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Der Israelit · 1866-05-23 · Heft 21 (23.5.1866) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 21 (23.5.1866)
Date
1866-05-23
Page
– (sequence 11)
Language
German
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365 ich mich Jahr aus, Jahr ein genug über diese unfreiwillige Jsolirtheit, bei welcher jedes Bischen Herzensnahrung abgeschniiten ist, jede Hofsunng auf ein anderes Besserwerden, als durch ein Wunder, nur Selbsttäuschung; und so lebt man leider im düstern Einerlei; wenn man dabei erst an seine armen Kinder denkt, o Gott! — Der Allgütige hat mir jedoch jüngst eine Freude bereitet, an welcher ich noch Jahre lang zehren werde, die ich oft genug meinen in religiöser Beziehung so verlassen dastehenden Kindern, aber auch — da ich leider nicht der Einzige bin, dem solch ein trauriges Loos beschicken — auch meinen Leidensgefährten zur Erhebung mittheilen werde. Meine merkantilische Verbindung führte mich jüngst nach Wien; ein Freund führte mich Freitag Abends in die sog. „Schiffschule." Welcher Genuß wurde mir da bereitet! Zunächst der Cantor daselbst, ->P2 w-i-iv -!i7i"iQ.-> '^.-1, von dem ich schon früher wußte, daß er ein der sogar s"2->Q war, und was die Hauptsache, O'Qri p'NL ist. Ich glaube jedoch nicht, daß mich diese Vorurtheile befangen machten und mich parteiisch für die herrlichen Cantate einnahmen; ich kann es kaum beschreiben, wie sehr mich derselbe durch seine sonore Stimme und seinen so gefühlvollen Vortrag fesselte. Ich war wirklich durch diesen der so recht dem Geist des Gebetes und der ganzen Fülle von heiliger Gottseligkeit, die in dieselbe hineingchaucht, bei den Zuhörern zum Durchbruche verhilst, zu Thränen gerührt; und mit gedrücktester Wchmuth zog ich in memem Innern eine Parallelle zwischen diesem Gotteshause und denen in meinem Wohnbezirke Und erst die Geschichte dieses Gotteshauses und dessen Publikums l Vor einigen Jahren faßten wenige Orthodoxe den kühnen Entschluß, ohne vieles Zaudern und Ueberlegen, ohne übertrieben chimärische Pläne zu fassen, eine Synagoge zu erbauen, ehe die enragirtesten Gegner derselben (deren es, wie man sich denken kann, auch in Wien nicht wenige gab) zur Ueberlegung, ja theilweise sogar zur Kenntmß von dem Unternehmen gelangten. Und nicht etwa gewichtige Geldmänner schufen diese Synagoge; o nein! eine anfangs kleine Anzahl von relativ unbemittelten Männern; ja, sage ich es nur heraus, eigentlich hat die Zähigkeit nur zweier Privatmänner, deren Einer durch die unbeugsamste Spannkraft des Willens auch nicht wenige von Solchen, die sich, gelindestens gesagt, jedenfalls nicht zum Princip dieser Synagoge bekennen, zur Betheiligung bewogen, diese Synagoge ermöglicht. Ja, durch ein wahres Wunder ist dieses n'I en standen, das zu besuchen eine wirkliche Freude ist. Es faßt 800 Personen, ist sehr nett und freundlich, der Bau überhaupt und die Einrichtung derund der Frauenfynagoge in's Besondere ist streng '2 dp, letztere hat ein hohes Gitter, so daß man von unten nicht hinaufseheu kann; und selbstverständlich sind auch alle strengstens bewahrt. Aber auch darin wird den Bestimmungen des strenge Rechnung getragen, daß die Sorgfalt zur Aufrechthaltung der Ruhe und des erforderlichen Anstandes strenge gehandhabt wird. Doch ich vergesse ganz, von meinen Erlebnissen an diesem zu sprechen; aber auch von der „Seele" dieser schönen Synagoge habe ich noch Nichts erwähnt, und zwar absichtlich, weil diese Persönlichkeit zugleich die Seele der beiden andern Institute ist, zu denen ich später kommen werde. Es versteht sich von selbst, daß ich mit Sehnsucht den Früh-Gottesdienst erwartete; da wurden meine Erwartungen noch weit übertroffen. Ich betrat zwar die Synaaoge mit einer gewissen Unzufriedenheit, mit dem — iio, daß dasselbe nicht wni rwiir angekündigt, an welchem 52^ eben der Rabbiner dieser Synagoge und die Seele derselben, der in weitesten Kreisen so i rühmlichst bekannte 21.1 ,"1 eine .ilL'-i-i hält. Hörte ich doch ichon, daß dies eineTinin im edelsten und schönsten Sinne des Wortes, der Vortrag in rein deutscher Sprache nach dem Maßstabe des Publikums, der Inhalt moralischer Natur und gewürzt von geistreicher Erklärung schwieriger Stellen aus und L'w-,-n2, kurz eine reiche Nahrung für Geist und Herz sein soll. Doch, das 11^ läßt sich einmal nicht ändern. Auch nach den Ehrensunktionären der Synagoge erkundigte ich mich und erfuhr, daß sie Alle theils eigentliche ,-i-nri 'xr, theils wenigstens im Besitze einer sind, das beste Zeichen des Geistes, in welchem diese Synagoge gebaut und geführt wird. Daß der Hochgenuß bei diesem Frühgottesdienste dem des vorausgegangenen Abends vollkommen entsprach, brauche ich wohl nicht erst zu sagen. Stach der Beendigung desselben dankte ich dem Allgütigen für diesen hohen Genuß, nach dem ich schon seit Jahren lechzte, und wollte nach Hause gehen. „O nein," sagte mein freundlicher Führer zu mir, „ich lasse Sie noch lange nicht nach Hause gehen, Sie würden mir das nie vergeben; Sie müssen erst für die entschädigt werden. Folgen Sie nur dem Publikum". — Dieses nun bewegte sich nach einem anstoßenden Local, das wir bei unserer Ankunft schon halb von erwartungsvollen Synagogenmitgliedern gefüllt fanden; es ist dies das zweite Institut dieser orthodoxen Gemeinde, noch weit jüngern Datums, als die Synagoge, es ist dies das (nicht zu verwechseln mit dem „Beth Hamidrasch"). Hier nun hielt 2171 vor etwa 120 Personen, wie allsabbatlich, wenn nicht vor n"2, etwa eine Stunde lang einen schönen Vortrag agadischen und exegetischen Inhaltes; und bot mir nicht nur derselbe selbst, sondern auch die gespannte Aufmerksamkeit, mit welcher das ganze Publikum den Worten seines Lehrers und Führers lauschte, eine wahrhaft großartige Freude. Ich erkundigte mich bei meinem Men-

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