Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1866)
- Date
- 1866-05-16
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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346 dem ehrwürdigen xrnnck r-üddm näherte, ihn einlud den Wagen des Vice-Königs zu besteigen, und die Wohnung, die während seines Aufenthaltes zu Kairo für ihn bestimmt war, einzunehmen. Die Aegypten sind also nicht solche Barbaren, und man könnte mauche civilisirte europäische Regierung anführen, die sich entehrt glauben würde, wenn sie einen Nabbinen wie einen hohen. Würdenträger des Landes behandeln sollte. Noch, che ich Alexandrien verließ, hatte ich die Geyugthuung zu sehen, wie die Schulen eine solche Entwickelung angenommen hatten, daß ein größeres Local nöthig geworden war. Der adevLliar Pereira hatte sich der guten Sache angenommen, und begegnete einer großen Sympathie, die seither nur zugenommen hat. Freitag schiffte ich mich nach Jaffa ein, wo ich am Fasttage desTamus Mittags ankam. Eine Deputation, die mir entgegn kam, begleitete mich bis zu den Thoren Jerusalems, wo mich ei» großer Lheil der Bevölkerung freudig empfing. Wenn meine erste Reise nach Jerusalem den Zweck hatte, Ideen für eine bessere Heranbildung der Jugend zu erwecken, so sollte die zweite die Verwirklichung der bereits gefaßten Ideen her beiführen. Ein junger Gouverneur, Kiamil Pascha, der allen guten Ideen zugänglich war, hatte die Stelle des alten Generals von Salonichi und Paschas vonJerusaltM übernommen. Herr Barrsre, der früher Kanzlist des ersten französischen Consuls zu Jerusalem war, hatte seine Stelle zu Tiflis mit derjenigen in der heiligen Stadt vertauscht. Bon dieser Seite aus war also eine Verbesserung eingetreten, während der Graf von Pizzamano, als österreichischer Consul unaufhörlich unsere Brüder in femett Schutz nahm. Bei einem Besuche, den mir Kiamil Pascha gemacht hatte, hat er den Wunsch ausgesprochen, das Hospital-in allen seinen Details zu sehen und zu inspicirtn. Wirklich kam er einige Tage später, und wurde von alle Chachamim und Vorstehern der Gemeinde empfangen. Er gab den Kranken viele Almo sen, ebenso dem Personale des Spitals, und umarmte vor seinem Weggehen die Sepher Thora in dem Betzimmer des Etablissements. Herr Or. Neumann leitete dieses Institut bis 1662, wo er seine Demission einreichte und durch den nunmehr verewigten vr. Rothziegcl ersetzt wurde, dessen Hingebung für sein Amt während der letzten Epidemie jedes Lob überragt. Mehr als 40 Arbeiter traf ich an, die verschiedene Handwerke erlernten. Ich unterzog sie einem Examen, wodurch ich ersah, wie fast alle in den Unterrichtsstunden ihres Lehrers, des H. Prague, Vieles gelernt hatten. Auch ein zweckentsprechendes Institut für Wöchnerinnen fand allgemeinen Anklang und trug dieses viel für den Gesundheitszustand der Neugeborenen bei. Mit befriedigtem Herzen verließ ich also Jerusalem, um den Sabbat Viri LmVzu Jaffa zu verbringen, wo ein Schiff der französischen Compagnie mich Sonntags aufnahm und mich über Syrien und Nhödus nach Constantinopel brachte. Zu Beirut nqhmen wir Herrn Rousseau, den ConsUlaragenten Englands in den Dardanellen, ass Mitreisenden auf, der, um der Vorsehung für ein großes Vermögen, das ihm durch den Krimkrieg zugefallen, zu danken, sich in das heilige Land begeben hatte. Er war von zehn Glaubensgenossen und einem Schochet begleitet und wollte alle Orte die durch die Tradition und die fromme Ergebung der Einwohner geheiligt worden, besuchen. Der Capitam hatte uns ein besonderes Zimmer eingeräumt damit wir ungestört den Erinnerungstag an die Zerstörung Jerusalems feiern könnten. Unter Klageliedern und analogen Gesprächen kamen wir Sonntag Morgen nach der Insel Rhodos, wo wir die Synagoge besuchten, deren Fußboden in Mosaik gepflastert war. In den Dardanellen verließ uns die Karawane dieses wohlthätigen Mannes, den ich später 1864 vollständig etablirt zu Jerusalem antraf, wo er sich nicht nur durch Almosengeben auszcichncte, sondern auch darnach strebte, regelmäßige Handelsverbindungen mit dem Mittelländischen Meere ins Leben zu rufen. Nach meiner Arkunft zu Constantinopel am 14. August suchte ich von unserem Gesandten, Herrn Thouvenel, die Erlaubniß zu erlangen, daß die französischen Truppen einem Gottesdienst in der Synagoge zu Galata beiwohnen sollten, der den Manen unserer Glaubensgenossen, die auf dem Felde der Ehre gefallen waren, und denen zu Ehren keine Gebete als die von ihren Kameraden auf dem Felde abgehalten wurden, gelten sollte. Das Central - Consistorium hatte vom Kriegsminister um die Erlaubniß nachgesucht, auch den israelitischen Soldaten Feldprediger zu geben; dieDiscuffion hierüber wurde jedoch so in die Länge gezogen, daß der Krieg längst beendigt war, ehe die Entscheidung eintraf. (Anm. V. Uebers.: In Nr. 13 und 14 d. I. erwähnte der „Israelit" den diesbezüglichen Erlaß der französischen Regierung ) (Fortsetzung folgt.) Hierzu eine Beilage, » >» «. . >> i > > .. LerantwortUche Redaction: vr. Lehmann. — Bert, 3der Lö Ronx'fchen Hosbuchhandlung. — DarnpffSchnellpressendruck von ottSleben in Mainz.