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Der Israelit · 1866-05-09 · Heft 19 (9.5.1866) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
7 (1866)
Issue
Heft 19 (9.5.1866)
Date
1866-05-09
Page
– (sequence 6)
Language
German
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328 Äußern „Gebt acht, daß aus dem -i'vn kein werde." Dieses Treiben dauerte eine geraume Zeit und man erzählt sich gar wunderbare Dinge, welche dieser junge i'Ln durch Kabala hervorzubringen beabsichtigt hatte, die ihm aber alle natürlich mißglückt sein sollen. Nun trat eine kritische Wendung ein. Unser zur Erde schauende i'vn erhob seine Augen zum pp und schaute sich sogar recht sehr um. Er wandte sich mit Vorliebe zur Romanliteratur, und war kühn oder toll genug, auch hicfür misteriös klingende kabalistische Gründe anzugeben, bis er endl ch die Maske abwarf, Spinozas Werke sich verschaffte, und mit einem Sprunge, war unser fastender i'ON ein Spinozist von reinstem Wasser geworden, läugnete jede positive Religion, lebte ohne religiöse Beschränkung, wie cs ihm paßte und seinen Leidenschaften zusagte, und wurde obendrein Hausfreund des ehemals so verhaßten Kirchenrathcs Dr. Mayer von Stuttgart, wo sich Herr St. mehrere Jahre aufhielt. Dieses ist eine kurze Lebensskizze des jungen Candidaten, Herrn Stern. Wie nun ein so zum Epinozismus sich bekennender, jede positive Religion läugnender Mann, und er hat diese Bekenntnisse sogar in Briefen an ehemalige Freunde schriftlich niedergelegt, dennoch sich in den Sinn kommen lafsin kann, Rabbiner zu werden, das übersteigt unsere Begriffe. Denkt Herr Stern vielleicht wieder an einen gewaltigen Rücksprung? Wir fanden cs nöthig, Ihrem Württemberger Correspondenten und den anderen Lesern Ihres geschätzten Blattes diese Mittheilung machen zu wllen, damit es bekannt wird, mit einem wie gearteten Jünger der sonst allgemein verehrten Preßburger Jeschibah man es hier zu thun habe. Laupheiw, (Württemberg) den 27. April 18( 6. Am 1t. März d. I. hatte das hiesige israelitische Kirchenvorsteheramt beschlossen und durch Anschlag in der Synagoge bekannt gemacht, daß beim Aufrufen zur Thora von nun an nichts mehr für die Armen und Nothleidenden nach Palästina gespendet werden darf. Viele, die noch einige Sympathie für das heilige Land der Väter hegen, runzelten die Stirne, als sie jene unbillige Bekanntmachung lasen; doch einen Schritt dagegen zu thun, war Niemand gewillt Als ich mich nun hin- und hergewendet und gesehen, daß sich Niemand erkühnte der inhumanen Anordnung entgegen zu treten, da entschloß ich mich selber den Eiferer fürs Recht zu machen und so habe ich bereits am 19. März d. I. Beschwerde bei der Königlichen Israelitischen Oberkirchenbehörde erhoben. Dis heute hat zwar diese hohe Stelle noch keine Perfügung ergehen lassen, doch kann eS nach meinem Dafürhalten keinem Zweifel unterliege«, daß jene Anordnung wieder zurückgenommcn werden muß, wie es in einem ähnlichen Falle vor 15 Jahren geschehen. Damals verordnete das hiesige Vorsteher-Amt eines schönen Tages, daß Niemand Etwas nach Auswärts spenden dürfe, wenn er nicht zuvor die hiesigen Vereine bedacht. Auch damals erhob ich Beschwerde, worauf die Königliche Israelitische Oberkirchenbehörde in einem Erlasse vom 6. December 1851 sich dahin ausdrückte: „Es ist diese Anordnung, die nie eine höhere Bestätigung erhalten hat, wieder zurückzunehmen und Jedem, der zur Thora aufgerufen wird, freie Wahl zu lassen, welchem Vereine oder welchem wohlthiitgk« Zwecke er seine Spenden zürnenden wolle." Auffallend, im höchsten Grade auffallend erscheint es, daß, nachdem der ^oeben erwähnte und so deutlich sich ausdrückende Erlaß sich doch auch in den Händen des Vorsteher-Amtes befindet, daß es im Angesichte desselben und ungeachtet dessen jenes unlöbliche Verbot vom /I. März d. I. hat ergehen lassen. Herr Rabbiner Wälder scheint beim Erlaß der erwähnten Maßregel in der Minorität geblieben zu s in; denn unterm 16. d. I. hat er in der Synagoge eine Bekanntmachung angehängt, worin er sich bereit erklärt, nach wie vor freiwillige Gaben für die Armen und Notbleidenden in Palästina in Empfang zu nehmen und solche auf bisherigem Wege weiter zu befördern. Zum Schlüsse erlaube mir noch die Frage: „Sollen oder haben wir uns denn zu schämen, unserer armen Brüder im Lande der Ahnen im Gotteshaufe zu gedenken und ihnen ein Schalstem zur Linderung ihrer Noth beizusteuern? — Gewiß nicht. Wohl wird von reformistischer Seite geltend gemacht, es leiden hiedurch unsere Ortsarmen, wie auch die örtlichen Vereine Beeinträchtigung. Hierauf läßt sich aber erwidern : eigentliche Arme gibt es, Gottlob, hier keine, unsere sogenannten Armen würden in vielen anderen Orten zu den Mittelleuten gezählt werden, und was die Vereine betrifft, so gilt gewiß auch hier das Wort: W. Stern. Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, 27. April. Die Deputation der galizi schen Israeliten wurde gestern Vormittags um ^lO Uhr vor Beginn der allgemeinen Audienzen von Sr. Maj. dem Kaiser in Audienz empfangen. Die De- *) Anm. d. Red.: Wir benutzen diese Gelegenheit, Herrn Rabbiner W älder's eifrigem und erfolgreichem Bemühen zum Besten der Armen im hl. Lande hiermit öffentlich unsere Anerkennung auszusprechen.

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