Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 23 (6.6.1866)
- Date
- 1866-06-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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395 setzt, in der sich der weitbekannte Orientalist, Professor Tychsen, befand. So ward denn das Innere vollständig neu ausgebaut und ein großer prachtvoller Bibliotheksaal hergerichtet, Ger dessen Eingangsthür die oben erwähnte Inschrift in großen goldenen hebräischen Buchstaben prangt. Interessant sind die Gründe, die Tychsen selbst für die Wahl seiner Inschrift bei der Uebergabe des Gebäudes an das versammelte Cöncilium im Jahre 1789 (5549 n. E. d. W.) mit folgenden Worten angibt: 1) Der erste Tempel oder Palast, im Hebräischen vorzugsweise das H a us genannt, war im eigentlichen Verstände als ein Bibliothek-Gebäude angesehen, welches zu dem Ende aufgeführt wurde, damit die Bundeslade, das bisherige Behältniß (?) der Israeliten, ihre anständige, beständige und sichere Wohnung in demselben haben möchte. So wie dieser Tempelbau in der israel. Geschichte Epoche macht, so machte auch dieses Gebäude, welches 46 Fuß länger wie das Salomonische, und von nun an der Universität übergeben ist, und die in demselben aufgestellte Bibliothek, gleichfalls in der Geschichte der Academie und der Bibliothek Epoche. 2) Der Name Salomo's, eines der denkwürdigsten Regenten der Vorwelt, ist mit dem deutschen Namen Friedrich, einem dem Vaterlande unvergeßlichen Namen, gleichbedeutend; und das erste und letzte Wort der Inschrift fängt gleichfalls mit ii sLippenbuchstaben, gleich als den Anfangs-Buchstaben des durchlauchtigsten Wiederherstellers dieser Academie, Friedrich Franz, an. 3> Die Jahreszahl der Ausbauung dieses Gebäudes und der geschehenen Aufstellung der Bibliothek, /pri (5549) ist in diesem Spruche, nämlich in den mit Punkten bezeichnten Buchstaben enthalten. Jetzt wird das „Weiße Collegium" abgebrochen, um einem schönen, größeren Universitätsgebäude Platz zu machen und auch das Tychsen'sche Denkmal hebräischer Gelehrsamkeit sinkt somit in Staub und Asche; — möchte aber auch mit dem Erstehen des neuen Tempels der Wissenschaft auch ein neuer Geist der Humanität die Bürger Rostocks frisch beleben und den Geist des blinden Wahnes verscheuchen, damit die unwürdigen morschen Schranken alter, finsterer Zeiten endlich im Schutthaufen des alten Lehrgebäudes auf immer versinken! Ad. Messing. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien. Im Bezirke Landstraße hat sich ein jüdischer Frauenverein gebildet, welcher sich die Aufgabe stellt die Feldspitäler mit Eharpie, Verbandstücken u. s. w. zu versehen. Am 9. Mai ist der in akademischen und schriftstellerischen Kreisen bekannte Herr Herrman Singer gestorben. Er genoß den Ruf eines Ehrenmannes. Pest, den 22. Mai. So eben wurde auf, telegraphischem Wege Herr Rabbinats-Candidat vr. K o hn aus Breslau (aus Bäja in Ungarn gebürtig), zum Probevortrag auf den nächsten Sabbat hierherberufen. Wie bekannt, hat der hiesige Gemeindevorstand die Aufnahme eines Predigers, welcher in ungarischer Sprache in dem großen Tempel predigen soll, beschlossen, nunmehr schreitet er zur Ausführung dieses Beschlusses: Wir hätten wohl gegen ein solches Verfahren schon darum nichts einzuwenden, weil, wie bekannt, die ungarische Juden-Emancipation von der Pflege der vaterländischen Sprache abhängt, wie wenigstens der größte Theil unserer hiesigen Aristokratie behaupten will; doch scheint eine ungarische Predigt von der hiesigen Kanzel herab noch viel verfrüht zu sein, da kaum der zehnte Theil der Besucher des hiesigen Tempels Ungarisch versteht, und sonach die Gemeinde durch die Predigten eines ungarischen Predigers durchaus nicht erbaut werden kann. Der hiesige Rabbiner und Prediger sollte wohl der vaterländischen Sprache vollkommen mächtig sein, daher es auch noch thut einen Prediger (so er schon hier sein muß), zu acceptiren, welcher der ungarischen Sprache vollkommen mächtig ist; doch mit dem heiligen Gotteswort derartige Geschäfte zu machen, scheint uns am Wenigsten vom Standpuncte des Judenthums billig und recht gehandelt, zumal für jetzt noch viele andere tausendfach heilbringendere Dinge auszuführen nothwendig wären. Es bestehen hier z B. noch immer wenig Schulen und Unterrichtsanstalten für die arme verlassene Jugend für die pinci 82N '12 und leider treiben die Missionäre da eben ihr verderbliches Seelenspiel; sie locken nämlich Hunderte aus der israelitischen Jugend beiderlei Geschlechts in ihre hier bestehende Schule und zeigen denarmen, oft auch sehr bornirten Eltern, wie wenig der hiesige Vorstand für die Ausbildung ihrer Kinder thut, indem arme Kinder nur sehr schwer von den hiesigen Oberlehrern der Gemeindeschule ausgenommen werden, und selbst dann mit mehr als 100 Kindern eingepfercht eng zusammensitzen müssen, so daß man wenig Aufsicht auf ihr Wissen und auf ihre Sitten haben kann, während bei den Missionären kaum 40 in einer Klasse sitzen, und dergleichen Vorspiegelungen mehr. Dieses aber sollte zuvörderst die Aufgabe eines jüdischen Vorstandes sein, solche Giftpflanzen aus dem Garten des Gemeindelebens vollständig auszurotten und nicht ihnen noch Gelegenheit durch ein passives Verhalten, und durch Beschäftigung mit anderen Dingen zu geben. Das eben ist unsere Meinung und ine Meinung vieler Hunderte unserer hiesigen Gemeinde-Mitglieder, welche