Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1866)
- Date
- 1866-05-16
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Moses, den vier Inden-Vorstehern Joel, Joseph Haller , Abraham Wize, Coppel, und sämmtlichen Juden, von Mainz, auf einen Tag vor ihm zu erscheinen, um auf eine Klage gegen sie, vom Erzbischof Heinrich II, zu antworten. Asirs dieser Begebenheit, die Schaab, Seite 58, erwqhut, geht hervor, daß die Juden damals in Mainz wie in Worms einen Judenbischof hatten. Wir wissen nicht, was die Klage des Erzbischofs war; vielleicht betraf sie die Flucht der Israeliten aus dem deutschen Reiche, denn noch im nämlichen Jahre 1286 erließ der Kaiser Rudolph am 6. December den Befehl an die Stadt Mainz, dahin zu wirken, daß alles bewegliche und unbewegliche Eigenthum der über das Meer entflohenen Juden welches sie in Mainz, Worms, Speyer, Oppenheim und in der Wetterau zurückgelaffen hätten, an den Erzbischof von Mainz, Heinrich II., und an den Grafen Eberhard von Katzenellenbogen ausgeliefert werden solle. Tor Rath und die Bürgerschaft zu Mainz fügten sich nicht diesem kaiserlichen Mandat; sie ließen nichts verabfolgen, sondern behielten Alles für sich. Der darüber zwischen ihnen und dem Erzbischof entstandene Streit endigte durch einen mit dem Erzbischof Gerhard H. abgeschloffenen Vergleich im Jahre 1295, wie Schaab Seite 60, berichtet. Die den entflohenen Jud.n gehörigen vom Magistrat confiscirten Häuser, 54 an der Zahl, waren das Eigenthum, der aus Mainz im Jahre 1283 entronnenen und 1286 übers Meer geflohenen Israeliten. Denn es ist nicht wahrscheinlich, daß in einer so kurzen Zeit die neu angesiedelten Juden in Mainz so zahlreich waren und so viele Häuser gekauft hätten. Wir werden vielmehr im folgenden Paragraphen ersehen, daß vor 1292 die neue Niederlassung der Juden in Mainz sehr langsam vor sich ging. (Fortsetzung folgt.) E. Carmoly. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Gfenheim*) bei Mainz, den 11. Mai. Wie störend die jetzigen kriegerischen Zustände bereits in alle Verhältnisse eingreifen, dazu mag folgendes Factum als Beleg dienen. Der hiesige israelitische Leh- *) Anm. der Red.: Esenherm rst vermuthlich das alte Ensisheim, wo sich der Kerker des Rabbenu Melr M e- Rcthenburg befand, wie in diesen Mattem in jüngster Zeit vielfach erwähnt wurde. — rer, ein Preuße von Geburt, mußte gestern unseren Ort verlassen, um in die preußische Armee „einzutreten. Der Mann ist verheirathet und hat drei kleine Kiflder. München. Jüngst starb hier am Schlagfiuffe der Chef des ersten Bankhauses, FirmaJ. N. Oberndorfer, Herr Samson Oberndorfer. Er nimmt den Ruf eines Ehrenmannes und größten WohlthäterS der jüdischen Gemeinde mit in das Grab. Um großes Vermögen nicht lachenden Verwandten überlassen zu sehen, verheirathete er sich nach 25jähriger kinderloser Ehe zum zweiten Male mit seiner treuen Haushälterin, und seine Hoffnung, Vaterfreuden zu erleben, erfüllte sich doppelt. Oesterreichiseher Kaiserstaat. Wien 7. Mai. Schon oft hat Ihr geschätztes Blatt von dem für das orthodoxe Judentum begeistert und eifrigst wirkenden Herrn Moritz Fischer, Besitzer der großen Porzellanfabrik zu Herend in Ungarn, berichtet; demselben ist nunmehr eine hohe Ausz ichnung zu Theil geworden. Se. Majestät der Kaiser haben allergnädigst geruht, Herrn M Fischer in Anerkennung seiner um den Staat sowohl als um sein Vaterland erworbenen hervorragenden Verdienste taxfrei den ungarischen Adel zu verleihen. Herr F. ist bereits seit längerer Zeit Ritter hoher Orden und gehört zu den bedeutendsten und berühmtesten Industriellen des ganzen Kaiserstaates. Wien. Zwei hier sehr bekannte Kaufleute, PH. Kohn aus Arad und M. Weiß aus Wartburg wurden dieser Tage, als sie von Vilagos nach Neu-Banät fuhren, von drei ungarischen Räubern angefallen. Die Räuber, welche auf einem dreispännigen Bauernwägen fuhren, waren mit Doppelgewehren und Revolvern bewaffnet, so daß die Verteidigung der Angefallenen, bei welcher der Kutscher des Kohn niedergeschoffen wurde, fruchtlos war, und den beiden Kaufleuteu nichts anderes übrig blieb, als ihre Baarschast und ihre Werthgegenstände freiwillig auszuliefern. Dem Kaufmann K. wurden über 1000 fl. in Geld und Pretiosen, 600 fl. in Werthpapieren und 400 fl. in Wechsel, seinem Reisegefährten 970 fl. in Geld und Prätioien und 1200 fl. an Wertpapieren geraubt. Nachdem die Räuber noch die Leiche des erschossenen Kutschers durchsucht, jedoch nichts gefunden hatten, fuhren sie davon und trotz der außerordentlichen Maßregeln, welche die dortige Gensdarmerie ergriff kam man bisher keinem derselben auf die Spur. Die Räuber waren nach Art ungarischer Csikose gekleidet. Wien. Vorgestern fand im hiesigen israel. Tempel die Trauung des Herrn Joses M. mit Fräul. Jda P. statt. Als das eben getraute junge Ehepaar