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Der Israelit · 1866-05-09 · Heft 19 (9.5.1866) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 19 (9.5.1866)
Date
1866-05-09
Page
– (sequence 8)
Language
German
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3S0 Ueber noch andere Synagogen mit interessanten Sknzelnheiten ein anderes Mal. E. W. Feuilleton. Eine beabsichtigte Judenverfolgung in Ragusa im Jahre 5383 (1622). Rach dem i">7in jpr erzählt von (Schluß.) Diese VersolgungSsucht der Einwohner der Stadt Ragusa hatte sich nicht bloS über Jizchak erstreckt, sondern auch über die ganze dortige jüdische Gemeinde. Hätte Jizchak, von der Heftigkeit der Schmerzen betäubt, die von ihm nickt ausgeübte That bekannt — es wäre dann um alle Juden der Stadt geschehen gewesen. An vorgeblichen Ursachen zu Verfolgungen fehlte es niemals; sagte man ja in diesen Zeiten, wenn ein Jude ein Verbrechen begangen: „Die Juden haben es gethan." Alle, selbst kleinliche Vorwände suchte man hervor, um auch andere Juden zu verdächtigen. Während in anderen Städten die Juden blos an Sonntagen undFeiertagen sich gar nicht sehen lassen durften, wurden die Juden in Ragusa Monate lang in ihren Häusern eingesperrt gehalten; verstärkte Wachen, die Tag und Nacht am Eingänge der Judengasse aufgestellt waren, beobachteten dieselben aufs Strengste, damit Keiner sich durch die Flucht der Strafe entziehe; sie sollten Alle für den Einzelnen bürgen. So wurde der Vater des dortigen Rabbiners während des ChanukafesteS eingezogen und sollte ebenfalls mit der Folter bestraft werden. Er wollte sich bei einem Christen für seine Glaubensgenossen verwenden, daß man die Thors des Ghetto'S öffne und den Juden erlaube ihren Geschäften nachzugehen, da dieselben doch nichts Unrechtes begangen hätten. Den zu diesem Zwecke geschriebenen Briefe wollte er dem Sohne des Christen übergeben, damit dieser ihn seinem Vater überreiche. Der Sohn aber, als er hörte, daß es der Brief eines Juden sei, weigerte sich, ihn anzunehmen. Wie konnte und durfte der Sohn diese Gefälligkeit erweisen? War es doch der Brief de- Juden, dessen todeöwürdiges Verbrechen schon darin bestand, ein Jude zu sein, gehörte ja dieser Mensch zu jener Genossenschaft, die man zum Gegenstand des Spottes, der böswilligen Reden, der Verfolgungen, der Plünderung und Mißhandlung machte; war er doch einer von denen, die als Merkmal ihrer schutzbedürftigen Knechtschaft ein in die Augen fallendes Zeichen, dm aus gelbem Luch gefertigten Ring am Arme tragen mußten, die Ehristmblnt trinken, die Brunnen, ja sogar, wie man versicherte, den Rhein und die Donau vergifteten und die die Pest und Seuche in die europäischen Länder schleppten, und aus dm Händen des verachteten Juden hätte dieser Sohn einen Brief nehmen sollen? Gleich hieß es unter den Christen, dieser Jude hat Bestechung geben wollen, und auf dm bloßen Verdacht hin mußte dieser Greis 55 Tage im Gefängniß schmachten. Der Rabbiner der Gemeinde, der Erzähler dieser traurigen Geschichte, erhielt von einem guten Freunde einen in hebräischer Sprache geschriebenen Brief; noch in derselben Nacht wurde er aus dem Bette gerissen und in dm Kerker geworfen, indem mau vorgab, daß er Verbindungen nach Außen angeknüpst, um sich durch die Flucht zu reiten. Erst nachdem er aufs Evidenteste nachgewiesen, daß der Inhalt des Briefes in keiner Beziehung zü seiner Persönlichkeit stehe, wurde er seiner Haft entlassen. Ein dritter Jude, wurde verhaftet weil er am Tage als die Mordthat an dem Mädchen begangen wurde, mit Jizchak gesprochen und somit auch mit im Complott sein müsse. So wurden die Juden in Ragusa verfolgt und hatten jeden Tag zu befürchten, umgebracht zu werden. Doch Gott, der Hüter und Beschützer Israels, zu dem sie sich m Gebet, Fasten, Weinen und Trauer Tag und Nacht erhoben, erhörte endlich ihr Wehklagen und befreite sie von ihren Drangsalen. Die Juden in Ragusa bewiesen die unüberwindliche Kraft de- Gottvertrauens, sie hielten fest und treu an dem väterlichen Glauben; mit der Verfolgung wuchs ihr Muth und ihre Kraft in der heiligen Religion Israels; sie zeigten sich fähig, alle Erdengüter, ja selbst das Leben für dm göttlichen Glaubm zu opfern. Schmerzlich ist es für uns, wenn wir unL ins Gedächtniß rufcn, was unsere Vorfahren erduldet; aber auch erhebend ist die Betrachtung ihres festen und unerschütterlichen GottvertraumS. Wie müssen wir Gott danken, daß er uns bessere Zeiten geschenkt! Zeigen wir unseren Dank dadurch, daß wir festh alten am väterlichen Glauben und uns immer mehr stärken in der Hingebung an Gott, indem wir Seme Gebote beobachten und Seiner heiligen Thora nachlebm »"p, «'7» '2! Hierzu riue Vellage. Berantwortüche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'schen Hofbuchhandlung. — Dampf-Schnellpreffendruck von I. SottSleben in Mainz.

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