, gastfreundlich und dienstfertig gegen Einheimische und Fremde, betriebsam in ihrem Geschäfte, se: es nun Handel oder Handwerk; sie haben auch einige ausgezeichnete Männer hervorgebracht, als: Aerzte, Wundärzte und einige Künstler. Den dänischen Israeliten wurde durch eine königliche Verordnung vom 9. September 1788 die Betreibung von Handwerken und anderen Gewerben erlaubt, und sie konnten auch das Meisterrecht zunftmäßig erlangen. Diese Verordnung welche namentlich der Gemeinde zu Kopenhagen Gewerdefreiheit gab, trug vortreffliche Früchte. Bereits im Jahre 1793 bildete sich in der Hauptstadt ein Gew erbeverein, welcher arme Knaben bei Erlernung nützlicher Handwerke unterstützte und 1813, als man in Kopenhagen 1170 Juden männlichen Geschlechts zählte, von denen nur 710 über 11 und 250 über 50 Jahr alt waren, gab es unter ihnen schon 34 Gründer und Eigenthümer von Fabriken, 25 Großhändler, 50 Studenten und Künstler und 110 Handwerker aller Art. VII. Die Juden in Schweden. Während meines Aufenthaltes zu Kopenhagen unterhielt ich mich oft mit Juden, welche Geschäfte halber aus Schweden kamen; ich erkundigte mich nach dem Zustande der Juden in diesem Königreiche und erhielt die günstige Antwort, daß sie sich in keiner Hinsicht über ibre Lage zu beklagen hätten. In der That erwarben sich viele Juden in Schweden ansehnlichen Wohlstand und anerkannte Hochachtung. Sie leben vorzüglich in den vier Städten: Stockholm, Gothenburg, Norköpiug und Karlskrona. Ihre Anzahl beträgt ungefähr 3 bis 100 Familien, oder zwei- bis dreitausend Seelen. In Stockholm legte Lamm eine Kattunfabrik an, Jacobssohn eine Zuckersiederei, in beiden wurden mehr als tausend Menschen beschäftigt. Eben so gründeten Reis und

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