Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1866)
- Date
- 1866-05-30
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2446951-2447245-2447261--04244-2459687- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
3S6 Au- Württemberg. Bei meiner jüngsten Reise nach Norddeutschland blieb ich über rM in Frankfurt a. M. — Ich machte mir den rno Herrn Rabbiner Hirsch zu besuchen, der sich noch infreundnchster Weise meines Besuches erinnerte, den ich vor 2 Jahren bei ihm zu machen die Ehre hatte. Unsere Hauptunterhaltung betraf württembergisch-israel. Zustände, wobei der württemb. Correspondenten des „Israelit" rühmlich erwähnt wurde, die den Eifer für die gute Sache, welcher Herr Rabb. Hirsch recht gerne auch seine Feder zu leihen sich bereit erklärte, wach und rege erhielten. Den Gottesdienst der Religionsgemeinde besuchte ich 4mal. Da hier am Sabbat schon um 7 Uhr begann, so kam's, daß ich auch in die Geiger'sche Synagoge gehen konnte, deren Dienst erst um 9 Uhr eröffnet wird, pw wapi?. Während ich bei Herrn Hirsch das Gotteshaus jedesmal so voller Leute und darunter die hervorragendsten Männer von echter Religiosität angetroffen hatte, daß man gedrängt stand, und darin ein wahrer und jüdisch erbaulicher Gottesdienst stattgefunden hatte, der mich zu inniger Andacht stimmte : empfand ich die entgegengesetzten Eindrücke bei dem Eintreten in den Stein - Geigerffchsn Tempel. Es war mir fast, als ginge ich in eine Kirche. Wie ein Neugieriger nur blieb ich deßhalb am Eingang stehen. In der Versammlung selbst bemerkte ich meistentheils Lehrjungen, Soldaten, Durchreisende, aber wenig Männer, die der eigentlichen Gemeinde angehören. Der ganze Ritus gleicht wie die ganze Einrichtung mehr denen eines Theaters als eines Während die noch nicht sehr lange stehende Synagoge der Religionsgesellschaft bedeut nd vergrößert werden muß, gähnt dem Besucher im Reformtempel zu Frankfurt eine erschreckende Leere entgegen. — Auf meiner Reise über Würzburg besuchte ich auch unseren alten württembergischen Kämpen, den Seminarlehrer Stern daselbst, der noch immer mit warmer Sympathie an unserem Vaterlands hängt und mit uns der Revision derwürttembergischen Kirchenverfasiung harret. Schade, daß sein jetziger Beruf ihm nicht gestattet, so wie früher für die geistige Wiedergeburt Israels in Schwaben kräftig mitzuwirken. Würde, wie es das deutsche Volk jetzt lauter und lauter verlangt, die deutschen Grundrechte wieder zu allgemeiner Anerkennung gelangen, so hätten wir und alle deutschen Glaubensgenoffen mit einem Male auch in religiösen Dingen die volle Autonomie der Gemeinden erreicht. In Würzbürg hatte ich auch die Ehre, Herrn Rabbiner Bamberger kennen zu lernen. Welch ein würdiger Mann! Weit winziger noch erscheinen mir seitdem unsere inländischen Pygmäen, die doch als Eoryphäen figuriren möchten und sollten vrd rw.-ii v'.iir oin ib riwp'N l ttv-m" ri uttsn rufe ich schließend mit Jirmejah in jüngster Hapthora. dwnp. Fr a n kr eich. Pari-. Herr Levi Consolo, rin BanqUier aus Italien zu Paris wohnhaft, hat dem dortigen Talmudverein eine Subvention von 6000 Frs. verwilligt. (Familie de Jacob.) Nizza. Der hiesige Rabbine Netter ist durch ein kaiserliches Decret mit dem Religionsunterrichte für die israelitischen Zöglinge des kaiserlichen Lyceums dahier betraut worden auch hat derselbe wie das „Jew. Chron." berichtet, dahin gewirkt, daß die jüdischen Studenten Samstags dem Gottesdienst anwohnen. Pari-. Die „Jndependance Belge" schreibt, daß zwei israelitische Notabilitäten am 1. Mai d. I. zu Saint - Sulpice *) getauft worden seien. Ein Pariser Journal sagt diesbezüglich, es seien „zwei Damen" getauft worden. Andere Zeitungen gehen noch weiter, unter Anderem sagte der „Moniteur du Calvados" zwei Rabbinen hätten zu Saint - Sulpice die Taufe empfangen. Hierzu bemerken die „A. I.", daß nach darüber eingezogenen Nachrichten man durchaus nichts von der Taufe jüdischer Notabilitäten oder Rabbinen wisse. Allem Anscheine nach handelt es sich um ein Paar arme Teufel, die sich zu irgend einem Zwecke taufen ließen. Serbien. Gchabatz. 17 jüdische Familien beabsichtigen nach Palästina zu ziehen. Es gehören diesen thätige und kräftige Männer an, denen es in ihrer Heimath nicht mehr behagt, die aber um jeden Preis nur von ihrem Händewerk leben wollen. Die Liebe für das heilige Land ist eine der stärksten Triebfedern zu diesem Entschlüsse. Die Betreffenden frugen nun schon vor einiger Zeit im „Hamagid" und „Libanon" an, wie sie dieses am Besten bewerkstelligen könnten, da ihnen die Mittel zur Reise und die Einrichtungskosten an ihrem zukünftigen Aufenthaltsorte zum Theile fehlen. Herr Jechiel Bril, der Nedacteur des „Libanon", der, da er selbst aus Jerusalem und mit den dortigen Verhältnissen sehr vertraut ist, rathet denselben nun, daß sie, wenn sie wirklich den Ackerbau verstehen und denselben mit Ausdauer betreiben wollen, nur guten Muthes ihr Streben vollziehen sollten. Palästina's Boden biete heute noch, trotz der schrecklichen Verwahrlosung, dem fleißigen Bebauer mehr, als das ergiebigste Land in der europäischen Türkei. Um sich die noch fehlenden Mittel zur Ueber- und Ansiedelung zu verschaffen, sollten sie sich nur an die isruäl. uuivero." wenden, die sie gewiß in jeder Beziehung unterstützen wird. Ihr Plan geht jetzt dahin, sich in der Nähe Jaffa's ein Territorium zu verschaffen, das diesem Zwecke entspreche, um sich *) Ein Kloster zu Paris, das zugleich theologisches Seminar und der Centralpunkt der französischen Missionäre ist.