Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1866)
- Date
- 1866-05-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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362 großen Czaarenreiches, wo nur Israeliten leben, wiederhallen Dankeslieder für die wunderbare Rettung des Kaisers von Mörderhand. Seine Majestät haben die Loyalität der jüdischen Bewohner zu jeder Zeit zu würdigen gewußt, und auch bei dieser Gelegenheit hat sich der Kaiser vielseitig theils persönlich, theils durch die Gouverneure der Provinzen sehr belobend über das Betragen der Juden ausgesprochen. Viele Deputationen jüdischer Gemeinden Hutten zu diesem Zwecke Audienz bei dem Kaiser. lü Odessa, 43. Mai. Der preußische Unterthan und Rabbiner der hiesigen Gemeinde S. L. Schwabacher hat von Sr. Maj. dem Könige von Preußen die Erlaubniß zur Annahme und Tragung des kaiserl. russ. Stanislaus-Ordens (III. Clafse) erhalten. Moldau-Wallachei. Bukarest. Wir sprachen unlängst die Hoffnung aus, daß sich mit dem Sturze Kusa's auch der sociale Zustand unserer Glaubensgenossen in den Donaufürstenthümern bessern werde. Doch sahen wir uns anfangs in unseren Erwartungen getäuscht, da sich im gesetzgebenden Körper der provisorischen Regierung Stimmen kund gäben, die die Juden vom Dienste der Nationalgarde ausgeschloffen wissen wollten. „Hakarmel" berichtet nun, daß diese Pläne vereitelt und die Intoleranten mit überwiegender Majorität überstimmt seien. Asien. Djezireh ist eine Stadt am Tigris zwischen Alleppo und Bagdad. Ein Korrespondent berichtet dem „Jew. Chron." von seiner Reise durch diese Stadt folgendermaßen: Es ist dieses eine sehr feste Stadt, sowohl durch ihre natürliche Lage, als auch durch ihre Wälle und Thürme. Es leben ungefähr 18 jüdische Familien in dieser Stadt. Die Juden leben wie die Kurden*), außer in religiöser Hinsicht, auch kleiden sie sich so. Sie sind sehr unwissend und nur derSchochet und Chasan verstehen ein wenig Hebräisch. Alles, was der Letztere, der zugleich auch Lehrer ist, unterrichtet, ist das Lesen der Thora mit den Accenten. An Aebersetzen ist gar nicht zu denken. Der Vorsteher *) Anm. d. Red. Neuere Gelehrte behaupten, die Kurden seien Nachkommen derO'ILN, die den ersten Tempel plünderten. Es soll dieses durch die Vergleichung der beiden Sprachen sich herausgestellt haben. Siehe Schlossers Weltgesch. B. 1. dieser Gemeinde bewohnt ein Haus, das in arabischem Style erbaut ist. Dasselbe besteht aus einem Hofe, einem Zimmer und einer Kammer. Das ganze Meublement besteht aus einigen Decken, Obst und Gemüse, die an den Wänden aufgehängt sind. Im Hofe sah ich zwei Frauen, die Leinen wuschen; sie waren in kurdischer Tracht gekleidet, unverschleiert und trugen Nasenringe. Der Hausherr sagte mir alsdann, daß dieses seine Frauen seien. Es ist in diesem Lande Sitte, wenigstens 2 Frauen zu heirathen, manchmal geht die Polygamie noch weiter. Amerika. New-Bork. Die Synagoge in der neunzehnten Straße (in Nerv-Jork werden die Straßen statt besonderer Namen mit Zahlen, je nachdem sie von der Broad-Way, der größten und schönsten Straße der Welt, entfernt sind, benannt) wurde in der Nacht ans den 21. April mittelst Einbruch beraubt. Die Räuber nahmen die silberne Lampe des -i'Qri und die '^2 von einem der Sephorim mit sich. Ohne Zweifel würden sie sich damit nicht begnügt haben, wenn sie nicht in ihrer Thätigkeit gestört worden wären. was aus dem Umstande erhellet, daß sie ihre Werkzeuge im Stiche ließen. Die Strolche versuchten die verschlossenen Schränke in dem Gebäude zu sprengen, jedoch widerstanden dieselben den Anstrengungen der Bande. In unseren Tagen rst es selten, von solchen Einbrüchen in Gotteshäuser etwas zu hören, so häufig früher dergleichen Dinge auch vorkamen. Es ruht immerhin selbst den Dieben gegenüber auf diesen Gebäuden eine Art Heiligkeit, die mehr gescheut wird als eiserne Kassa-Schränke und Patent-Schlösser. (Jewish Meffenger.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien Dieser Tage erhielt Professor Sulzer vom Großherzog von Baden für die Ueberreichung seines jüngsten Werkes eine schmeichelhafte Zuschrift mit dem Bemerken, die Beigabe „als Zeichen der Verehrung" anzunehmen. Diese Beigabe bestand in einem großen prachtvollen Brillantring mit der Namenschiffre des Großherzogs sammt der Krone. (Fremdenblatt.) vr. jur. Markbreiter wurde zur Richteramtsprüfung zugelaffen. Es ist dies der erste Fall in Oesterreich. (Abendland.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpressendruck von I. Gottsleben in Mainz.