Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 21 (23.5.1866)
- Date
- 1866-05-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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357 auf den Standpunkt des Heidenthums; er verleugnet somit Gott als den Schöpfer der Welt, den Urheber aller Dinge, den höchsten Gesetzgeber, da er ja das heiligste und wichtigste Attribut des Judenthums — den Sabbat — verwüst, dessen Anerkennung mit der Anerkennung des einzigen ewigen Gottes identisch ist. Hiernach begreift sich vollkommen die von der Thora so oft eingeschärfte Beobachtung des Sabbats und die auf muthwillige Verletzung desselben gesetzte Todesstrafe. Der Sabbatschänder wird eben als höchster Majestätsverbrecher an der ewigen Einheit Gottes — d. i. als öffentlicher Gottesverleugner — nach dem göttlichen Gesetze des Todes schuldig erkannt. Freilich gibt es viele Israeliten, die durch Entweihung des Sabbats nicht eigentlich absichtlich i eine Verleugnung Gottes als Weltenschöpfer begehen wollen; nichtsdestoweniger begehen sie solche in der Thal; sie kennen nur die Tragweite ihrer Handlungsweise nicht. Sie wissen zwar, daß sie unrecht, gesetzwidrig handeln, sagen auch wohl: „Ich würde gerne den Sabbat halten, wenn ich könnte; es ist aber einmal so in meinem Geschäfte eingeführt — oder — es ist wegen der Concurrenz, daß ich den Sabbat nicht zu halten vermag; wenn ich einst in dem und dem Verhältnisse bin, werde ich ihn beobachten." Alle Diese bekunden, wie gesagt, ihre Unwissenheit in Bezug auf die Tragweite der Sabbatentheiligung und zugleich aber auch ihre Leichtfertigkeit; denn sie wollen es bequem haben; es fehlt ihnen an dem rechten Wellen, sich an Gottes Gesetz zu halten, weil sie keine wahre Ehrfurcht, kein echtes, unbedingtes Gottvertrauen besitzen. — Ein Beweis, wie weit es Unwissenheit und Leichtsinn, diese beiden Hauptverderber der Menschheit, bringen können; denn alle Sabbatentweiher verüben — absichtlich oder unabsichtlich — die größte Sünde, die ein Jude begehen kann; eine thalsächliche Verleugnung Gottes als Weltenschöpfer. H.. Ll. Dir Juden zu Main? im Mittelalter. (Fortsetzung.) XXVII. Die Märtyrer vom Jahr 1283. Die Zerstörung der alten ehrwürdigen Gemeinde von Mainz war auch der Untergang ihres Ruhmes. Mainz erhielt zwar nach dem schrecklichen Sturm eine neue israelitische Gemeinde, eine neue Synagoge, neue Rabbiner; aber die neue Gemeinde war nicht mehr so wichtig, die neue Synagoge hatte keine Erinnerungen mehr, und die neuen Rabbiner warm nicht mehr die Ersten in Deutschland. Die neue Gemeinde von Mainz bestand meistens aus fremden Juden, was schon der Titel Judenbischof, und die Namen Haller, Witze ihrer oben erwähnten Vorsteher beweisen. Die Mainzer Juden, welche sich aus dem Sturm gerettet haben, waren längst ausgewandert, namentlich im Jahre 1286, übers Meer. Nur die geretteten Kinder der Erschlagenen blieben zurück und wurden in den größeren Gemeinden Deutschlands untergebracht. Diese kamen später in ihre Vaterstadt zurück, nebst der Familie des R. Mvir aus Rothenburg. Diesen ehrwürdigen Männern verdanken wir die Kunde der Namen der Märtyrer von 1283. Sie haben nämlich, um das Andenken ihrer unglücklichen Eltern zu ehren, nach ihrer Zurückkunft, Spenden an die Synagoge geopfert, die genau in das Memorbuch eingetragen wurden. Leider wurde durch eine frevelhafte Hand, wahrscheinlich die eines Vorbeters, dem es zu lange schien, die Namen so vieler Märtyrer, jährlich einmal, wie gebräuchlich, öffentlich ablesen zu müssen, sechs Seiten aus dem Memorbuch herausgeschmtlen. Durch diese Frevelthat können wir nur einen Theil der Märtyrer von 1283 mit Namen anführen, die Uebrigen müssen wir dem barmherzigen Gotte einheim stellen, der sie, wie die Tausende und aber Tarnende der Märtyrer des Judenthums, kennt und belohnt. Wir geben die Elfteren sofort mit einigen Bemerkungen. Rabbi Jehuda, Sohn des R. Samuel ha- Levi, dessen Ehegattin Dolce, und ihre drei Kinder wurden verbrannt und starben für ihren Glauben an die Einheit Gottes. Der heilige Rabbi Ehajim, erlitt den Märtyrertod. Alle Märtyrer erhielten den Ehrentitel Rabbi, obgleich sie keine Schristgelehrte waren. Rabbi Pesach wurde mit dem Schwert erschlagen. Der heilige Rabbi Menachem starb als Märtyrer. Der Proselyt, N. Jsaac, Sohn Abrahams des Stammvaters, fiel unter dem Beile. Alle jüdischen Proselyten werden genannt Söhne Abrahams deS Patriarchen, der den einzigen, einigen Gott erkannte und die Menschen zum wahren Gottesdienst hinzulenkcn suchte. Der heilige Rabbi Ascher Ha-Levi, der den Feuertod erlitt. Der heilige Rabbi Abraham, ein Glaubensheld, der den Tod in den Flammen fand. Der heilige Rabbi Joseph, Sohn Jsaacs, der unter gräulichen Martern seine Seele aufgab. Die Jungfrau Jenta, Tochter Aschers, dis muthvoll den Märtyrertod erlittt. Der heilige Rabbi Jsaac, der heilige Rabbi David, der heilige Rabbi Ascher, der heilige Rabbi