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Der Israelit · 1866-05-23 · Heft 21 (23.5.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 21 (23.5.1866)
Date
1866-05-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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360 Möchten diese Worte unseren Glaubensbrüdern zur Warnung und den Christen als Beweis dienen, daß Jude und Juden und Judenthum nicht miteinander verwechselt werden dürfen. Preußen. KörrigSberfl, 14. Mai. Krieg ist jetzt die Loosung in Deutschlands Gauen, der Bruder zückt das Eck wert gegen den Bruder, früher befreundete Völker stehen feindlich gegenüber in Waffen und Ströme Mcnschcnblutcs werden — möge Gott cs gnädig abwenden — stießen, wie Wafserbäche. Das ist die gepriesene Liebe und Humanität unserer Zeit! Noch lange ist das Wort des Propheten nicht erfüllt: daß die Erkcnntniß Gottes die ganze Erde erfüllen soll. Unsere Gemeinde lebt indcß in Frieden, ihre kleinen Cor.flicte lösen sich schnell in Harmonie auf. Wir überlassen getrost die größeren Kämpfe unserer Residenzstadt Berlin, — wir begnügen uns „die Stadt der reinen Vernunft" zu sein und verlieren den gesunden Menschlnvei stand nicht. Uebereilte Reformen, die ohne allen Grund im Cultus versucht werden und dem Gläubigen vor den Kopf stoßen, werden leicht hier redresiirt. Das Experimentiren mit Abänderung alter ehrwürdiger Gebräuche findet bei uns keinen gedeihlichen Boden. Neben unserem ersten und zweiten Cantor haben wir noch einen Privatgesang zur Verherrlichung des Gottesdienstes. Hoffentlich werden diese drei Factoren immer mehr zusammen als gegen sich wirken; denn — Sie sehen, daß mir stets die Kriegssurie vor Augen schwebt — drei höchstcommandirende Generale in einem Heere kann es doch nicht zu gleicher Zeit geben. — Unsere Religionsschule ist seit Januar neu reorganisirt. Früher gab es, wie ich Ihnen einmal schrieb, besondere Religionslehrer für die Armen und für die Reichen. Jetzt existirt eine gemeinsame sechsklaffige Mädchen- und Knabenschule mit fünf Lehrern in den vom Magistrat gütigst bewilligten städtischen Localien. Uebrigens hatte die kürzlich erfolgte Besetzung der fünften Lehrerstelle ihre Schwierigkeiten und ihre sonderbare Geschichte, die erzählt zu werden verdient. — Hören Sie! Vor etwa einem halben Jahre wurden die Leser der „Königsberger Hartungffchen Zeitung" mit der Nachricht überrascht, daß hier eine Mischehe zwischen einem englischen Christen und einer reichen Jüdin stattgefunden habe, bei welcher ein Geistlicher Seitens der Braut die Trauung vollzogen. Die wahrheitsgetreue Notiz rührte vom Unterzeichneten, dem Mitarbeiter jener Zeitung her. Der Mann, welcher trotz des ausdrücklichen Verbotes unseres Vorstandes die Nolle des Priesters bei jenem gewinnreichen Acte spielte, war der Obervorsteher des Vereins der Liederfreunde — Herr Wolffberg, dem jene fünfte Lehrerstelle zugedacht war, aber nunmehr entzogen werden sollte. Aber in Folge von Petitionen für den bedrängte« Familienvater entschloß sich die stets humane Gemeinde dennoch, trotzdem sie eine anderweitige Concurrenz ausgeschrieben hatte, ihn in Amt und Würden einzusetzen. Das sind deine Lehrer, Israel, die deine Jugend leiten! Ob der Gemeiude-Vorstanv auch eben so bereitwillig den allgemeinen Wunsch, noch einen zweiten Schächter in der Person des eben so frommen als braven jüdischen Gelehrten R. Joseph, eines vieljährigen geschätzten hiesigen Mitgliedes angestellt zu sehen, erfüllen wird, ist sehr fraglich. — Im Monat Februar ist unser vieljähriger Synagogen-Vorsteher S. L. Driesen gestorben, der sich große Verdienste um die Gemeinde erworben und der bei seinem fünfzigjährigen Bürgerjubiläum den königlichen Kronenorden erhalten hatte. Bei seinem Begräbnisse bemerkte man in dem unabsehbaren Leichenzuge auch viele Bekenner christlicher Confession vom Civil und Militär. — Unser berühmter Landtagsabgeordneter, der praktische Arzt Johann Jacoby verließ im März das Gefängniß, worin er Preßproccfse wegen 6V2 Monate geiessen hatte und feierte am 1. Mai seinen 61. Geburtstag. An Zeichen der Liebe und Anerkennung hat es ihm bei beiden Gelegenheiten nicht gefehlt. Wir waren zufällig mit ihm am letzten Apriltage in Gesellschaft und brachten ihm schon Abends vorher unseren Glückwunsch dar. „Ah ich danke Ihnen, lieber Doctor, sagte er frohgesinnt, Sie gratuliren wir am Ercw-Mai —das ist schön!" Sie sehen, Herr Redacteur, unser liebeswürdiger Jacoby vergißt über die Politik das Judenthum nicht. *) Er ist der eifrigste Verfechter unserer Glaubens- und Gewissensfreiheit. Gott erhalte ihn noch recht lange zum Heile Israels und des Gesammtvaterlandes! M. Almoni. Frankreich. Paris. (Jüdische Briefe von Albert Cohn. Fortsetzung.) Herr Thouvenel hatte die Güte, während emer Versammlung am 15. August im Gesandtschafts: Palais in den wohlwollendsten Ausdrücken sein Bedauern auszudrücken, meinem Wunsche wegen des fast vollendeten Abzuges unserer Truppen nicht willfahren zu können. Ich hatte nicht mehr das Vergnügen, Herrn Bruck auf der österreichischen Jnternunciatur anzutreffen, wo er würdig durch den General und Geschichtsforscher Prokesch - Osten, der heute noch diese Stelle inne hat, ersetzt wurde. Mein Freund Schreiner, der erste Dolmetscher, war noch zu Constantinopel und begleitete mich zu *) Anm. der Red.: Das ist doch wohl aus diesem scherzhaften Worte zu viel gefolgert!

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