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Der Israelit · 1866-06-06 · Heft 23 (6.6.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 23 (6.6.1866)
Date
1866-06-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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398 Und Elasar in seines Vaters Kleidung, Da stürmte eS heran und rief: „Wo ist er! — Wo habt dm Hohenpriester Ihr gelassen?" — „Der Heilige, gelobt sei Er!" sprach Möses, „Er hat ihn aufbewahrt für's ew'ge Leben." — „Wer soll Dir dieses glauben?" rief ein Theil; „Er sagte Dir vielleicht ein mahnend Wort, Und dafür gabst Du ihn dem Tode hin!" — Ein andrer aber rief: „Der eigne Sohn, er hat Den Vater aus dem Weg geräumt, damit Er seine Priesterwürde erben kann!" — Schon hatte sich der Zorn zur Wuth gesteigert, Schon sahen Moses sich und Elasar Mit Steinigung bedroht, da winkte Gott Den Engeln zu, die seines Winkes harren; Sie eilten hin und öffneten die Höhle, Und nahmen aus derselben rasch die Bahre, Und hoben hoch sie in des Himmels Räume, Auf daß das ganze Volk sie sehen könne Und Gottes Thun erkenne und verehre. Von Engeln unsichtbar getragen schwebte Die Bahre durch des Himmels Räume; ihr Voran zog Gottes Herrlichkeit einher, Und Engelchöre folgten ihr und sangen, Im Chore wechselnd, schwebend durch die Lüfte: „Der Wahrheit Lehre war In seinem Munde, Und Unrecht fand sich keines Auf seinen Lippen; Er wandelte vor mir Gerecht uüd friedlich, Und brachte Viels ab Vom Weg der Sünde." — Und jetzt, als Israel die Bahre sah Und aus der Höh' den Klaggesang vernahm, Da fingen Alle an, so Groß, wie Klein, Zu jammern und zu klagen; dreißig Tage Beweinte Israel den Hohenpriester. — Um Aharon, den frommen Menschenfreund, Um ihn, den Friedensstifter, weint' und klagte Ganz Israel. — Als seine Schwester starb Beweinte und beklagte Niemand sie; Und Moses nur und mit ihm Aharon. Und dessen Söbne gruben ihr das Grab, Und selbst um MsfeS weinte Israel Nicht so, wie eS um Aharon geweint. — Zu oft ja hatte Moses es getadelt 8) Malachi 2, 6. Und scharf und zürnend selbst zurechtgewiesen; Doch Aharon, er hatte selbst für Sünder Und Sünderinnen nur ein sanftes Wort Und nimmermehr ein hartes, zürnendes. — Als Moses aber sah, mit welcher Ehre Man seines Bruders nun gedenkt, als er Das Lob vernahm, das ihm gespendet ward, Die Klagen hörte, die sich laut erhoben, Da setzte er sich weinend hin und sprach: „Ach, wehe mir, daß ich allein geblieben! Als unsre Schwester starb, kam Keiner tröstend Aus Israel zu uns; nur Aharon Und ich und seine Söhne standen weinend Bei ihrer Leiche; wir allein beklagten, Nur wir begruben sie. Dem Bruder, ach, Hab' ich und Elasar den letzten Dienst Erwiesen; wir nur standen bei der Leiche. Wer aber wird in meiner Todesstunde Zur Seit' mir steh'n! Kein Vater und kein Sohn! Kein Bruder, ach, und keine Schwester mehr!" — Da sprach -er Heilige, gelobt sei Er! „Vertrau' mir Moses! Moses! Du, mein Knecht! Und fürchte nichts! Ich selbst, ich werde Dir Zur Seite steh'n, in Ehren Dich begraben. Und wie des Bruders Grab dem Menschen ist Entzogen, unbekannt, so wird Dein Grab Ihm unbekannt auch sein; und wie demselben Kein Todesengel nahen durfte, sondern Ich selbst, ihn küssend, ihm die Seele nahen, So wird auch Dir der Todesengel fern sein; Denn Du auch sollst durch Gottes Kuß verscheiden." — Auf dieses Wort ward Mosis Seele ruhig, Und also heißt es: „Moses, Gottes Knecht, Er starb durch Gottes Mund, und Gott begrub ihn, Und Niemand weiß sein Grab bis auf den Tag." — Heil Denen, welche Gottes Herrlichkeit Zu sich versammelt! *o) Denen Gottes Engel Entgegenkommen, freudig sie begrüßend. Zu ihnen sprechen:") „Ziehet ein in Frieden, Und ruht nun aus auf Euren Lagerstätten. Die Ihr in Redlichkeit vor Gott gewandelt!" — O Heil den Frommen, die durch Gottes Mund Dahingeschieden! — 9) 5 B. M. 34. 5. 6. 10) Jes. 56. 8. 11) Jes. 57. 2. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: Vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.

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