Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1866)
- Date
- 1866-05-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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349 i runden; wodurch wohl unsere Partei an der durch den wackeren Rabbiner Herr S. Fromm schon viele Jahre '2112 erzogenen Gemeinde einen schönen Zuwachs erhallen hat. Indem wir hier mit 3"/« nicht zu hoch gegriffen zu haben glauben, registriren wir 1200 Personen; dagegen dürfte von den 609 Personen Waldecks kaum etwas zu rechne« sein. Sehr leid lhut cs mir, nichts Genügendes über die Müstergemcinde Frankfurt a. M. 4) mittheilen zu können; da ich für dieses erfrischende Gesammtbild kein Bruchstück nach eigener mangelhafter Wissenschaft geben möchte und mich vergebens an Mehrere daselbst um Instruktionen gewendet. (Forts, folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Preußen. A«S Berlin geht uns die Nachricht zu, daß! der Benin 21V.1 '-.nin, der sich die Conservirung der jüdischen Religion zur Aufgabe gestellt hat, einen Herrn Vr. Simon Nascher aus Ungarn, eimn Schüler des Breslauer Seminars, als Prediger engagirt hat. Der Verein zählt 360 Mitglieder und ist rm Besitze einer Synagoge, in der ganz nach altem Ritus gebetet wird. Herr Vr N. hat bereits dreimal und zwar mit großem Deifalle gepredigt. Österreichischer Kaiserstaat. Palvla <Veßpr. Com.) Tie Berufung unseres hochverehrten und gelehrten Herrn Oberradbiners P. Singer nock Gr. Tapolcson ist es, die die ganze Gemeinte in Athern hält; Jung und Alt lebt darob in Sorge. Unser löblicher Cemeiudevorstand, au deren Spitze Herr Jo!eph Löuy, ein Schüler unseres hochverehrten Rabbiners steht, hat nun olle möglichen Schritte gcthcn, um dinselben der hiesigen Gemeinde zu erhalten. Dem Vernehmen nach soll auch die Reprästulonz der orthodoxen Partei zu Sluhlweißenburg ein Schreiben an unseren Herrn Rabbiner gerichtet haben, in welchem sie ihn im Namen des ganzen Slnllrvcißenburger Bezirkes ersucht, diese seine Stelle allhier (in der er segensreich seit 16—20 Jahren wirkt) nicht verlassen zu wollen, indem nicht nur die Gemeinde zu Palota allein, sondern auch die ganze Umgebung durch seimn Abzug eine ihrer Hauptstützen verlieren möchte. 5) Nicht cinrnal die Gesammtzahl der jüdischen Bevölkerung ist mir genau bekannt, Zachariä setzt dafür 6000 an, Kämmerer hingegen 4600, viel weniger kenne ich genau die eigentliche Anzahl der Unsrigen dort.*) 8) Ten Herrn Rabbiner wollte ich nicht mit der Erlheilung dieser SpmalitSten belästigen. *) Anm. d. Sicd.: Ln Frankfurt lcbc« ca. 800 jtid. Familien, von denen ca. 200 d«r orlhod. Rctigiv»Sgesrllschaft angehörcn. — In Abany-Tzauto hat seit vierzehn Lagen ein Jude, Herr Adolph MeiselS, eine Apotheke er--^ öffnet; es ist die erste Apotheke in Ungarn, dje sich im Besitze eines Juden befindet. AuS Mähre». (Ein Beitrag zur Jeschiba- Augelegsnheit.) Dieses Thema wurde in wärmster Pietät fürs Thorastudium vom ehrw. Rabbiner vr. Hildesheimer verrtilirt und auch von anderer Seite besprochen; vielleicht ist es nicht ohne Interesse, wenn ich über die ehemaligen Jeschiboth Mährens, meines Vaterlandes, berichte und einige Notizen daran knüpfe. Ich beginne mit meinem Geburtsorte Ung.-Brod, wo der in Gott ruhende sel. Rabbiner P82.1 ,","O"i"« ^>"21 .iv«i '22 eine Jeschibah vor 12 Jahren ins Leben rief; er trug täglich 2 Stunden — 10—20 (sämmtlich einheimischen) wißbegierigen Jünglmgen sehr gründlich ii-'w vor, abwechselnd wurde und durchgenommen. Nachmittags eine Stunde Nebenschiur und Abends für die Reiferen Jeden Freitag mußten d!e O'->M2 eine in der heiligen Sprache abgefaßte Arbeit bringen, und Nachmittags lernten wir den Wochenabschnitt mit '.12:21 '"02; außerdem erhielten wir täglich 2-3 Stunden auch in profanen Wissenschaften Unterricht, wie Latein, deutsche Sprache rc., so daß wir am Schluffe eines jeden Cursus in einem Gymnasium Prüfung ablegen konnten. (Ein Seminarium dieser Art könnte Rabbiner hcranbUden, wie sie sein sollen.) Unserer Gemeinde muß cs zum Lobe ongerechnet werden, daß sie das gottgefällige Streben mit Rath und That unterstützt^ Auch die vom sel. Herrn Rabbiner bald nach seinem Amtsantritte errichtete Schule leistete unter seiner Leitung und bei dem Fleiße der Herren Lehrer Vorzügliches in jeder Beziehung, was mir Niemand in Abrede stellen wird; ich will nur erwähnen, weil es mehr hieher gehört, daß fast jeder Knabe bis zu 112^22 Talmud lernte, und ward er für befähigt gefunden, so wurde dafür gesorgt, daß er beim Lernen blieb, oft gegen den Willen der Eltern. Wie schade für diesen seltenen Mann, dessen ganzes Leben und Streben war, der sich ausopferte für die gute Sache, denn nur durch sein zu eifriges Bemühen zog er^sich ein Leiden zu, und mußte so früh seine tugendhafte Lebensbahn beschließen. — Ich will nicht jetzt zu sehr schmerzlichen Gedanken mich hingeben, denn das hieße, gegen die Gerechtigkeit Gottes murren, dessen Strafe wir annehmen müssten — vielmehr will ich die Freude in mein Herz einziehen lassen, denn 511p,20.1 rn'? V"Z>2,1 hält unser neugewählter Rabbiner Herr Moses David Hoffman« '"2 seinen Einzug in Ung.- Brod, seinen früheren Rabbinatssitz in Ruiz (Ungarn) verlassenst), Herr Hoffmann ist gewandter Talmudist, tuchriger Hebräer, geübter Schulmann, guter Redner; wir können demnach der angenehmen Hoffnung leben, baß er den über ihn in Folge seines ihm vorange-