Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 7 (1866)
- Issue
- Heft 19 (9.5.1866)
- Date
- 1866-05-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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32S putation trat vor Se. Majestät unter Führung des Predigers vr. Löwenstein, welcher im Ornate erschien. Als Se. Majestät der Deputation entgegen zu gehen geruhte», sprach vr. Lüwenstein: ^Geruhen Ew. k. k. apostolische Majestät huldreich zu gestatten, daß wir dem Gebote unserer heiligen Religion folgend, den Segen Gottes auf das theure Haupt Allerhöchstdeffelben herabflehen." Se. Majestät der Kaiser winkte gnädigst gewährend. Darauf sprach Rabbiner vr. Löwenstein zuerst in hebräischer und dann in deutscher Sprache folgende Worte: „Gepriesen seist Du Ewiger, unser Gott, der Du vom Glanze Deiner himmlischen Majestät mitgetheilt hast dem geliebten Herrscher auf Erden, vor dessen erhabenem Angesichte wir stehen und auf dessen glorreiches Haupt wir mit tiefer Inbrunst Deinen reichen Segen herabflehen." Die Gesammtdeputation antwortete ergriffen mit lautem „Amen". Nun hielt der Führer der Deputation ungefähr folgende Ansprache an Se. Majestät : „Eure k. k. apostolische Majestät, Großmächtigster Kaiser und Herr! In tiefster Demuth und Ehrfurcht, voll kindlicher Treue und Liebe für die geheiligte Person Eurer Majestät, erscheinen wir vor Allerhöchstderfelben um gnädigen Schutz flehend und hoffen in tiefster Unterthänigkeit huldreiche Erhörung unserer Bitte. Mehr als fünfmalhunderttausend jüdische Bürger Galiziens haben uns an die Stufen des huldreichen Kaiserthrones gesendet. Wir fühlen uns durch Beschlüsse des galizischen Landtages rücksichtlich des allgemeinen Gemeindegesetzes und des besonderen Gemeindestatutes für die Hauptstadt Lemberg in unseren materiellen und moralischen Interessen, sogar in unseren Kultusangelegenheiten verletzt und schauen voll Hoffnung zu unserem angebeteten Monarchen empor, bei Allerhöchstwelchem die Juden Oesterreichs zu allen Zeiten Gnade und Schutz gesucht und auch gefunden haben." Seine k. k. Majestät geruhten darauf zu fragen, ob auch das Lemberger Gemeindestatut bezüglich der jüdischen Kultusangelegenhsiten dieselben in irgend welcher Weise alterire? Worauf der obgenannte DeputationSführer eine ehrfurchtsvolle kurze Auseinandersetzung der Einwirkung jenes Statutes auf die jüdischen Kulturzustände Lembergs sich erlaubte, welche von Allerhöchst Seiner Majestät huldreichst entgegen genommen wurde. Seine Majestät geruhten die Deputation mit folgenden Worten allergnädigst zu entlassen: „Seien Sie beruhigt, bis jetzt ist die Angelegenheit Mir noch nicht offiziell vorgelegt. Ich werde sie sogleich in reifliche Erwägung ziehen, um zu sehen, in wie fern es möglich sein wird, Ihre Wünsche zu erfüllen." Nach der Audienz bei Sr. Majestät oem Kaffer begab sich die Deputation zu Sr. Excellenz dem Minister des Aerchern, Grafen Meusdorfs, dem sie ihr Anliegen gleichfalls -ans Herz 4egte. Se. Excellenz empfing die Deputation äls ehemaliger galizischer Statthalter in freundlichster und entgegenkommendster Weise. Schließlich wurde die Deputation von Sr. Excellenz dem Justizminister empfangen, welche Audienz über eine Stunde «ährte. Se. Excel* lenz hörte die Deputation mit großer Theilnahme an und versprach reifliche Erwägung und Berücksichtigung der tatsächlichen Verhältnisse. England. London. Dis Zeitungen berichten, daß Sir Moses Montefiore nach ungefähr 3 Wochen in London erwartet wird, da sein Aufenthalt in dem heiligen Lande durch den unerwarteten Tod des vr. Hodgkin sehr abgekürzt wurde. Durch Pcivrtberichte haben wir jedoch erfahren, daß der würdige Baronet auf seiner Rückreise sehr langsam reisen wird, so daß seine Ankunft erst in ungefähr 6 Wochen zu erwarten ist. (Jewish Ehronicle.) Amerika. New-Pork, 16. April 1-^66. In Betreff des Prozesses der Gemeinde Ansche-Chesed wegen Abänderung im Gottesdienste, hat der Richter zu Gunsten der Orthodoxen entschieden, indem er es den sämmtlichen Mitgliedern der Gemeinde anheim stellte, sich über eine Veränderung zu verständigen und nach Stimmenzahl zu entscheiden, da er selbst, der Richter, keine maßgebende stimme abgeben könnte. Da nun die Majorität der Mitglieder gegen Reformen ist, so wird es beim Alten bleiben. Die Freude hierüber ist bei allen wahrhaft religiösen Leuten eine herzliche, doch ist zu befürchten, daß die Reformer, da sie nichts durch Recht erlangen konnten, es mit List versuchen werden; es gilt ihnen kein Schritt für unerlaubt, ihren Zweck zu erreichen. Noch etwas Besonderes ist bei dieser Gemeinde zu bemerken: in der Religionsschule derselben unter Oberaufsicht des Rabbinen vr. Milziner müssen die Schüler das Chumesch mit entblößtem Haupte übersetzen, und doch sind manche religiös sein wollende Eltern gewissenlos genug, ihre Kinder in diese Schule zu schicken. Einen rühmlichen Gegensatz zu diesem bildet die deutsche Gemeinde Rades Schalem oder Clinton Schule; diese erfreut sich noch eines streng orthodoxen Gottesdienstes, und ist ihre Synagoge sogar an den Wochentagen stark besucht und Samstags meistens überfüllt. Der Chasan, Herr Hoff mann, vereinigt mit einer angenehmen Stimme einen gefühlvollen Vortrag und ist sein sonstiger Lebenswandel eiu religiöser, auch hält er von Zeit zu Zeit eine Predigt; nur ist auch Leider bei ihm der Humbug mit bis zur schmälsten Falke zusammengerolltem Tallith eingesührt.