Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 20 (16.5.1866)
- Date
- 1866-05-16
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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S42 Geburt-stadt. Dieses Werk bis jetzt unbekannt, enthält namentlich viÄe Gebräuche, die R. Meir in Rothenburg einsührte: ,-s v"-inv oder: .is v"-,.-iv. Dieser R. Arje scheint derselbe Schüler von R. M«ir zu sein, der 1336 die Handschrift in Oxford , Coll. Michael Nr. 837 schrieb. Ascher den Jechiel, der in Toledo, den 8. Oktober 1327, starb. R. Jsaac aus Düren, Verfasser der.„Pforten von Düren/ bei mir handschriftlich auf Pergament, sehr correct und vollständiger als die gedruckte- R. MöirCohen, Bearbeiter der „Hagahot Maimoniot." R. Mordechai, der Verfasser des Mordechai, wurde 1298 in Nürnberg erschlagen. R. Simson benZadok, der Autor des Taschbaz; u. a. m. XXVI. Zerstörung der Gemeinde im Jahre 1283. Nachdem wir nun die Lebensgeschichte des berühmten R. M«ir von Rothenburg, ausführlich beschrieben haben, io kehren wir zu der allgemeinen Geschichte der Juden ^rr Mainz zurück. Wir treffen die Gemeinde in einen schrecklichen Verdacht verwickelt, der mit blutiger Verfolgung begann und mit der gänzlichen Zerstörung der Gemeinde endete. Unser Memorbuch und die diplomatische Geschichte der Juden von Schaab geben uns über den traurigen Vorfall genaue Berichte, die bereits von vr. Grätz benutzt wurden Wir stellen hier die Einzelheiten kurz zusammen und fügen einige neue . Berichte hinzu, über die gänzliche Zerstörung der jüdischen Gemeinde, die wir dem zweiten Theil des Memerbuches verdanken, den vr. Grätz nicht gesehen hat, und daher die Schilderung des Annalisten, Abt Tritheim, als übertrieben angibt. Zur Osternzeit war ein todter Christenknabe in der Gegend von Mainz gefunden worden, und sogleich entstand das lügenhafte Gerücht, die Juden von Mainz hätten ihn zu ihrer Osterfeier ermordet. Zur Beglaubigung dieser falschen Anklage wurde angegeben, daß eine christliche Amme, gegen die man aber keine Klage führte, ihn den Juden verkauft hätte. Mit der Knabenleiche auf der Schulter, fand sich ein Verwandter desselben, ein Ritter Gerbaldus Ring, mit einigen Genossen vor Mainz ein, Rache gegen die Juden, die Knabenmörder, schnaubend. Umsonst gab sich der Erzbischof Werner von Mainz, Erzkanzler des Reiches die größte Mühe, die aufgeregte Menge zu beschwichtigen, einen regelmäßigen Proceß gegen die Angeklagten einzuleiten und die Schuldigen zu ermitteln. Die vom Anblick der Leiche bis zur Raserei erhitzten Christen überfielen ihre jüdische Nachbarn am zweiten Ostertage (am vorletzten Peßachtage, 19. April 1283) , tödtetey zehn Perforier» und plünderten die Mischen Häuser. Diese zehn Märtyrer, deren Namen die Geschichte aufbewahrt hat, sind: Jsaac ben Moses, der Mte; Nathan den Samuel, der Alte; dessen Ehefrau Bonns; Liebheid, die Alte; Mirjam die Blinde; Rachbia beu Gerschom; Meschullam ben Jakob; Joseph ben Zarach, der Heilige; Abraham Junior ben Jsaac Ha-Leoi, und Jsaac ben Chiskia, der Jüugling. Dies waren nur die Vorgänger der vielen Anderen, die nach ihnen den Märtyrerlod erlitten. Seit lange schon wartete man in Mainz auf eine solche Gelegenheit, um sich der jüdischen Bevölkerung zu entledigen , und da sie nun erschienen war, wollte man sie nicht unbenützt vorüber gehen lassen. Ein schreckliches Gemetzel fand die folgenden Tage statt; alles, was sich nicht durch schnelle Flucht retten konnte, ward ein Opfer der grausamsten Volkswuth. Nichts war heilig für diese aufgehetzte Menge, man mordete, man rauhte alles, was man konnte, und da keine lebendige Opfer mehr da waren, so fiel man über die Todten im Grab« her und zerstörte ihre Gedenksteine. Auch die sechshundertjährige Synagoge, daälteste Monument von Mainz wurde bei dem schrecklichen Aufruhr bis in ihre Fundamente umgeriffen. Die HMgthümer dieses ehrwürdigen Gotteshauses wurden entweihet, zerstört und geraubt Ebenso wurde das Gemeindehaus mit seiner alten Bibliothek, die hohe Lehrschule, Sitz so vieler berühmter Männer, gänzlich beraubt und zerstört. Mit einem Worte, es blieb kein Zeichen der Juden mehr in Mainz, denn alles, ihre öffentlichen Gebäude, ihre Privathäuser und ihr sämmtliches Vermögen wurde geraubt, eingezogeu oder verheert. Als der Kaiser Rudclph daher um Michaelis dieses Jahres (1283) einen Fürstentag zu Mainz hielt, waren keine Israeliten mehr da, um ihre gerechte Klagen vor den Monarchen zu bringen, und er hörte nur die Stimme ihrer Feiyde, die der Kaiser nicht nur nicht mißbilligte sondern sogar lobte, und nur befahl, die Güter der Juden, unter Bedrohung der Todesstrafe und der Strafe beleidigter Majestät, in die Hände des königlichen Fiscals ohne Verzug abzuliefern. Dieses Ende der Mainzer Gemeinde, und seine schreckliche Wirkung auf die Juden am Rhein und Lu Bayern mußte ihnen den Bosen Deutschlands verhaßt machen und den Wunsch in ihnen erregen, ihn, eS gelte auch, was es wolle, zu verlassen und sich ein gefahrloses Leben in der Nähe ihrer Stammlanse oder anderswo zu verschaffen, wie es 1286 wirklich geschah, und wir oben erzählt haben. Wie eS scheint, haben sich in diesem Jahre bereits wieder Juden in Mainz ansässig gefunden, denn am 23. September 1286 befahl der Kaiser Rudolph dem Judenbischoj.