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Der Israelit · 1866-05-30 · Heft 22 (30.5.1866) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 22 (30.5.1866)
Date
1866-05-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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381 Bekannte der Betreffenden sehen der Entscheidung mit großer Spannung entgegen. (Hamewaffer.) Tz. Värolia (Szatmärer Com.) Mitte Mai. Heute habe ich Ihnen ein trauriges Ereigniß mitzutheilen, das in dem naheliegenden Dorfe Kagos stattgefunden hat. In der Nacht des 8. dieses wurde der Dorfbewohner Leopold Jakob von Räubern überfallen; dieselben hatten sich durch Larven unkenntlich gemacht. Leopold Jakob, ein 65jähriger Mann, wurde von den Räubern so mörderlich geschlagen, daß alle Aerzte der Umgegend jede Hoffnung auf seine Genesung aufgegeben haben. Die Frau desselben wurde an Händen und Füßen gebunden und wurde ihr der Mund zugestopft, damit sie keinen Lärm machen könne. Es befand sich jedoch im Hause des kinderlosen Mannes eine Nichte, von deren Anwesenheit die Räuber nichts zu wissen schienen. Dem Mädchen gelang es, sich aus dem Hause zu schleichen und Hilfe herbeizurufen. Aus allen Gasseu eilten die Dorfbewohner herbei, deren gemeinsamen Bemühungen es denn auch gelang, die Diebe festzunehmen; es waren ihrer acht, 6 Christen und 2 Juden. — Palästina. Aus Jerusalem wird dem „Libanon" von einem eclatanten Beispiele berichtet, welches darthut, wohin Wahn und Aberglaube führen. Als die Cholera daselbst wüthete, suchten einigeLeute dort dieser schrecklichenKrankheit durch ein sympathetisches Mittel Einhalt zu Lhun. Man wollte nämlich die Hochzeit eines Waisenknaben mit einem Waisenmädchen auf dem Begräbnißplatze veranstalten. Da es jedoch an einem paffenden Brautpaare fehlte, so veranlaßte man den ersten, besten elternlosen Jüngling daS erste, beste vaterlose Mädchen zu heirathen, unbekümmert darum, ob auch die ersten, nothwendigsten Bedingungen zu beiderseitigem ehelichen Glück vorhanden waren. Dieses sympathetische Mittel half zwar nicht das Geringste; im Gegentheil, die Seuche nahm nachher eine noch entsetzlichere Gestalt an und wirkte noch verheerender; allein es hatte soviel geholfen, zwei junge Menschen unglücklich zu machen, und beinahe wäre der junge Ehemann ums Leben gekommen. Die Mutter der vaterlosen Waise nämlich verbitterte ihrem Schwiegersöhne sein Leben derart, daß er desselben überdrüssig wurde und ihm ein Ende zu machen beschloß; er wußte sich ins Frauenbad zu schleichen und stürzte sich dort ins Wasser. Der Unglückliche wurde leblos aus dem Wasser gezogen, und nur den angestrengtesten Bemühungen des herzugerufenen vr. Reumann gelang es, ihn nach 3V- Stunden ins Leben zurückzurustn. — Wahrscheinlich wird nun jene unglückliche Ehe wieder gelöst werde«. — Ass dieser traurigen Geschichte ergibt sich eine wichtige Lehre, die nämlich, daß durch Wahn und Aberglaube das Schönste, Heiligste und Erhabenste in sein Gegentheil verkehrt wird. Daß sich der Mensch namentlich zur Zeit der Leiden im heißinnigsten Gebete an seinen Schöpfer wendet, daß er durch die Ausübung edler Werke Unglück von sich abzuwenden sich bemüht, ist gewiß höchst lobenswsrth. Nun ist die Ausstattung von Bräuten gewiß ein verdienstliches Werk, das noch an Verdienstlichkeit gewinnt, wenn das Brautpaar aus hilflosen Waisen besteht; daß aber die Form für das Wesen genommen ward, daß man zwei Kinder aufgriff, die das heirathsfähige Alter noch nicht erreicht hatten und gegenseitig nichts von einander wissen wollten, sie dann überredete, die Gelegenheit zu geben, Etwas zu vollziehen, was unter solchen Umständen durchaus nichts Gutes, nichts Verdienstliches sein konnte, das war unverantwortlich und mußte die übelsten Folgen haben. Wir empfehlen die vorstehende Geschichte dem Herrn Rabbiner von Szikßo und seinem Schwiegersöhne zur ernstlichsten Erwägung. Feuilleton. Der Chassi-im - Fürst. In einer öden Gegend der Bukowina in Oesterreich, unweit der Hauptstadt Czernowitz, liegt ein einsames, schmutziges Städtchen, Namens Sada-Gora (Sadagura). Dort blüht der Ochsenhandel mit Beßarabien und der Moldau, sonst ist aber auch nichts zu sehen als Kaftane und polnische Pelzmützen, langherabhängende Haarlocken und nur zu oft branntweinerhitzte Gesichter. Dennoch enthält der Ort eine Merkwürdigkeit, die namentlich auf einen nicht unbedeutenden Theil der Judenwelt eine große Anziehungskraft ausübt. Es lebt hier nämlich eine Familie, aus welcher, alten Traditionen, Prophezeiungen und chronologischen Registern (H) zufolge, einst der jüdische Messias hervorgehen soll. Solcher Familien gibt es eine große Anzahl in den jüdischen Städten Rußlands — ihre Häupter heißen Zaddiks (heilige Männer) und üben oft einen Einfluß über weite Kreise aus. Der Ursprung dieser Familien ist bekannt. Im Jahre 1666 war ein falscher Messias in dem fanatischen Sabbatai-Zebi in Smyrna aufgestanden und hatte unter allen Israeliten der ganzen Welt große Sensation erregt und vielen Anhang gefunden. Selbst nach seinem Fall und Uebertritt zum Muhamedanismus schwuren noch Tausende bei 1) Aus dem Wiener „Fremden-Blatt".

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