Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 22 (30.5.1866)
- Date
- 1866-05-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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378 wen ein Mizri Hot gesen ein Jißrelis Hot er vor ihr ausgeschpiben es wor veracht bei ihm" — und stellt solche Zustände als ein Ideal auch für unsere Zeit auf: „Weiber fein gegangen rc. und welcher Mizri iß zugetreten zu rufen in Theater oder auf den Baal oder auf ein Tanz eine Jiedine das Wort wor schun veracht und ver abscheiet.") Rabbi Hillel Lesch verkündet ferner: „Die ärgsten Feinde des Judenthums, die nach dem Muster der Schlange im Paradiese und nach dem Beispiele Amaleks verfahren, sind diejenigen Rabbinen, welche darauf dringen, daß die Israeliten den Sabbat Hallen, die Ehe- und Reinheitsgesetze halten, ihre Kinder in der Thora und für die Thora erziehen sollen, die dabei aber veranlassen, daß die Kinder auch Sprachen lernen und „in die Weltbeschreibung klar seien." „Die schlimmsten Feinde des JudenthumS sind ferner Diejenigen, welche zwar auf heißandächtiges Gebet dringen, aber das „Beiteln*) bei Peßuke Desimroh" und „esau Gerüder **) bei Schma Jisroel^ für Kleinigkeiten erklären. Das sind die leibhaftigen Teufel, die das Volk verführen. „„Weh ober die was ihm folgen und losen sich verfihren!"" Dabei liebt es dieser edle Ritter des Wahnes und des Aberglaubens immerwährend 22s 71^2 .-^22 22122 zu sein, Bibel, Talmud und Midrasch zu verrenken und zu verdrehen, wie es gerade in seinen Kram paßt; im '227 2pr hat er es offen ausgesprochen, daß seine ganze Darstellung vor dem Forum der echten jüdischen Casuistik, vor 12"^ ll'pOisi nicht stichhaltig sei. Nicht wahr, Du wunderst Dich, lieber Leser, daß ein solcher Mann, dem doch gewiß die Mischnah in Aboth bekannt ist, so leichtsinnig die ewige Seligkeit in die Schanze schlägt; aber zur größeren Ehre Gottes opfert er gern das ewige Leben; wenigstens scheut er sich nicht, derartigen Unsinn dem hochberühmten Rabbi JecheskelLandaud dem .-imii'Z pur in den Mund zu legen.***) Doch genug des Unsinns — kehren wir noch eine ernstere Seite der in Rede stehenden Zeitschrift hervor. Am Schlüsse derselben wird von einer inIerusalem in neuster Zeit stattgehabten (?) Todtenbeschwörung erzählt. Den Geist eines an der Cholera Verstorbenen habe man citirt und ihn um die Ursache der Seuche befragt; dieser habe dann erklärt, daß die Seuche den Anfang der meffianischen Zeit bilde; er habe auch auf ein Buch verwiesen, wo das so zu *) Das sogenannte Schockeln beim Gebet. **) Augenverdrehen, Kreischen, Aechzen, Krächzen, Wackeln, Schütteln rc^ ***) Im '^2P 2d wird erzählt, der hochberühmte Prager Oberrabbiner habe in einer Predigt behauptet, er sei bereit zur größeren Ehre Gottes Dinge zu thun, die ihn um die himmlische Seligkeit bringen müßten'.!! lesen sei, daß beim Beginne der meffianischen Zeit die Cholera in Jerusalem wüthen müsse. Unglücklicher Weise habe derBeschwörer den Namen des Buches wieder vergessen.*) Mein Volk, mein Volk, wohin gerüthst Dull! Wahrlich, es ist herzbrechend — nicht, daß so wahnsinnige Menschen existiren, die so frevelhaft verfahren, nein, daß sie Anhang haben, daß sie großen Anhang haben, daß sie Anklang finden beim Volke, daß es Rabbinen gibt, die mit ihnen coquettiren, daß man diesen Wahnsinn und diese gefährliche Thorheit sich ungehindert breit machen läßt, daß man dort, wo der Unsinn zu Tage tritt, ihn nicht ernstlich bekämpft, daß man ihn um sich greifen läßt wie eine pestartige Krankheit! Auf, auf, Ihr edlen Männer in Israel, Ihr wahrhaft glaubens- und gesetzestreuen Rabbinen, Ihr Alle, die Ihr nicht auf die neuen Dogmen eines Rabbi Hillel Wetsch schwört, die Ihr unsere heilige Religion und deren Bekenner geehrt und geachtet wissen wollt, die Ihr nicht das Ziel unseres Strebens darin findet, daß die Nichtjuden vor Euch und Euren Frauen und Söhnen und Töchtern ausspucken, die Ihr die reine und edle Sprache nicht als eine Todsünde, die Ihr jedoch das „Beiteln und esau Gerüder" beim Gebet als Kleinigkeiten betrachtet, auf, auf, ermannet Euch, tretet dem Feinde entgegen, solange es noch Zeit ist. Namentlich auf Euch, Ihr ehrwürdigen Rabbinen von Preßburg, Krakau, Lemberg, Uhjely, Unghvar rc. rc., sind unsere Augen gerichtet; wir haben zu Euch gestanden bei jeder Gelegenheit, haben Euch vertheidigt, wo und wann und wie Ihr angegriffen wurdet — jetzt gilt es zu zeigen, daß Ihr unterscheidet zwischen Wahrheit und Wahn. Erlaßt eine Ansprache an das Volk, in der Ihr erklärt, daß die Wege des Rabbi Hillel Wetsch und seines Schwiegersohnes Akiba Joseph nicht die eurigen seien und warnt das Volk vor den Ausgeburten eines verdrehten Gehirnes. Thut Ihr also, dann wird das Volk zu unterscheiden wissen zwischen den wahrhaften Vertretern des Judenthums und den wahnsinnigen Thoren, die sich dafür ausgeben — thut Ihr es nicht, darf Akiba Joseph sich ferner rühmen, daß er Euch zu den Seinen zählt, dann fällt die schwerste Verantwortung auf Euch; nicht der Szikßoer und sein Schwiegersohn würden triumphiren, denn der Wahnsinn hat keine Lebenskraft, sondern diejenigen, welche das Judenthum in den Staub ziehen und das Heranwachsende Geschlecht von dem Glauben der Väter abtrünnig machen möchten, und denen Rabbi Hillel und seine Genossen in die Hände arbeiten, indem sie das Judenthum lächerlich und verächtlich machen wollen! *) Es ist wohl mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die ganze Geschichte auf Erdichtung beruht.