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Der Israelit · 1866-06-06 · Heft 23 (6.6.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 23 (6.6.1866)
Date
1866-06-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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397 „Vernimmst Lu, Bruder! wäs tzeschneben steht: Du sollst rn Frieden tzehn zu Deins^ VäterN!" — Und nun begannt in Äharon zu dämmern, Und seine Glieder schienen leis" zu beben; Doch schwieg er. — „Bruder!" sagte Moses wieder, „Mein Bruder! wenn nach hundert Jahren etwa Der Heilige, gelobt sei Er! Dir sagte: „„Du mußt nun sterben!"" sprich! was sagtest Du?" — „Gerecht ist Gott!" versetzte Aharon. — „Wenn aber heute noch?" frug Moses weiter, , Was würdest dann Du sagen?" — Abermals Sprach Aharon: „Gerecht ist Gott, der Herr, Und zuverlässig!" — „Nun, mein guter Bruder!" Sprach Moses jetzt, „da Du so gottergeben Dich fügst in Gottes weisen, heil'gen Rathschluß, Laß aufs Gebirge Hör uns heut' noch gehn, Denn also hat der Herr zu mir gesprochen." — So gingen Moses denn und Aharon Und Elasar, der Sohn, zum Berge Hör; Und Moses ging voran, und Aharon Ihm nach, gleich einem Lamm', geführt zum Tode. — Da sprach der Heilige, gelobt sei Er! Zu seinen Engeln, die Ihm dienen: „Seht! O seht dahin! — Ihr habet Jsak einst Bewundert, weil er ohne Widerstreben Dem Vater folgte zum Altäre; seht, O seht hier Größeres! Der ältre Bruder, Er geht dem jüngern nach, dem Tod entgegen!" — Und als sie auf dem Berge angekommen, Da öffnete sich ihnen eine Höhle, Und eine Bahre zeigte sich, ein Werk Des Himmels. — Moses aber wußte nicht, Wie er's beginnen sollt', wie Aharon Des obern und des untern Kleids entkleiden Und Elasar, den Sohn, damit bekleiden. — Er mußte ja die vorgeschriebne Ordnung. Der heiligen Gewänder beibehalten, Und mocht' auch nicht den Bruder ganz entblößen, Und doch sollt' er, getreu dem Worte Gottes, Den Elasar sogleich damit bekleiden, Auf daß zum Trost der Vater sterbend sehe, Wie seine hohe, priesterliche Würde Des Sohnes Haupt und nicht ein fremdes kröne. — „Vollbringe, Moses!" sprach der Herr, was Dir Geziemt; ich werde schon das Meine thun."— Nun küßte Moses und. auch Elasar Len Gottergebenen; Moses auf die eine Und auf die andre Wange Elasar. Schow-ruhte-auf der Bahre Aharon, Und von den Knöcheln aus fing Moses an, Den Bruder zu entkleiden, Stück für Stück. Und sieh', .mit jedetn Stücke, düs er abttähm, Umhüllte aüch sogleich die Wolke Gottes , Das nackte Glied, dem Blicke es entziehend. — „Mein Brüder! sprich! was stehst Du?" sagte Moses. - „Nichts," sagte Äharon, „als Gottes Wolke, Die nach und nach die Glieder mir verhüllet." — Schon hüllte mehr und mehr die Wolke ein, Vom Fuße bis zu Brust und Halse hin. — „Mein Bruder!" sagte Moses wieder, „Sag', O sage, was Du siehst! Was ist der Tod?" — „Bis jetzt noch seh' ich nichts," sprach Aharon, „Als daß die Wolke mich fast ganz verhüllet." Der Hohepriester lag jetzt ganz entkleidet, Und von der Wolk' der Herrlichkeit nun ganz Umhüllt, dem Auge ganz entzogen. — „Bruder! Mein Bruder, sprich!" rief Moses, „sag', o sag', Was ist der Tod des Frommen? Sag'wo bist Du?" - „Ich bin nicht würdig, Dir's zu sagen," sprach Die Stimme Aharons; „allein ich wünschte, Ich wäre früher schon dahingelangt." — Als Moses so gesehn, wie Aharon Verschied , da ward der Tod ihm selbst willkommen, Und darum sprach er später auch sogleich, Als kaum der Ewige zu ihm gesprochen: Wie sich Dein Bruder Aharon gesammelt," — „Du wllst einsammeln Dich zu Deinem Volke, Da sprach er gleich: „So setze Gott, der Herr, Der allen Geistern, allem Fleisch gebietet, Für die Gemeinde einen Mann als Führer!" — Nachdem nun Aharon gestorben war Und ihren Blicken ganz entzogen, da Hieß Gott sie aus der Höhle sich entfernen. Sie thaten so, und hinter ihnen schloß Sich augenblicklich auch die Höhle. Moses Und Elasar nun schritten still und langsam Den Berg hinab. Am Fuß des Berges aber, Da stand ganz Israel mit Beben und Erwartungsvoll. Es hatte ja gesehen Gesenkten Hauptes seinen Hohenpriester, Gesenkten Hauptes steigen ihn gesehen Den Berg hinan, und wollte nun uuch wieder Zurück ihn kommen sehn, ihn wieder sehen, Den Freund und Förderer des Friedens, ihn, Der alle Menschen menschlich hat geliebt Und menschenfreundlich zum Gesetz geleitet. —?) An seiner Stelle, ach, ging jetzt frohlockend Der Satan zwischen Beiden. — Äls das Volk Sie ohne Aharon nun kommen sah, 6) 4 B. M. 27, 13-17. 7) Aboth I, 12.

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