Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1866)
- Date
- 1866-05-23
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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S68 Auf Vorstellung ihres Vaters und ihrer Familie brachte man es dahin, daß sie das Haus verließ und in ein anderes übersiedelte, von welchem aus sie durch vieles Zureden veranlaßt wurde, wieder in ihr Vaterhaus zurückzukehren. Der dortige Religionslehrer nahm die Zeugenaussage aä voiam und schickte deren Abschriften an viele Nabbinen, um anzufragen, ob die bereits anders Gesinnte jetzt noch ohne Scheidebrief (in) wieder einen anderen Mann heirathen dürfe, da der Schneidersohn durchaus keinen geben wollte. Natürlicherweise verneinten alle Rabbinen diese Frage. Der Vater sprengte nun, vereint mit dem Neligionslehrer. aus, Rabbi Salomon Kluger aus Brodi habe die Wiedcrvcrheiralhung ohne vorher flaltgefundene Trennung für d esen Fall erlaubt; dennoch fand sich Keiner, der sich dazu hergeben wollte. Trotzdem der Vater eine sehr hohe Mitgift versprach, schien es doch, als sollte seine Tochter ewig ledig bleiben. Nachdem ich vor einigen Jahren hierhergezogen, nahm, ich die Sache in die Hand und schrieb darüber an mehrere Rabbii en und Keiner, auch Rabbi Salomon Kluger nicht wollte die Wiederverheirathung erlauben. Ich besitze hierüber zwölf Gutachten.! Unlängst nun fand der Vater nach langem Suchen einen jungen Mann aus Rußland, der leichtsinnig gerug war, sich von der hohen Mitgift blenden zu lasten und der bereits Verheirateten seine Hand anbot. In früher Morgenstunde wurden dieselben im Hofe des Vaters durch den Religionslehrer, der hier als pip-, tiviv fungirte, getraut. Wir waren nach den damaligen Gesetzen nicht im Stande, daß das Gesetz hie Ungiltigkeit dieser Ehe proclamire. An d eser Stelle will ich es vor ganz Israel kund thun, daß die aus derselben hervorgehenden Kinder wkm O'-wv sind und also bei denselben auch das dnpv 8^> in Kraft tritt. Isaak Taub sch Amerika. Cincinnati. Die gesinnungstüchtige und opferfreudige Gemeinde zu Cincinnati ist im Begriffe, ein jüdisches Spital zu errichten, dessen Bau- und Einrichtungskosten auf 100,000 Gulden veranschlagt sind. Ein herrlicher Zug der jüdischen Wohllhätigkeit unserer Brüder in Ohio. F e u r l L 2 4 o n. Denkwürdigkeiten aus der Geschichte, Literatur und Kunst der Israeliten. (Fortsetzung.) IV. Parallele zwischen den christlichen und jüdischen Einwohnern Galiziens. In den Annalen der Literatur und Kunst des Oesterreichischen Kaiserthums, ^eptemberheft 1807, entwnft Professor Schultes ein schaudererregendes Gemälde von dem fürchterlichen Zustande der Bewohner Galiziens, eines von der Natur so milde bedachten Landes: „Hier ist die Cultur auf der untersten Stufe. Nicht Bürger-, nicht Galten-, nicht Vater- Pflichten kennt der polnische Bauer; nur Branntwein — sau 6s vis, eigentlich sau äs rnvrt ä« koloAvs —, die Hauptursache seiner Lähmung und Apathie gegen alles Menschliche. Die Sonne scheint sich in Galizien nur zu erheben, um dem Bauer den Weg in die Trinkstube zu zeigen. Schon vor zehn Uhr Morgens findet man Mann und Weib, Herrn und Diener so sehr betrunken, daß sie sich nicht mehr kennen; so wird auch der Pflug nur von den Ackersleuten auf das Feld geführt, die vor Rausch nicht mehr stehen, und vor Abspannung sich nicht mehr fort'chleppen können u. s. w. Hier kann der Bauer weder lesen noch schreiben, hier macht er des Tages hundertmal das Zeichen des Kreuzes, und reist zehn Meilen weit, um einen Ablaß zu gewinnen; aber er raubt, er besauft sich, er ist ausschweifend, ein elender Landwirth, ein schlechter Bürger und der schlechteste Soldat. Dessenungeachtet gibt es in Galizien eine Art Menschen, welche es allein noch zu verdienen scheint, daß sie diese eben so schöne als frurchtbare Gegend bewohnt. Ich spreche nicht von den Deutschen, welche man in diese Provinz eingeschoben hat, und bei deren Wahl größtentheils das Princip der Römer, die vorzüglichsten Männer in die neueroberten Provinzen zu schicken, nicht befolgt wurde. Ich spreche von den Söhnen Israels. — Sie sind die Schneider, Schuster, Tapezierer, Kürschner, Glasmacher, Goldarbeiter, Graveurs, sie poliren die Steine, und bebauen die Felder, die sie in Pacht haben, bester als ihre christlichen Machbaren, weil sie das Gesäme von der Fremde mitbringen. Das Bier, welches sie brauen, ist fast das einzige trinkbare; sie sind überall die Gastwirthe; und oft finden Sie etwas, womit Sie sich stärken können, mitten in einer Wüste, in einem Dorfe, das ein Jude bewohnt, während Ihnen alle christlichen Einwohner einer Kreisstadt für ihr Gold ein Stück Brod verweigern rc. Ich habe niemals Geld von den