Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1866)
- Date
- 1866-06-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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VII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 23 des Zsraelit. Leitender Artikel. Noch einmal über die Jeschiba - Angelegenheit. Von vr. I. lli1äe8keiw6r. (Schluß.) Dazu ist in der herrschenden Confession des Landes die Orthodoxie prädominirend; daher ist die Neologie nicht mehr Aranäs niocis, und wenn sie das nicht ist, was denn? Daher sind allerdings schwache Spuren von Besserwerden zu verzeichnen. Sie bestehen darin, daß — dorridils äietu! — die Lehrer, zu deren Empfehlung es in den 30er Jahren gehörte, kein Sterbenswörtchen „hebräisch" zu können, jetzt verlassen dastehen, als verwitterte Ruinen erscheinen, und ihre junge Concurrenten besser auf ihren Vortheil bedacht, wenn sie aus dem evangelischen Seminar entlassen werden, ein halb Jahr nach einem Nabbinatssitze (leider meist zum Romanschreiber) sich begeben, und dort Romane schreiben,, wollte sagen „hebräisch" lernen, selbst rm^v und nach 6 Monaten, sage nach vollen sechs Monaten, natürlich als große v'iviv zurückkehren. Es ist in allem diesem noch blutwenig v'vw vwv und noch unendlich viel Ironie, sowie auch andererseits heute noch sicher unter 100 mindestens 99 eine G°istesverwirrung darin finden, das aus der Schule entlassene Kind noch in 8ivi unterrichten, anstatt sogleich zum d. h. hinter den Ladentisch oder in die Werlstätte treten zu lassen. Doch danken wir Gott, die wenn auch noch so schwache Neäction bildet dennoch eine starke Handhabe für die vielen O'M.M, welche W. noch birgt, wie eben aus der Opposition gegen die Okb. selbst hervorgeht. Es ist ganz besonders eme Handhabe für den wackern Ga¬ bis ben Pesisa auch diese hochheilige Angelegenheit muthig in die Hand zu nehmen, denn die Zeit ist günstig. Ich bin fest überzeugt, daß von mindestens 100/o der Bevölkerung unfern Intentionen thätige, zweckdienliche Unterstützung entgegengetragen, aber auch von dem größten Theile der Uebrigen mindestens kein Hmderniß in den Weg gelegt werden wird. Muffen ja Alle, welche sich doch zu Rabbinen ausbilden, selbst das Ungenügende und zugleich Mühevolle einsehen, die jüdisch theologische Laufbahn zu betreten; und hat sich selbst einer der radikalen Rabbinen gegen einen meiner Freunde dort beklagt, daß er in feiner Jugend keine Gelegenheit hatte, 7imr> zu lernen. Nich allen obigen Eröffnungen schreibe ich ganz getrost 5<Vo der Bevölkerung gut, nämlich 55 Personen. Als ein erfreuliches Pendant hiezu notire ich noch zufolge einer mir gewordenen Nachricht, deren Bestätigung ich aus vollen Herzen wünsche, daß ein 7>mn p in Sigmaringen bei W. eine zu gründen im Begriffe steht; Näheres ist mir nicht bekannt. ipv. Schließen wir mit einem wenigstens relativen 2N2-2-I, nämlich dem Großherzogthum Baden (23,562 S.). Wohl ist auch hier eine vom Staate eingesetzte und ofsiciell anerkannte jüdische kirchliche Behörde; aber eine solche, deren Präses nicht Kirchenrath Maier, sondern dt r Oberrath .imrn r^2-vi ^vLnv.i p'iL.-i 2->.->;-rvvvk ist, und von welcher Behörde die jüdischen Angelegenheiten in jüdischer Weise gehandhabt werden. Ich schildere auch hier kürz die Situation. so weit sie mir bekannt. Vor allem Karlsruhe (mebr als 200 F.), wo theilweise noch ein echt jüd. Geist waltet, belondtrs durch die stounenswerthe Thätigkeit der durch die religiöse Gesinnung überhaupt und durch Verschwägerung vereintn beiden Familien Wormser und Ettlinger. deren Haupt- und sämmtlrche Glieder für v'-vdi r^v'v^ .-imn in echt antiker Weise thätig sind. Für .in-, mvv wirken hier segensreich der Herr Oberrath, sowie die jüdrschcn Gelehrten Herr Weil und Herr Thalmann. Das nach C. verlegte Institut des Hrn. Du. Plato für die Verbreitung der jüdischen Wissenschaft unter der Badenser Jugend überhaupt und den Lehrern insbesondere ist für Baden vom reichsten Segen und unberechenbarster Tragweite; für C. selbst aber selbstverständlich noch viel nutzbringender. — Mannheim (etwa 400 F.), wo V,v 21.-1, Bruder meines verehrten Lehrers, dev Herrn Oberrabbinen in Altona, als Klausgelehrter fungirt, dürfte derzeit wohl weniger empfänglich für iiivi MOV sein; indeß, wenn nur erst ernstlich angegriff n, dennoch sein Kontingent stellen. — Heidelberg, einer kleinen aber sehr reichen Gemeinde (etwa 80 F.), fehlt gegenwärtig das Verständniß für diese größte Nationalsache noch weit mehr. Dagegen ist in der kleinen Gemeinde Merchingen (50—60 F) viel guter Sinn; ebenso in der durch Gründung eines -!v"7w*) den Lesern des „Israelit" bekannte Geilingen (c. 180 F.), welche ganz gewiß gerne etwas thun würden; desgleichen Randek (50 — 60 F.) bei besten Rabbinen H. Prccard auch bis jetzt 3 — 4 v'mrn; desgleichen in der kleinen Gemeinde Wangen (c. 50 F.) viel guter Wille aber wenig Leistungsfähigkeit; ebenso in Breisach (100—419 F); ebenso Emmendingen (c. 180 F); endlich auch Schmieheim (c. 120 F ). Dagegen wäre in Bühl (60 F.) wohl etwas Erhebli- *) Anm. der Red.: Uns ist von dem Zustandekommen desselben noch Nichts bekannt geworden.