Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1866)
- Date
- 1866-05-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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367 Frankreich. Paris. Mit großer Gespanntheit sieht die literarische Welt der Edition eines höchst merkwürdigen Werkes entgegen. Der bekannte Alterthumsforscher Senior Sachs, Bibliothekar unseres ehrenwerthen Glaubensgenossen Horace Günzburg, ist es hauptsächlich, dem dieses Verdienst gebührt. Mit ihm vereinigte sich der Gelehrte J.L.Burgis, Professor ander Sorbonne, der die Druckkosten bestreitet. Es ist dieses das das Vorschriften über die i'in an den Buchstaben in der .-nir, enthält, also hauptsächlich masoretischen Inhalts ist. Was jedoch dieses Werkchen so merkwürdig erscheinen läßt, ist seine zweifelhafte Entstehung und sein hohes Alter. Jüdische Gelehrte, die sich viel mit Bibliographie beschäftigen, haben uns überliefert, daß dieses Buch eine Copie der Inschrift von den zwölf Steinen, die Josua in Gilgal errichtete, sei. Man fand dessen Manuscript unlängst in der kaiserl. Bibliothek zu Paris. Viele unserer Leser werden sich wundern, wenn sie erfahren, daß wir außer den 24 Büchern des noch ältere jüdische Werke besitzen. Auch wir wollen nicht für die Wahrheit dieser Angaben einstehen, nur wollen wir unseren Lesern das diesbezügliche aus der Vorrede des Herrn Senior Sachs mittheilen. Mit unermüdlichem Fleiße, den ein jeder jüdischer Geschichtsschreiber besser als eitles Hypothesenmachen verwerthen könnte, weist derselbe das hohe Alter dieses Werkes nach. Zuuz sagt, beregtes Werkchen sei ein Erzeugniß des Rabbi Elieser Migermeise, der den Ursprung desselben dem Hohenpriester Eli als Eopisten von den zwölf Steinen zuschreibt. Was Herrn vr. Zunz zu dieser Behauptung berechtigt, wollen wir dahin gestellt lassen. So viel ist jedoch sicher, daß wenn er wie Herr Sachs so im Interesse der Wahrheit geforscht hätte, es ihm nicht entgangen wäre, daß schon Ramban in seiner Vorrede zur Thora ausdrücklich sagt, er habe in 82^ gelesen, daß König Chiskijah unter Anderem den babylonischen Gesandten auch das gezeigt habe. Wenn auch dieses nicht in jeder Ausgabe des zu finden ist, so ist es der Unwissenheit oder dem Muthwillen der betreffenden Verleger zuzuschreiben. Auch weist Rabbi Senior Sachs nach, daß auch Maimonides an das hohe Alter des i'Zr, 'O geglaubt habe, auch im ist dasselbe erwähnt. Ja er führt sogar Stellen aus dem Talmud und der Midraschim an, die auf unser Werkchen hindeuten. Das Werk ist bei der neuen Ausgabe mit einer lateinischen Vorrede des hochherzigen Professors der Sorbonne versehen und wird bald der Ocffentlichkeit übergeben werden. (Libanon.) PaviS« Herr Michel Breal, früher Schüler der Normalschule, ist zum Professor der vergleichenden Grammatik am College de France ernannt worden. Der neue Professor ist einer der Vorstandsmitglieder der „Alliance Jsr. Univ." (A. I.) Belgien. Brüssel. Die Stelle des Rabbinen vr. Lob ist bis jetzt noch unbesetzt. Das Consistorium zu Brüssel hat sonderbarerweise diese Stelle noch in keinem Blatte ausschreiben lassen. Trotzdem haben sich bereits vier Candidaten um dieselbe beworben. Es sind dieses die Herren Aristides Astruc Rabbine zu Paris; Js. Levy, Rabbiner zu Lüneville, Weilt, früher Arauck ralrlriu von Algier und Emil Cahen, Rabbiner zu Verdun. Die drei ersten haben bereits Probepredigten gehalten , jedoch wird sich die engere Wahl auf die zwei erstecen beschränken. Moldau. Nelard. Dem „Mewasser" wird geschrieben: In unserer Gemeinde hat sich folgender Vorfall ereignet, der in jüdischen Kreisen nur mit Abscheu vernommen werden wird. Es wohnt hier ein Mann Namens Mendel Chalfen, dessen Tochter Chajeh Schöne mit einem Schneidersohn Namens Jakob ben Scholom in Liebensvsrhältnissen stand. Dieses Verhältniß soll ein sehr intimes gewesen sein. Der Vater des Mädchens wurde durch mehrere Bekannte von dem zu vertrauten Verkehr der Liebenden in Kenntniß gesetzt, ohne daß er Schritte dagegen that. Eines schönen Tages war das Mädchen plötzlich verschwunden. Eine Woche später wurde sie nach langem vergeblichen Suchen endlich im Haus? eines Nichtjuden außerhalb der Stadt angetroffen. Als durch diese Erfahrung mehrere Personen in idie Wohnung des Mädchens kamen, nahm der Schneidersohn einen Trauring und verlobte sich mit seiner Geliebten Als dieser Act in der Stadt bekannt wurde, brachte man das Pärchen auf die Polizei, wo die nunmehrige Frau des Schneiders aus ihrem Verhältnisse auch gar kein Hehl machte, sondern sich vor vielen Anwesenden von ihrem elterlichen Hause lossagte und bekannte, daß sie nur ihren Geliebten als ihren einzigen Angehörigen anerkenne, mit dem sie schon seit langer Zeit in sehr intimen Verhältnissen lebe und sogar von ihm schwanger sei. Als hierauf der Richter'den hoffnungsvollen Schneider ins Gefängniß werfen ließ, rief seine Geliebte mit frecher Stimme: Wir haben kein Unrecht begangen, ich liebe meinen Mann und werde ihn auch nie verlassen.