Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1866-05-23 · Heft 21 (23.5.1866) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 21 (23.5.1866)
Date
1866-05-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2447245-2447260--04218-2459660
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

einer Audienz beim Sultan, der mir freundlichst dankte für die Dienste, die ich seinen Kindern erwiesen hatte. Der Sultan hatte schon Befehl gegeben, daß eine Compagnie der kaiserl. Garde, befehligt durch einen Obersten und durch den Flügeladjutanten des Kaisers, mit Musik an der Spitze, in die Synagoge zog, um durch ihre Anwesenheit die Feierlichkeit eines Trauergottesdienstes zu erhöhen. Auch unserer Gesandte ließ sich durch seinen ersten Secretair ofsiciell vertreten. Der Chacham Baschi, ein Greis von beinahe achtzig Jahren, ergriff die Sepher Thora und recitirte eine In einer Ansprache an die Gemeinde verfehlte ich nicht, auf den enormen Fortschritt der Gemeinde aufmerksam zu machen, auch wurde sofort in Folge meiner Aufforderung eine Sammlung zu Gunsten durch Überschwemmung verarmter Glaubensgenossen zu Lyon veranstaltet. Eine beträchtliche Summe wurde Herrn Thouvenel übergeben, der mich einlud, noch einen Sonntag in seinem Landhause zu Therapia zu verbringen. Unser ausgezeichneter und wohlwollender Glaubensgenosse, Herr Camonda, bewirthete mich mit herzlicher Gastfreundschaft Die Prüfung der Schule, die seit ihrer Gründung durch den Herrn Brunswick geleitet wurde, gab Zeugniß für die großartigen Fortschritte, die während so kurzer Zeit bei dieser intelligenten Bevölkerung erzielt wurden. Wenn später die Familie Camonda einen Wechsel der Schuldirection für nöthig fand, so geschah dieses keineswegs wegen Unfähigkeit des früheren Direktors. Herr Samson Levy, jetzt Rabbiner zu Mutzig, der hierauf die Direction der Schule übernommen hatte, hat in Constantinopel ein ausgezeichnetes Andenken hinterlafsen, und zwar in allen Klaffen der Bevölkerung, die neben dem Wissen des Europäers auch seine aufrichtige Frömmigkeit bewunderten. Seit dessen Abgang ertheilt Herr Kahn, unterstützt vom Sohne des früheren Directors, einen gediegenen und religiösen Unterricht. Durch den großen Andrang der Lernbegierigen wurde die Errichtung einer zweiten Schule nöthig. Glücklich durch die erzielten Fortschritte, dankbar gegen die Vorsehung, die alle meine Schritte geleitet hatte, verließ ich die Hauptstadt der Türkei, um mich über Marseille nach Frankreich zu begeben. (Fortsetzung folgt) England. London. Sir Moses Montefiore ist von seiner der reinsten Bruderliebe gewidmeten Reise nach Jerusalem zurückgekehrt. Montag den 7. d. M. landete er zu Dover. Tags darauf setzte er seine Reise fort und kam auch in seiner Villa zu Ramsgate an. Später in der Woche kam er nach London. Man sagt, daß baldigst ein besonderer Gottesdienst in der spanischen und portugiesischen Synagoge, BeoiS Marks, abgehalten werden wird, um dem Allgütigen für die glückliche Heimkehr unseres würdigen Bruders Moses zu danken. Skottingham. Herr Serjant Simon, einer unserer Glaubensgenossen, wurde vielseitig für Nottingham als Parlamentsmitglied vorgeschlagen. Eine dortige Zeitung, „tbs Lxprsss," glaubte seiner Candidatur aus dem Grunde entgegen treten zu müssen, weil Herr Simon Jude sei. In Folge dieses Angriffes richtete derselbe eine Ansprache an seine Wähler, der wir Folgendes entnehmen: „Ich bin durch ei» Blatt, das ein Organ eines Theils der liberalen Partei sein soll, sehr angegriffen und geschmäht worden. Gentlemen, oer Schreiber dieses Artikels war niederträchtig genug, zur Motivirung seiner gemeinen Absichten auch zu den gemeinsten Waffen zu greifen, nämlich religiöse Vorurtheile gegen mich herauf zu beschwören. („Schmach") Ich sage es unumwunden eine solche Zeitung ist unwürdig, das Organ irgend einer liberalen Section zu sein (Hört! und Beifall.) Gentlemen, der „Lxpress" irrt sehr, wenn er glaubt mich angreifen oder beleivigen zu können, wenn er mich Jude nennt. Ja ich gehöre diesem Volke an und ich bin sogar stolz darauf (Hört, Hört); ich werde Ihnen auch sagen, weßhalb. Dieses unser Volk hat mehr für die Menschheit gethan als irgend ein anderes, und ich bin stolz auf die glorreichen Ahnen, von denen ich abstamme, aus welchen übrigens auch das Christenthum heroorgegangen. Ich bin meiner Geburt nach ebenso viel als irgend ein Lord dieses Reiches — (Hört, Hört) — oder irgend ein Sprößling der stolzesten Familie Englands (Beifall.) Ich glaube also durchaus nicht, daß meine Abstammung einem liberalen Blatte zum Angriffspunkt dienen könnte. Ich bin gewohnt von dieser Partei die Juden als allen anderen Staatsbürgern vollkommen ebenbürtig betrachtet zu sehen, und bedauere sehr, daß man hier den Begriff des wahren Liberalismus so mißverstanden hat. (Hört, hört) Hierauf rief die betreffende Zeitschrift ihre früheren Behauptungen wirklich zurück und befürwortete sogar Herrn Simon, der indeß von seiner Candidatur zürückgetreten ist, zum Candidaten für die Wahl ins Unterhaus. (I. Chr.) Rußland. Der zu Wilna erscheinende „Hakarmel" bringt schon in mehreren Nummern fortwährend Berichte über die von unseren Glaubensgenossen in Rußland abgehaltenen gottesdienstlichen Versammlungen, um dem Lenker all r Dinge für die glückliche Rettung des geliebten Herrschers zu danken. Von allen Enden des

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.